Eine wunderbare Ausstellung geht zu Ende

GOTIK-Ausstellung im Diözesanmuseum schließt am Sonntag – Mehr als 30.000 Besucher

"Der Kopf mit der Binde" aus der Werkstatt des Naumburger Meisters ist das Paradestück der Gotik-Ausstellung.pdp / Ronald Pfaff Paderborn, 10. Januar 2019. Mehr als 30.000 Besucher hat die große GOTIK-Ausstellung im Diözesanmuseum Paderborn seit ihrer Eröffnung im September 2018 angezogen. Am kommenden Sonntag (13. Januar 2019) schließt die Ausstellung, die überregional viel Lob erntete.  Gotik – mit dem Untertitel „Der Paderborner Dom und die Baukultur des 13. Jahrhunderts in Europa – fand in dieser Darstellung viel Resonanz.

„Die GOTIK-Ausstellung hat nach dem Weihnachtsfest noch einmal mächtig zugelegt. Wir haben täglich ein volles Haus und werden am 13. Januar 2019 mit mehr als 30.000 Besuchern schließen“, freut sich Professor Dr. Christoph Stiegemann, Direktor des Diözesanmuseums, über den großen Zuspruch. „Besonders beeindruckend waren für mich die intensiven Begegnungen und begeisterten Reaktionen vieler Besucherinnen und Besucher in Führungen und Workshops, die gerade die GOTIK bezaubert hat. Das zeigen auch die durchweg positiven Kommentare im Gästebuch.“

Mit einer Träne im Auge wird der Museumsdirektor am Sonntagabend die Türen schließen: „Da mischen sich Freude und Trauer, dass diese wunderbare Ausstellung ein Ende hat. Die Freude aber überwiegt. Die GOTIK-Ausstellung ist wie die vorangegangenen ein großes Geschenk, diesmal mit ganz besonderem Bezug zum benachbarten Dom und damit zum Standort. Dank gilt allen. Der Bistumsleitung, die es uns ermöglicht, solche Ausstellungen zu realisieren, vor allem aber dem Team und allen, die mit enormem Engagement daran mitgearbeitet haben. Daraus schöpfen wir Zuversicht und gucken nach vorn. So lautet mein ganz persönlicher Abschlusssatz: Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung!“

Neugier auf die nächste Ausstellung
Wie geht es dann im Diözesanmuseum weiter? Zunächst erfolgen das sorgfältige Verpacken und der Rücktransport der Leihgaben. Für das Team um Professor Stiegemann eine höchst anspruchsvolle Arbeit, die bereits mehrere Wochen im Voraus geplant und in enger Abstimmung mit den zahlreichen Leihgebern im In- und Ausland koordiniert werden mussten. Es sei wie beim Fliegen:  Start und Landung seien die schwierigsten Phasen des Fluges. „Das muss professionell gehandelt werden – und da verfügen wir gerade im Diözesanmuseum seit der Karolinger-Ausstellung über große Erfahrung, die unsere Leihgeber schätzen.“

Professor Christoph Stiegemann macht jetzt schon neugierig auf das, was kommt: „Wir werden dann mit neuem, umfangreichem Programm am 1. März 2019 die Tore wieder öffnen.“ Zuerst folgt der Umbau des Hauses, wobei sich das Diözesanmuseum diesmal überaus glücklich schätzen darf, dass die grandiosen Leihgaben des Dommuseums in Mainz uns bis zum Jahresende erhalten bleiben, darunter der so überaus eindrucksvolle „Kopf mit der Binde“ des Naumburger Meisters. Stiegemann: „Wie singt Trude Herr so treffend: ‚Niemals geht man so ganz …‘ Das macht mich in diesem Fall besonders glücklich.“

Gotik und Glaube
Gotik und Glaube stehen in einer engen Verbindung. Gotik entdecke den Realismus der Sinne, die Schönheit der Schöpfung und die menschliche Seite Gottes, der uns in jedem Mitmenschen begegne, fasst Stiegemann zusammen. Darüber hinaus hat die Gotik Europa geprägt, von Reims über Paderborn bis Riga. „Was mich enorm beeindruckt, ist die ungeheure baukünstlerische Kraft der Gotik aus dem Glauben heraus. Das verwunderte selbst Kirchenflüchtlinge wie Gottfried Benn“, erläutert der Museumsdirektor- Im Gedicht „Destille“ heißt es: „natürlich bauten sie Dome, dreihundert Jahre ein Stück, wissend im Zeitenstrome bröckelt der Stein zurück, es ist nicht zu begreifen, was hatten sie für Substanz, wissend, die Zeiten schleifen Turm, Rose, Krypte, Monstranz“. „Gerade darin aber kann uns jene Epoche der Gotik gerade heute in vielem Mut machen,  an die Kraft der Erneuerung zu glauben und gegen alle Widerstände daran tatkräftig mitzuwirken, in der Gewissheit, dass Gott uns auf diesem Weg begleitet.“

Gotik in einfacher Sprache
Zum Angebot des Diözesanmuseums gehörte auch eine Führung unter dem Aspekt „Gotik und die einfache Sprache“. Dr. Christiane Ruhmann fasst die Erfahrungen der letzten fünf Monate zusammen: „Man kann aber auch einfach sagen, in unseren Führungen in einfacher Sprache geht es auch darum, die Besucher ein wenig mit in die Zeit hinein zu nehmen: In der Gotik wollten die Menschen Gott nahe kommen. Als farbiges Licht gelangte er durch die großen gotischen Fenster direkt in die Kirche zu den Gläubigen. In der mehrstimmigen Musik hörten die Menschen die Chöre der Engel. In der Messe sollten die Gläubigen Gott wirklich als anwesend wahrnehmen. Die Skulpturen, die nun überall in und an den Kirchen aufgestellt wurden, zeigten Emotionen und sprachen so die Betrachter selbst an – Liebe, Trauer aber auch Blicke in das Paradies und die Hölle wurden plötzlich für jeden wahrnehmbar. All dies hatte es in den vorherigen Jahrhunderten so nicht gegeben. Den Eindruck, den dies alles auf die Sinne der Gläubigen gemacht haben muss, können wir uns heute in einer Zeit, die von intensivem Medienkonsum geprägt ist, als nicht groß genug vorstellen.“