„Worte können Verwandlung bewirken“

Erzbischof Hans-Josef Becker predigt am ersten Weihnachtstag über Worte, die Realitäten verändern

Erzbischof Hans-Josef Becker feierte am ersten Weihnachtstag ein festliches Pontifikalamt mit zahlreichen Gläubigen im Hohen Dom zu Paderborn. Zu Beginn des Gottesdienstes erinnerte er an die Opfer des Tsunami in Indonesien.pdp / Thomas Throenle Paderborn, 25. Dezember 2018. „Mit der Fleischwerdung des Gottessohnes ist es wie mit einem gesprochenen Wort, das einen neuen Sinn bewirkt. Alles ist anders. Die Geburt Jesu verändert so einschneidend, weil er die endgültige Mitteilung Gottes ist.“ Das sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt am ersten Weihnachtstag im Hohen Dom zu Paderborn. Er nahm Bezug auf den Anfang des Johannes-Evangeliums: „Johannes beginnt nicht mit der Geburt im Stall. Er geht zurück an den Anfang von allem“, so der Paderborner Erzbischof. Zu Beginn des Gottesdienstes lud Erzbischof Becker dazu ein, der Opfer des Tsunami in Indonesien zu gedenken: „Wir denken in unserem Weihnachtsgottesdienst auch an die Opfer des Tsunami in Indonesien. Wir dürfen unsere Not vor unseren Gott bringen und ihn um Gnade bitten, weil er ein Gott der Menschen ist.“

„Mit der Fleischwerdung des Gottessohnes ist es wie mit einem gesprochenen Wort, das einen neuen Sinn bewirkt. Alles ist anders“, sagte Erzbischof Becker in seiner Predigt.pdp / Thomas Throenle Das Evangelium des ersten Weihnachtstages beginne mit der Aussage „Im Anfang war das Wort“ (Joh 1,1). Worte könnten vieles sein, erklärte der Paderborner Oberhirte in seiner Predigt: flüchtig oder inflationär, erst im Nachhinein verständlich oder auf immer unverständlich, verletzend oder aufbauend. Von manchen Worten hänge sogar die Zukunft ab: etwa von medizinischen Befunden, Gerichtsurteilen oder dem Ja-Wort vor dem Altar. „Worte schaffen eine neue Wirklichkeit. Nichts ist dann hinterher so wie vorher. Vieles bekommt einen neuen und anderen Sinn“, erklärte Erzbischof Becker.

Der zentrale Satz im Evangelium des ersten Weihnachtstages aus dem Johannes-Prolog laute „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“, fuhr der Paderborner Oberhirte fort. „Jesus ist Gottes erstes und letztes Wort. In Jesus hat Gott uns seinen größten Schatz anvertraut, sein Vermächtnis, sein Neues Testament. Sein Wort ist eine Einladung, auf die wir antworten dürfen.“

Heilige Messe am ersten Weihnachtsfeiertag. V.l.n.r.: Weihbischof Manfred Grothe, Weihbischof Hubert Berenbrinker, Erzbischof Hans-Josef Becker, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Generalvikar Alfons Hardt.pdp / Thomas Throenle Es reiche jedoch nicht aus, im Stall stehenzubleiben. Vielmehr gelte es, hinter dem Stall in die „erdige Realität“ zu gehen, führte der Paderborner Erzbischof weiter aus. „Jesus geht in seinem Leben zu denen, die sein Wort mehr brauchen als alle anderen: zu den Kranken und Schwachen, zu den Kleinen und Niedergedrückten, zu den Alten, den Ausgegrenzten. Er schenkt Worte der Heilung, der Vergebung, der Liebe und der Ge-meinschaft. Seine Worte schaffen neue Realitäten. Sie bewirken Veränderung und Ver-wandlung.“

Weihnachten sei eine große Herausforderung, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker: „Es beinhaltet, dass auch wir unser Ahnen von Gott und dem, was wir von ihm verstanden haben, ‚Fleisch‘ werden lassen – in Worten, denen Taten folgen. Vielleicht wird Gottes Wort Fleisch, wenn wir endlich das versöhnende Wort aussprechen, wenn wir versuchen, mehr zuzuhören, wenn wir nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen und nachtragen, wenn wir unsere Worte in kritischen Situationen mit mehr Bedacht wählen. Das alles sind Versuche, die Menschfreundlichkeit Gottes Fleisch werden zu lassen“, fasste Erzbischof Hans-Josef Becker zum Abschluss zusammen.

Der Paderborner Domchor, die Domkantorei, Solisten und das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Thomas Berning gestalteten den Gottesdienst musikalisch.pdp / Thomas Throenle Erzbischof Hans-Josef Becker zelebrierte das Pontifikalamt im Hohen Dom, Weihbischof Hubert Berenbrinker, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Generalvikar Alfons Hardt und der emeritierte Weihbischof Manfred Grothe konzelebrierten. Für den festlichen musikalischen Rahmen der Heiligen Messe sorgten der Paderborner Domchor, die Domkantorei, Solisten und das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Thomas Berning mit Wolfgang Amadeus Mozarts „Missa brevis“. Domorganist Tobias Aehlig spielte an der Orgel der Kathedralkirche des Erzbistums Paderborn.