„Der wirkliche Gott ist gekommen!“

Erzbischof Hans-Josef Becker feiert mit zahlreichen Gläubigen die Christmette im Hohen Dom

Erzbischof Hans-Josef Becker feierte am Heiligen Abend mit zahlreichen Gläubigen die Christmette im Hohen Dom zu Paderborn.pdp / Thomas Throenle Paderborn, 24. Dezember 2018. „Gott hat die Nacht unserer Welt hell gemacht. Nicht durch einen großen Auftritt, sondern durch sein Kommen im Unscheinbaren, durch seine Geburt draußen vor der Stadt. Mehr als es die göttlichste Galavorstellung könnte, beantwortet Gott mit diesem so geborenen Jesus des Menschen tiefste Sehnsucht.“ Das sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt im Hohen Dom zu Paderborn, wo er am Heiligen Abend mit zahlreichen Gläubigen die Christmette feierte. Der Paderborner Erzbischof thematisierte im Gottesdienst auch die Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise der Kirche, die durch die Vorstellung der Ergebnisse der MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger im Raum der Kirche verstärkt wurde.      

„Gott hat die Nacht unserer Welt hell gemacht“, sagte Erzbischof Becker in seiner Predigt.pdp / Thomas Throenle Selbst in der Feier der Christmette könne nicht so getan werden, als gäbe es die Erfahrungen des Jahres 2018 nicht, sagte Erzbischof Becker am Beginn seiner Predigt. „Vertrauen ist ins Wanken geraten. Das Vertrauen in Ehrlichkeit und Maß, das Vertrauen in Solidarität und Gerechtigkeit, das Vertrauen in unantastbare Menschenwürde und unverlierbares Lebensrecht. Das Vertrauen in ein menschliches Wort.“ Auch das Vertrauen in die Kirche sei erschüttert worden durch die Erkenntnisse der sogenannten MHG-Studie. „Dies sind Erkenntnisse über die Realität schlimmer Gewalt gegenüber Schutzbefohlenen, die sich vertrauensvoll an Menschen gewandt haben, die in der Kirche besondere Verantwortung tragen. Die Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise hat unsere Kirche eingeholt, die doch so von ihrer Glaubwürdigkeit lebt“, erklärte der Paderborner Erzbischof.  

Nach dem Evangelium zogen die Zelebranten zur Krippe des Paderborner Domes, um dort zu beten.pdp / Thomas Throenle Aber weil Weihnachten mehr sei als eine glückliche Stunde in der Liturgie und später in familiärer Runde, weil in der Heiligen Nacht kein Weihnachtsmärchen gespielt werde, hätten die belastenden, traurigen Dramen des Lebens auch ihren Raum, führte Erzbischof Becker weiter aus. Die Botschaft der Heiligen Nacht sei, dass Gott zu uns gekommen sei. Durch die Botschaft vom Kommen Gottes in die Welt sei alles anders: „Vergesst die selbstgemachten Gottesbilder, vergesst das Bild vom fernen Gott, der gar nicht daran denkt, am Schicksal der Menschen Anteil zu nehmen. Vergesst die Vorstellung vom unberührbaren Gott, der kein Mitleid verspürt, weil doch kein Gott leidet. Vergesst das fatale Verständnis vom weltfremden Gott, der unsere Wirklichkeiten nicht versteht, weil er doch Gott ist und wir nur Menschen. Vergesst diesen fernen, unberührbaren, weltfremden Gott, an dem sich Vertrauen wundreiben muss. Nein: der wirkliche Gott ist gekommen!“, appellierte Erzbischof Becker an die Gläubigen.  

Das Heil des „Immanuel“, des „Gott mit uns“, wirke durch die Menschheitsgeschichte hindurch, sagte Erzbischof Becker weiter. Seine Liebe bewege Menschen zu lieben, seine Versöhnung helfe Menschen zu vergeben, sein Kommen ins Dunkel nähre das Grundvertrauen und eine auferwecktes Leben sei die Zukunft des Menschen. Es komme darauf an, diesem Bekenntnis Gottes zum Menschen mehr zu trauen als den Enttäuschungen. Die Feier der Geburt Jesu entführe nicht in eine Traumwelt, vielmehr decke sie eine Wirklichkeit auf, die zum Leben und Menschsein ermutige, so der Paderborner Oberhirte. „Gott ist in Jesus Christus in unsere Welt, in meine vielleicht so armselige Welt, eingetreten und er bleibt da!“  

Erzbischof Hans-Josef Becker zelebrierte den Gottesdienst, es konzelebrierten unter anderem Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Generalvikar Alfons Hardt, Prälat Thomas Dornseifer.pdp / Thomas Throenle Mit Worten von Alfred Delp SJ wünschte Erzbischof Becker ein „friedvolles, stärkendes, heilendes Weihnachtsfest“: „Trauen wir dem Leben, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern weil Gott es mit uns lebt.“  

Erzbischof Becker zelebrierte den feierlichen Gottesdienst, es konzelebrierten unter anderem Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Generalvikar Alfons Hardt, Prälat Thomas Dornseifer. Die Christmette im Hohen Dom wurde musikalisch gestaltet von der Mädchenkantorei am Paderborner Dom unter der Leitung von Domkantorin Gabriele Sichler-Karle sowie von Domorganist Tobias Aehlig an der Orgel.

Zitate  

Erzbischof Becker wünschte ein „friedvolles, stärkendes, heilendes Weihnachtsfest“.pdp / Thomas Throenle „Mit Erschütterungen sind wir heute in die Feier der Heiligen Nacht eingetreten. Diese Erschütterungen umgeben, begleiten, bedrängen uns vielleicht sogar, und da singen wir in der Heiligen Nacht von Liebe und Frieden, reden von Freude und Rettung. Unsere Versammlung hier im Hohen Dom ist sicherlich auch voller Erwartungen und voller Sehnsucht.“ Erzbischof Hans-Josef Becker  

„Die Botschaft von Weihnachten lautet: Gott ist gekommen! ‚Heute ist euch der Retter geboren‘, künden die Engel in Betlehem. Euch allen. Wir sind nicht gott-verlassen auf gott-vergessener Erde. Gott hat die Lust an uns Menschen nicht verloren, immer noch nicht verloren und trotz allem nicht verloren.“ Erzbischof Hans-Josef Becker  

„Gott kommt ins Gewöhnliche, ins Durchschnittliche, er kommt in den Alltag, ein Mensch wie wir, mitten in den Scherben, mitten in unserer unaufgeräumten und ungereimten Welt, mitten in der Undankbarkeit und dem enttäuschten Vertrauen, mitten im Unfrieden, in Krankheit und Schuld und Tod. Er kommt einfach aus Liebe. Darin gründet die merkwürdige Strahlkraft von Weihnachten.“ Erzbischof Hans-Josef Becker  

Die Mädchenkantorei am Paderborner Dom unter der Leitung von Domkantorin Gabriele Sichler-Karle gestaltete die Christmette musikalisch.pdp / Thomas Throenle „Es gibt seit fast 2000 Jahren auch diese Erfahrung: Gott kam in diese Welt, und er ist erschüttert, er zeigt Mitleid, er weint, er begegnet Krankheit und Leid, Angst und Kummer, und er reicht die Hand, hilf auf, heilt, tröstet und nährt. Er litt unter der Schuld und schenkt Vergebung, er starb unseren Tod, und er besiegte ihn.“ Erzbischof Hans-Josef Becker