Bewegender Gottesdienst zum Abschied vom Bergbau

Kirchen feiern ökumenischen Gottesdienst im Essener Dom

Essen / Paderborn, 20. Dezember 2018. Hunderte Besucher nahmen beim ökumenischen Festgottesdienst im Essener Dom Abschied vom deutschen Steinkohlenbergbau. Einen Tag vor der letzten Förderschicht auf Prosper Haniel erinnerten Bischof Overbeck und Präses Rekowski an die enge Verbundenheit der Kirchen mit dem Bergbau.  

Bischöfe, Bergleute und die Heilige Barbara – mit einem bewegenden ökumenischen Gottesdienst haben hunderte Christen am Donnerstagabend im Essener Dom Abschied vom deutschen Steinkohlenbergbau genommen. Einen Tag vor der letzten Förderschicht im Bottroper Bergwerk Prosper Haniel stand dabei die enge Verbundenheit zwischen den Kirchen und dem Bergbau im Mittelpunkt. Zugleich gab es in der Feier Raum für Trauer und für Erinnerungen an die Industrie, die wie keine andere die vergangenen 200 Jahre im Ruhrgebiet und weit darüber hinaus geprägt hat.  

Bergleute brachten zu Beginn des Gottesdienstes ein großes Kreuz in die Kirche und begleiteten es links und rechts mit Grubenlampen. Fahnen-Abordnungen von Knappenvereinen umrahmten den Altar – und auf einem eigenen Podest hatte die Figur der heiligen Barbara ihren Ehrenplatz. Eigens für den Gottesdienst hatten Bergleute die Figur von der siebten Sohle auf Prosper Haniel, also aus gut 1200 Metern Tiefe, ans Tageslicht und in den Essener Dom gebracht – und gleich im Anschluss an die bewegende Feier ging es für die Figur wieder zurück an ihren Platz. Ein Stück Beistand für die Kumpel in ihrer letzten Förderschicht am Freitag.  

Der katholische Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, betonten in ihrer gemeinsamen Predigt das gelebte Vertrauen und die gegenseitige Solidarität der Bergleute als Werte, die auch nach dem Bergbau wichtig blieben. Der Bergmannsgruß „Glück Auf“ sei dabei „fast so etwas wie ein Segenswort: Möge Gott Dich bewahren“, sagte Rekowski. Gerade angesichts des Bergbau-Abschieds erinnere der Ruf Christen wie Bergleute daran, dass es „vom Dunkeln ans Licht, von all den Schwierigkeiten des Lebens dorthin geht, wo es wirklich gut ist“, so Overbeck.  

Rekowski hob hervor: „Alle Bergleute müssen sich aufeinander verlassen.“ Alle seien „gleich viel wert. Keiner steht im Ansehen höher als der andere“, so der Präses. „Diese Haltung unter Tage, die brauchen wir auch über Tage“. Overbeck erinnerte: „Jeder Bergmann wusste: Ohne den anderen bin ich nichts, mit ihm kann ich vieles, Gemeinsam können wir alles schaffen“. Die aus diesem Vertrauen entstandene Solidarität sei auch die Basis für das Auslaufen des Bergbaus gewesen: „Die Art und Weise wie der soziale Zusammenhalt organisiert und auch die soziale Sicherheit für alle garantiert wurde hat gezeigt, hier gehören alle zusammen und das ist ein Zeichen von Vertrauen: sozialverträglicher Stellenabbau, gerechte Vorruhestandsregelung, Umschulungen.“ Rekowski lenkte den Blick indes auch auf die Schattenseiten des Bergbaus, auf Grubenunglücke, Berufskrankheiten und die Ewigkeitslasten der Steinkohlenförderung. In einer Fürbitte gedachten die Gottesdienstbesucher aller verunglückten Bergleute und erinnerten dabei auch an den am Montag im Bergwerk Ibbenbüren ums Leben gekommenen 29-jährigen Bergmann.  

Neben vielen Bergleuten und ihren Angehörigen, Vertretern der Bergbau-Industrie und der Gewerkschaften waren auch viele Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in den Dom gekommen sowie viele Menschen, die dem Bergbau als Christen besonders verbunden sind. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) feierte den Gottesdienst ebenso mit wie seine Vorgänger Hannelore Kraft (SPD), Jürgen Rüttgers (CDU) und Wolfgang Clement (SPD). In ihren Amtszeiten hatten sie ihre jeweils eigenen Begegnungen mit dem Bergbau – und haben jede und jeder für sich das Ende der Steinkohlenära in Deutschland ein Stück mitgestaltet. Dies galt für viele Besucher des Bergbau-Gottesdienstes im Essener Dom. Zum Beispiel für den früheren Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) oder den ehemaligen Landesarbeitsminister Harald Schartau (SPD). Und natürlich für Jürgen Kroker, der als Chef von Prosper Haniel nicht nur der letzte Direktor eines deutschen Steinkohlenbergwerks ist, sondern zuvor auch schon die vorletzte Ruhrgebietszeche geschlossen hatte: Auguste Victoria in Marl. Gemeinsam mit dem Bergmann Michael Müller und der westfälischen Präses Annette Kurschus sprach Kroker die Danksagung im Gottesdienst.  

Mit Liedern zum Advent („Macht hoch die Tür“) und bekannten deutschen Kirchenliedern („Nun danket alle Gott“) gestalteten der Ruhrkohle-Chor und Mitglieder der Dortmunder Philharmoniker gemeinsam mit Domorganist Sebastian Küchler-Blessing das musikalische Programm des Gottesdienstes. Auch eine Improvisation über das Steigerlied hatte Küchler-Blessing eingebaut – sie war zugleich ein Vorgeschmack auf den anschließenden Empfang in der evangelischen Kreuzeskirche. Nach einem gemeinsamen, von Bergleuten begleiteten Gang durch die Essener Innenstadt und einer kurzen Gesprächsrunde sangen dort alle Gäste mit Inbrunst und der ein oder anderen Träne im Augenwinkel mit dem Ruhrkohle-Chor und Kindern der Essener Andreas-Schule die Bergmanns-Hymne „Glück Auf, der Steiger kommt“ – wohlwissend, dass diese Szene bald endgültig der Vergangenheit angehören wird.  

Text: Bistum Essen

Der Gottesdienst wurde vom WDR übertragen und ist in der Mediathek eingestellt - hier.

Einige Impressionen aus dem Gottesdienst hat das Bistum Essen zusammengestellt - hier.

Fotos sind auf der Homepage des Bistums Essen eingestellt - hier.