Zwischen Zutrauen und Zumuten

Neues Projekt in der Klinikseelsorge: Neun Ehrenamtliche haben im Erzbistum Paderborn ihren Dienst in verschiedenen Kliniken aufgenommen

Bei einem Gottesdienst in der Krankenhauskapelle des Franziskus-Hospitals in Bielefeld wurden die neun Ehrenamtlichen in der Krankenhausseelsorge durch Prälat Thomas Dornseifer für ihren Dienst beauftragt.Foto: privat Paderborn, 18. Dezember 2018. Klinikseelsorger begleiten Patienten in der oft belastenden Situation im Krankenhaus. Im Erzbistum Paderborn erhalten die hauptamtlichen Klinikseelsorger jetzt ehrenamtliche Unterstützung: Neun Ehrenamtliche engagieren sich dank des neu ins Leben gerufenen Projekts „Ehrenamtliche in der Klinikseelsorge (EAKS)“ in Kliniken in Lemgo, Detmold, Bielefeld, Wiedenbrück und Bad Arolsen. Im Rahmen eines Gottesdienstes im Franziskus-Hospital in Bielefeld wurden sie durch Prälat Thomas Dornseifer, Hauptabteilungsleiter Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat, für ihren Dienst beauftragt.      

Künftig im Krankenhaus in Bad Arolsen tätig (v.l.): Die Ehrenamtlichen Martha Dittmann, Ursula Schad und Gisela Vollbracht. Es fehlt Mentorin Elisabeth Mölder.Foto: privat Das EAKS-Projekt wurde über rund anderthalb Jahre entwickelt. Es ist aus dem Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn gewachsen, das unter anderem die Charismen und die Taufberufung jedes einzelnen Gläubigen hervorhebt. Ihre ganz eigene Berufung bringen jetzt acht Frauen und ein Mann in verschiedenen Kliniken ein: Martha Dittmann, Ursula Schad und Gisela Vollbracht im Krankenhaus in Bad Arolsen, Aiko Kreinau in den Bethel-Kliniken in Bielefeld, Johannes Klauke im St. Vinzenz Hospital Wiedenbrück, Erika Piening, Sabine Halm und Maria Palka im Franziskus-Hospital Bielefeld und Maria Schulte-Klein im Klinikum Lippe (Lemgo und Detmold).  

Das Team aus den Bethel-Kliniken in Bielefeld (v.l.): Klinikpfarrer Peter Schäfer (Mentor) und die Ehrenamtliche Aiko Kreinau.Foto: privat „Es geht uns um eine Weitung des Angebots in der Klinikseelsorge, um das Einbringen weiterer persönlicher Talente durch Ehrenamtliche in Ergänzung zu der wertvollen Arbeit, die die Hauptamtlichen bereits leisten“, erklärt Gaby Kniesburges. Die Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Marsberg und Klinikseelsorgerin im St.-Marien-Hospital Marsberg ist seit Sommer dieses Jahres EAKS-Projektleiterin.  

Auch die Worte von Prälat Thomas Dornseifer bei der Beauftragungsfeier in Bielefeld bringen die Zielrichtung des Projektes auf den Punkt: „Es geht nicht darum, Lücken zu füllen. Es ist für uns eine Bereicherung und ein Geschenk, dass Sie sich als Ehrenamtliche einbringen und unsere bestehende Arbeit durch neue persönliche Akzente erweitern.“ Was Seelsorge im Krankenhaus konkret heißt – Begleitung, Beistand, Zuhören, Trost, Da-Sein –, kam im Gottesdienst im Evangelium nach Matthäus zum Ausdruck: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt vgl. 25,40)  

Im St. Vinzenz Hospital Wiedenbrück engagieren sich (hinten v.l.): Elisabeth Lengenfeld (Mentorin) und Johannes Klauke (Ehrenamtlicher). Im Franziskus-Hospital Bielefeld sind tätig: Klinikpfarrer Hans-Jürgen Kötemann (Mentor, hinten rechts), Erika Piening, Sabine Halm und Maria Palka (vorne, v.l.)Foto: privat Von den neun Ehrenamtlichen, die ihren Dienst jetzt aufgenommen haben, stehen einige noch im Berufsleben, andere sind bereits im Ruhestand. In den Kliniken, in denen sie sich engagieren, sind ihnen die dort jeweils hauptamtlichen Krankenhausseelsorger als Mentoren zugeordnet. „Diese enge Zusammenarbeit ist uns ganz wichtig. Für uns gibt es keinen ehrenamtlichen Einsatz ohne eine hauptamtliche Begleitung. Ebenso legen wir Wert auf gute und einvernehmliche Absprachen mit den jeweiligen Krankenhäusern“, so Gaby Kniesburges. Bei der Suche nach interessierten Kandidaten gab es kein festes „Bewerbungsverfahren“: „Es wurde natürlich Werbung dafür gemacht, einzelne Kandidaten wurden direkt angesprochen, so ist das Ganze gewachsen. Das oberste Ziel war, dass Interessenten sagen: ‚Ich möchte Patienten vor Ort unterstützen, in Rückbindung an meine Gemeinde‘. Denn Kliniken sind wichtige pastorale Orte, an denen Menschen mit dem Glauben in Berührung gebracht werden.“  

Maria Schulte-Klein als Ehrenamtliche und Johannes Brüseke als Mentor bilden das Team im Klinikum Lippe (Lemgo und Detmold).Fotos: privat Welche Kriterien muss ein Ehrenamtlicher in der Klinikseelsorge erfüllen? Neben Verlässlichkeit und Verbindlichkeit und der nötigen Zeit gibt es eine Reihe weiterer unabdingbare Aspekte: „Die Situation in einem Krankenhaus, in dem man auch mit Leid konfrontiert wird, erfordert Sensibilität und eine gute Achtsamkeit für sich selbst. Deswegen fragen wir als Verantwortliche konsequent danach: Was können wir den Ehrenamtlichen zutrauen und was zumuten“, erläutert Gaby Kniesburges.  

Für ihren Dienst in den Kliniken haben die neun Ehrenamtlichen eine Ausbildung absolviert: In vier Kursblöcken ging es von Februar bis November 2018 in der Bildungsstätte St. Bonifatius Elkeringhausen um Inhalte wie „Biographiearbeit“, „das seelsorgliche Gespräch“, „die Institution Krankenhaus“, „Rituale am Krankenbett“ und „die Frage nach dem Leid“. Zusätzlich stand ein Hospitationspraktikum im künftigen Einsatzort beim Mentor auf dem Ausbildungsplan.  

Der Dienst als Ehrenamtlicher in der Klinikseelsorge ist zunächst auf drei Jahre befristet. Danach kann im Gespräch mit den Diözesanleitungen und Projektleiterin Gaby Kniesburges geklärt werden, ob es weitergehen soll. Ein Ausstieg ist jederzeit möglich. Auch eine Altersgrenze gibt es: „Wie auch bei vielen anderen Berufen wurde über die Altersgrenze von 75 Jahren entschieden. Bei entsprechendem Interesse und Eignung kann aber auch dann noch jeweils um ein Jahr verlängert werden. Denn oft sind es ja gerade die älteren Menschen, die sich im Ruhestand mit all ihren Erfahrungen noch aktiv einbringen wollen – ein Zeichen mehr dafür, dass unser Projekt Charismen ganz im Sinne des Zukunftsbildes fördert“, stellt Gaby Kniesburges fest.