Austausch über Chancen und Risiken

Erzbischof Hans-Josef Becker traf in Dortmund die Leiter der Arbeitsagenturen

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker (Mitte) traf am Freitag in der Kommende Dortmund die Leiterinnen und Leiter der Agenturen für Arbeit im Gebiet des Erzbistums Paderborn. An dem Treffen nahmen außerdem teil: Generalvikar Alfons Hardt, Domkapitular Dr. Thomas Witt (Vorsitzender des Caritasverbandes für das Erzbistum Paderborn e. V.), Thomas Schäfers (Leiter der Abteilung Personal und Verwaltung des Erzbischöflichen Generalvikariats Paderborn), Christoph Eikenbusch (Diözesan-Caritasverband) sowie Kommendedirektor Prälat Dr. Peter Klasvogt und Detlef Herbers, stellv. Direktor der Kommende Dortmund.pdp Paderborn / Dortmund, 07. Dezember 2018. Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, der Fachkräftemangel sowie die Chancen und Risiken der Digitalisierung und das neue Teilhabechancengesetz waren am Freitag die Themen des jährlichen Austausches von Erzbischof Hans-Josef Becker mit den Leiterinnen und Leitern der Arbeitsagenturen im Gebiet des Erzbistums Paderborn. An dem Treffen in der Kommende Dortmund, dem Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn, nahmen auch Generalvikar Alfons Hardt sowie weitere Vertreter des Erzbistums Paderborn teil.

Die arbeitsmarktpolitische Entwicklung im Gebiet des Erzbistums wurde erneut im größeren Horizont der sozialpolitischen Herausforderungen diskutiert. „Das ist auch ethisch das Gebot, sich insbesondere um die Menschen zu kümmern, die nicht im Arbeitsmarkt integriert sind“, betonte Erzbischof Becker in seiner Begrüßung. Vor allem im Bereich Ostwestfalen-Lippe ist die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt so positiv, dass die dortigen Leiter der Arbeitsagenturen von „annähernder Vollbeschäftigung“ sprachen. An vielen Orten gebe es außerdem mehr freie Ausbildungsplätze als Bewerberinnen und Bewerber und auch Langzeitarbeitslose hätten von der Entwicklung profitiert. Im Ruhrgebiet, wo die Arbeitslosigkeit generell höher ist, seien ebenfalls Verbesserungen spürbar. So liegt beispielsweise in Dortmund mit 9,8 Prozent die Arbeitslosenquote erstmals seit 1981 unter 10 Prozent.

Bei aller Euphorie über diese positive Entwicklung sahen die Leiterinnen und Leiter der Arbeitsagenturen aber auch „dunkle Wolken“ aufziehen. So hielten sich Investoren derzeit eher zurück und warteten die Entwicklungen in den USA, Großbritannien und die Folgen der Dieselaffäre ab.

Beunruhigt zeigten sich einige auch darüber, dass technologischer Fortschritt in den kommenden Jahren einen großen Teil der Helferberufe überflüssig machen könnte. Der Versuch, die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt vorherzusagen, gleiche aber eher noch einem „Blick in die Glaskugel“. So könnten wegfallende Tätigkeiten auch durch neue Arbeitsfelder ersetzt werden. Qualifizierungen und Umschulungen werde ein wesentlicher Schwerpunkt der künftigen Tätigkeit der Arbeitsagenturen sein. Auf Zustimmung stieß hier die Aussage von Erzbischof Hans-Josef Becker, der eingangs gefordert hatte, Arbeit mehr mit Bildung zu kombinieren.

Verbesserte Möglichkeiten für Langzeitarbeitslose wieder im ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, sehen die Leiter der Arbeitsagenturen in dem im Januar 2019 in Kraft tretenden Teilhabechancengesetz. Dies sieht vor, dass Unternehmen, die Personen einstellen, die mehr als sechs Jahre SGB II-Leistungen erhalten haben, bis zu fünf Jahre lang einen Zuschuss für das Gehalt des neuen Mitarbeiters erhalten können. Hier seien auch Kooperationen mit den Wohlfahrtsverbänden gefragt.

Christoph Eikenbusch vom Diözesan Caritasverband Paderborn wies noch auf ein weiteres Feld der Zusammenarbeit hin. Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit und der Konzerngesellschaft Oliver Wyman, hat die Continental AG im Jahr 2017 die Initiative "experiencing europe" angestoßen, die arbeitslose Jugendliche mit international agierenden Firmen in Kontakt bringt. Gemeinsam stellten die Unternehmen in 2018 bereits 57 Praktikumsplätze für junge Menschen an ihren Auslandsstandorten zur Verfügung.
Der Austausch zwischen den Leiterinnen und Leitern der Arbeitsagenturen wird auch im kommenden Jahr fortgesetzt. Dazu sprach Erzbischof Hans-Josef Becker bereits seine Einladung aus.