„Das Christentum steht für Europas Werte“

Europakongress in Paderborn eröffnet

Das Christentum steht für die Werte des „europäischen Friedenprojektes“: Dr. Hans-Gert Pöttering (3. von rechts) hielt im Paderborner Rathaus die Impulsansprache für den Europakongress. Monsignore Georg Austen (v. l.), Generalvikar Alfons Hardt, Bürgermeister Michael Dreier, Dr. Hans-Gert Pöttering, Dr. Hans Hobelsberger und Heinz Paus.Karl-Martin Flüter Paderborn, 22. November 2018. Mit einem Bekenntnis zu Europa und dem zentralen Wert der Menschenwürde hat am Mittwoch der Europakongress „Religiöse Minderheit – kultureller Mehrwert. Wie prägt Religion Europa“ in Paderborn begonnen. Während der Eröffnungsveranstaltung mit Teilnehmern aus 13 europäischen Ländern betonte der ehemalige Präsident des Europäischen Parlamentes, Dr. Hans-Gert Pöttering, die Verantwortung der Christen für die Einigung Europas.

Der Europakongress hat eine stark internationale und interreligiöse Ausrichtung. Bis Freitag werden mehr als 300 Teilnehmer über die Rolle der Religionen in Europa diskutieren. Auch aus Nordeuropa, wo das Bonifatiuswerk tätig ist, sind Bischöfe nach Paderborn gekommen. Veranstalter sind das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken und die Katholische Hochschule NRW.  

Im Paderborner Rathaus hat Pöttering mit einer leidenschaftlichen Werbung für Europa die drei Kongresstage eröffnet. Er erinnerte an die Rolle, die europäisch gesinnte Katholiken wie Konrad Adenauer, der Franzose Robert Schuman und der Italiener Alcide De Gasperi in der Frühphase des „europäischen Friedensprojektes“ gespielt haben. „Das Christentum stand für Werte, die eine Basis für den Wiederaufbau eines gelingenden Staatswesens bilden konnten“, betonte Pöttering. Auf der christlich-jüdischen Überzeugung, dass jeder Mensch nach dem Bild Gottes als sein Geschöpf geschaffen ist, gründe sich das Grundprinzip der Menschenwürde. Darauf beruhten Werte wie Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.  

Der Präsident des Europäischen Parlamentes a. D. beschrieb weiterhin, wie die Religionen in Europa an Bedeutung verlieren. Er warnte mit Worten von Jacques Delors, einem Gründer der europäischen Integration, der schon 1957 gesagt hatte, Europa brauche eine „Seele“, weil es mehr denn je mit ethischen und politischen Fragen konfrontiert werde. Dieses Anliegen habe Papst Franziskus aufgenommen, als er mahnte, die „Idee Europas“ müsse aktualisiert werden.  

Die Religionen seien gefordert, „Mauern einzureißen und Brücken zu bauen“, sagte Pöttering. Europa dürfe nicht denen überlassen werden, die von sich behaupten, das Volk zu vertreten und einem neuen Nationalismus das Wort reden: „Wir müssen diese Auseinandersetzung offensiv führen.“ Die Europäische Union sei ein „Wunder unserer Zeit: Es lohnt sich, dafür einzutreten“, so Pöttering.  

Zur Begrüßung haben Monsignore Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, und der Rektor der Katholischen Hochschule NRW, Professor Dr. Hans Hobelsberger, die Themen des Europakongresses beschrieben. Die Säkularisierung Europas schreite fort, die Bedeutung von Religion nehme ab. Als „Problemfall“ stünden Religionen jedoch ganz oben auf der Tagesordnung, sagte Hobelsberger und verwies auf das Stichworte „Islam“ und „religiös verbrämte“ Nationalisierungstendenzen. Austen betonte die Bedeutung des Dialogs: „Die Frage nach der Prägung durch Religion und Glauben kann nur im Kontext von Europa mit Blick auf die Weltkirche gedacht und beantwortet werden.“  

Heinz Paus, Präsident des Bonifatiuswerkes, machte den Zuhörern im Paderborner Rathaus Mut. Das katholische Hilfswerk für die Diaspora in Deutschland und Nordeuropa bringe viel Erfahrung für die Diskussion des Glaubens in einer säkularen Welt mit. Man wisse, dass von christlichen Traditionen auch in einer Minderheitensituation starke Impulse ausgehen könnten.  

Eine Überraschung hatte Bürgermeister Michael Dreier vorbereitet. Das Paderborner Stadtoberhaupt bat am Ende der Veranstaltung Hans-Gert Pöttering um einen Eintrag in das Goldene Buch der Stadt. Die Stadt Paderborn würdige damit einen „großen Baumeister Europas“, sagte Dreier. Das Treffen von Papst Leo III. und Karl dem Großen im Jahr 799 an den Paderquellen sei eines der Ereignisse, die die christliche Geschichte Europas begründet hätten. Heute schöpfe die Stadt Kraft und Zuversicht aus dem täglichen Miteinander von Menschen aus 135 Nationen. ­­      

Herkunft hat Zukunft  

Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken und die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen sind Veranstalter des Europakongresses vom 21. bis zum 23. November 2018. Der Kongress ist Teil des Projektes „Herkunft hat Zukunft“, mit dem sich das Bonifatiuswerk als einziges katholisches Hilfswerk am Europäischen Kulturerbejahr beteiligt. Neben dem Europakongress hat das Bonifatiuswerk eine Europawoche, einen deutschlandweiten Medienwettbewerb für Jugendliche auf Spurensuche nach den eigenen Wurzeln und bundesweite Weiterbildungen „Radikal heilig“ für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pastoral- und Jugendarbeit durchgeführt. Im September war das Bonifatiuswerk Mitveranstalter des euroweiten Glockenläutens für den Frieden.  Das Bonifatiuswerk mit Sitz in Paderborn ist das Hilfswerk für Katholiken in Minderheitensituationen in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum.