Katholische Medien- und Kommunikationsarbeit auf dem Prüfstand

„dies academicus“ der Theologischen Fakultät Paderborn zur Zukunftsfähigkeit kirchlicher Kommunikation

Die Akteure beim „dies academicus“ (v.l.): Pater Dr. Karl Wallner, Mike Hottmann, Richard Schütze, Dirk Lankowski, Claudia Auffenberg, Jan Kuhn, Solveig Münstermann, Mathias Lübeck und Professor Dr. Stefan Kopp.Foto: ThF/Benjamin Krysmann Paderborn, 22. November 2018. „Braucht die katholische Kirche ein #update? Wie sieht katholische Kommunikations- und Medienarbeit im 21. Jahrhundert aus?“ Diesen Fragen widmete sich der diesjährige „dies academicus“, der Studientag an der Theologischen Fakultät. Der Allgemeine Studierendenausschuss hat dazu renommierte Referenten eingeladen, die in kurzen Vorträgen ihre Sicht auf die kirchliche Kommunikationsarbeit vorstellten und anschließend miteinander diskutierten.

Prorektor Professor Dr. Stefan Kopp machte in seiner Begrüßung deutlich, dass das Christentum mit seinem Sendungssinn schon immer medial gewesen sei und es auch immer Veränderungen gegeben hätte. Daran solle der diesjährige Studientag anknüpfen. Mike Hottmann, AStA-Vorsitzender, ergänzte: „Wir möchten mit den Menschen in Kontakt kommen, um diese Themen zu diskutieren.“

Dass die neuen Medien längst Einfluss auf die Kirche hätten, stellte Solveig Münstermann, Studioleiterin des WDR in Bielefeld, direkt zu Beginn fest. „Der Papst hat einmal gesagt: ‚Das Internet ist ein Geschenk Gottes‘“. Doch wie sollen die Kirche und die Christen damit umgehen? Die Referenten versuchten, darauf eine Antwort zu geben. Zu Beginn berichtete Pater Dr. Karl Wallner über seine Erfahrungen mit Medien- und Kommunikationsarbeit in der Kirche. Der ehemalige Rektor der päpstlichen Hochschule Heiligenkreuz nahe Wien hat selbst die Öffentlichkeitsarbeit des Stifts Heiligenkreuz übernommen und ausgebaut, von der Homepage über Fernseh-Studio bis hin zu Interviews mit der Boulevardpresse – er sieht diese Arbeit als notwendig an. „Die Menschen sollen an unserem Leben teilhaben können und wir können damit Botschaften geben.“ Er spricht als Nationaldirektor des katholischen Hilfswerks „missio“ in Österreich vor allem der Verkündigung eine wichtige Rolle zu. Dazu brauche es „burning persons“, die ihre eigene Begeisterung weitertrügen und den Mut und die Professionalität hätten, Kirche und Medien miteinander zu vereinen.

Podiumsdiskussion (v.l.):, Richard Schütze, Claudia Auffenberg, Jan Kuhn, Solveig Münstermann, Pater Dr. Karl Wallner, und Dirk Lankowski.Foto: pdp/Juliane Fröhling Richard Schütze, Unternehmensberater für strategische Kommunikation, bezog sich insbesondere auf den Wahrheitsanspruch, den die Kirche weiterverfolgen solle. Um überzeugend und glaubwürdig zu sein, müssten Sprechen, Handeln und Denken identisch und authentisch sein. Schütze: „Dazu braucht es klare Aussagen und sichtbare Impulse, um ein neues Zeugnis zu geben.“ Im letzten Vortrag ging Jan Kuhn auf die Funktion der sozialen Medien ein. Dessen Stellenwert werde vor allem bei jungen Menschen immer größer und die Kirche dürfe den Anschluss nicht verlieren. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Zentrum für angewandte Pastoralforschung an der Universität Bochum betonte: „Heutzutage durchdringen die digitalen Kanäle qualitativ alles. Der andersartige Lebensraum muss sichtbar gemacht werden und die Kirche muss mehr dafür tun.“ Authentizität, Präsenz, Persönlichkeit, Interaktion und Vielfältigkeit seien dafür wichtige Faktoren, die schon immer in der Kirche vorhanden seien und durch die digitalen Medien noch forciert werden könnten.

An der anschließenden Podiumsdiskussion waren neben den drei Referenten auch zwei Vertreter aus dem Erzbistum Paderborn beteiligt: Claudia Auffenberg, Lektorin und Autorin beim Bonifatius-Verlag, und Dirk Lankowski, Redaktionsleiter im neuen Bereich Marketing und Kommunikation des Generalvikariats, waren sich mit den anderen Beteiligten einig: Ja, Kirche braucht ein #update! In einer angeregten Diskussion, die von Solveig Münstermann geführt wurde und an der sich auch zahlreiche Besucher beteiligten, wurden die möglichen Formen eines #updates erörtert. Dirk Lankowski erläuterte, dass im Erzbistum Paderborn mit verschiedenen Formaten bereits viel dafür getan werde, vor allem für junge Menschen. „Als Kirche von Paderborn suchen wir das Wachstum. Und dafür arbeiten wir in der Glaubenskommunikation verstärkt mit jungen Menschen zusammen. Dazu zählen beispielsweise Initiativen wie das junge Glaubensportal ‚YOUPAX‘ und young mission.“

Jan Kuhn ergänzte, dass vor allem das Zuhören eine wichtige Rolle spiele. Richard Schütze vertrat die Auffassung, dass Charismen entwickelt werden müssten, damit die Kirche auch eine bildende Funktion einnehmen könne. Auch Pater Dr. Karl Wallner hob hervor, dass die Kirche noch viel lernen müsse, um mit den dynamischen Prozessen in der Medienwelt mitzuhalten. Claudia Auffenberg fügte außerdem hinzu: „Kirche muss eine Bewegung werden und das muss sich in einer vielfältigen Kommunikation abbilden.“ Dies gehe vor allem durch Experimente und den Mut, sich zu verändern, so Dirk Lankowski.