Appell an Wertschätzung der Älteren

Erzbischof Hans-Josef Becker segnete neuen Konvent und Kapelle im St. Vincenz-Altenzentrum

Erzbischof Hans-Josef Becker segnete den Konvent und die neue Kapelle im St. Vincenz-Altenzentrum.pdp / Ronald PfaffPaderborn, 16. November 2018. Die Namensgeberinnen kehren ins St. Vincenz-Altenzentrum nach Paderborn zurück. Pflegebedürftige Ordensschwestern der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vincenz von Paul sind wieder ins Altenzentrum an der Adolph-Kolping-Straße eingezogen. Außerdem wurde ein Konvent der Vinzentinerinnen eingerichtet, der von Erzbischof Hans-Josef Becker am heutigen Freitag gesegnet wurde.

Fünf Ordensschwestern wohnen nun im St. Vincenz-Altenzentrum und begleiten und gestalten das geistliche Leben der pflegebedürftigen Mitschwestern, die bisher in Bad Lippspringe und Borchen lebten, aber auch der anderen Bewohner. Sie wohnen im Haus Luise. Die pflegebedürftigen Ordensschwestern werden durch die Pflegekräfte des Altenzentrums professionell versorgt.

Fünf Vinzentinerinnen mit Konventoberin Schwester Daniele Voss (l.) kümmen sich um die pflegebedürftigen älteren Mitschwestern.pdp / Ronald Pfaff Die frühere Begegnungsstätte des St. Vincenz-Altenzentrums und ehemalige Krankenpflegeschule wurde umgebaut. Es entstanden ein neuer Wohnbereich für den Konvent sowie eine Kapelle. Der Platz ist für insgesamt sieben Schwestern ausgelegt. „Vermutlich könnte dies das Mutterhaus der Zukunft werden, wo auch die vinzentanische Idee auf Dauer weitergelebt werden kann“, so Generaloberin Katharina Mock.

In seiner Predigt zur Segnung des neuen Konvents griff Erzbischof Hans-Josef Becker ein altes ägyptisches Sprichwort auf, das auch Papst Franziskus zuletzt bei der Jugendsynode genutzt hat:  „Wenn es in Deinem Haus keinen Alten gibt, dann kauf Dir einen, denn er wird Dir nützen“. Die Wertschätzung der Älteren und der Ausgleich der Generationen untereinander sei bedeutend für die Gesellschaft heute.

Die Segnungsfeier mit Erzbischof Hans-Josef Becker in der neuen Kapelle.pdp / Ronald Pfaff„Es gibt wache, vitale Alte, und es gibt vergreiste Zwanzigjährige. Viele Menschen sind sogar im Alter zufriedener als sie es mit 17 jemals waren. Das gilt selbst dann, wenn sie nicht mehr die ganz Starken sind und auf Pflege und Hilfe angewiesen sind. Trotzdem gibt es heute in vielen Bereichen eine offen zur Schau gestellte Missachtung des Alters. So, als würde man selber niemals alt und könnte diesen Prozess durch konsequentes Wegsehen irgendwie umgehen“, so Erzbischof Hans-Josef Becker. In der Alltagskultur „Immer-Schneller“ und „Immer-Mehr“ scheine der Sinn des Lebens darin zu bestehen, niemals alt sein zu dürfen. Eine Ellbogen-Gesellschaft und mangelnde Rücksichtnahme seien Zeitzeichen.

Der Erzbischof machte darauf aufmerksam, dass gerade im Alter Dinge wichtig werden, die zeigen, worauf es wirklich im Leben ankommt. Das Alter sei eine Zeit, in der es leiser und nachdenklicher werde: „Die verrinnende Zeit erscheint uns dann nicht mehr als nur etwas, das uns engleitet oder zerstört, sondern als Zeit der Vollendung. Eine solche Sicht führt uns in eine größere Ruhe und Gelassenheit. Zu einer tiefen Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens, für das Schöne und Gute, das wir erfahren durften.“

Vinzentinerinnen aus dem Mutterhaus und Konvent gemeinsam mit Pastor Przemyslaw Kot.pdp / Ronald Pfaff„Wir begleiten unsere älteren Mitschwestern, weil es eine große Umstellung für sie ist. Wir werden inzwischen von den Mitarbeitern in den Wohnbereichen positiv wahrgenommen und auch vom gesamten Umfeld im Haus. Wir möchten ein Zeichen setzen, dass wir bereit sind, neue Wege zu gehen – auch wenn unsere Kräfte nachlassen. Große Leistungen sind nicht mehr möglich, aber wir können da sein“, sagt Konventsoberin Schwester Daniele Voss.