Wichtiges Feld des pastoralen Handelns

Diözesankonferenz der JVA-Seelsorger im Erzbistum Paderborn

Die Diözesanbeauftragte für die Gefängnisseelsorge, Daniela Bröckl, mit den Beisitzern Siegfried Schlummer und Andreas Altehenger sowie Stephan Lange (Gemeinde- und Erwachsenenpastoral).pdp / Ronald Pfaff Paderborn, 15. November 2018. Eine Seelsorgerin, 15 Seelsorger und ein Trainee arbeiten momentan im Erzbistum Paderborn in der Gefängnisseelsorge. 17 Justizvollzugsanstalten in Nordrhein-Westfalen gehören zum Einzugsgebiet – dazu gehören offener und geschlossener Vollzug.

In der Kommende Dortmund trafen sich jetzt die JVA-Seelsorger aus dem Erzbistum Paderborn zur Diözesankonferenz, um sich auszutauschen, Organisatorisches zu beraten und das Leitungsteam neu zu besetzen. Nach der Verabschiedung von Dekan Monsignore Wilhelm-Friedrich Schulte als Diözesanbeauftragter für Seelsorge in Justizvollzugs-Anstalten hat Daniela Bröckl, Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne, dieses Amt übernommen. Zum neuen Beisitzer wurde Andreas Altehenger (JVA Iserlohn) gewählt, der damit mit Beisitzer Siegfried Schlummer das Leitungsteam wieder vervollständigt.

Bistumsweit begleiten 16 Seelsorger (Priester, Diakone und Diplomtheologen) die Inhaftierten und Bediensteten an den Justizvollzugsanstalten auf dem Gebiet des Erzbistums Paderborn. Die Gefängnisseelsorge ist ein sensibles Feld des pastoralen Handelns der Kirche. Die Präsenz der Kirche im Justizvollzug will die befreiende frohe Botschaft vermitteln. Sie ist sich dabei der Verantwortung für den Rechtsstaat und der Loyalität ihm gegenüber bewusst.

Die JVA-Seelsorgerinnen und -Seelsorger trafen sich zur Diözesankonferenz in der Kommende Dortmund.pdp / Ronald Pfaff „Gefängnis-Seelsorge hat eine wichtige Rolle im Vollzug, da sie außerhalb der Hierarchie steht. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger haben einen anderen Zugang zu den Inhaftierten als andere Fachdienste“, wertschätzt Kerstin Höltkemeyer-Schwick, Leiterin der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bielefeld-Senne, die Mitarbeit der Gefängnis-Seelsorge. Es sei ganz wichtig, dass es da jemand für die Inhaftierten gäbe, dem man sich anvertrauen könne und der nicht zum eigentlichen Personal der JVA gehöre.

Zur Diözesankonferenz in Dortmund konnten auch drei neue Seelsorger im Amt begrüßt werden: Hubertus Schmidt (JVA Attendorn), Ansbert Junk (JVA Schwerte) und Markus Hanke (JVA Bielefeld-Brackwede). Alexander Glinka ist im zweiten Jahr Trainee in der JVA Werl.

Dreimal jährlich treffen sich die Seelsorgerin und Seelsorger des Erzbistums Paderborn zu einer Diözesankonferenz. Das Frühjahrstreffen wird meist mit einem Besuch und Ortstermin in einer Justizvollzugsanstalt verbunden. Im Sommer folgt ein Studientag, der im nächsten Jahr den Titel „Wie verändert bzw. hat mich die Arbeit im Gefängnis verändert? – meine Person, meine Spiritualität, mein Menschen- und mein Gottesbild.“ Daniela Bröckl: „Diese Studientagung machen wir bewusst, um uns neben regelmäßigem Austausch in der Gruppensupervision und Konferenzen mit uns selbst und unserer persönlichen Entwicklung auseinanderzusetzen und sie zu hinterfragen.“

 

Stephan Langepdp / Ronald Pfaff Drei Fragen an Stephan Lange, Leiter der Gemeinde- und Erwachsenenpastoral im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn.

Welche Bedeutung hat die Gefängnisseelsorge für das Erzbistum Paderborn?

Stephan Lange: Aus meiner Sicht hat die Gefängnisseelsorge als ein Bereich der Kategorialseelsorge einen hohen Stellenwert im Erzbistum. Dies zeigt sich in dem Einsatz von  Personal und Ressourcen für diesen Bereich aber auch in der inhaltlichen Ausrichtung des Zukunftsbildes, z.B. wenn es darum geht, von den Lebensthemen der Menschen auszugehen, um dann vielfältige pastorale Orte und Gelegenheiten zu beschreiben, in die dann die Botschaft des Evangeliums bezeugt werden kann. Inhaftierte in JVAs haben ihre ganz eigenen Lebensthemen. Und ich bin überzeugt, dass das Evangelium zu diesen etwas zu sagen hat.

Welche Botschaft hat die katholische Kirche für Menschen, die im Gefängnis sind?

Lange: Mit der Seelsorge in Gefängnissen, das sind vor allem die Gefangenen, aber auch die Bediensteten - will das Erzbistum verlässlich nah bei den Menschen bleiben, vor allem bei denen, die in Not und in besonderen Lebenslagen sind. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger in JVAs gehen dahin, wo andere Menschen die Augen verschließen oder einfach sprachlos sind. Auch in diesen Situationen Begleiter zu sein auf einer Etappe des Lebensweges ist das Angebot der Seelsorge.

Welche Botschaft haben Menschen, die im Gefängnis, sind für die katholische Kirche?  

Lange:  Ich weiß nicht, ob es eine Botschaft ist, aber dass sich die Seelsorger und Seelsorgerinnen einlassen auf die Menschen am Rand der Gesellschaft, auf Fragen nach Schuld und Versagen, auf die Abgründe des Lebens führt auch dazu, dass man sich selbst die Fragen stellt nach dem eigenen Umgang mit Ehrlichkeit, mit Macht und Gewalt.