Pilgerschaft zu Gott und den Menschen

Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB beendet Wallfahrtssaison 2018 in Werl am Hochfest Allerheiligen

Die Wallfahrtssaison 2018 wurde durch das Löschen der Wallfahrtskerze neben dem Werler Gnadenbild offiziell abgeschlossen. Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB (l.) und Wallfahrtsleiter Pater Ralf Preker OFM.DOM / Nückel Werl / Paderborn, 1. November 2018. Zum Abschluss der diesjährigen Wallfahrtssaison in Werl feierte Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB am Hochfest Allerheiligen in der Wallfahrtsbasilika ein festliches Pontifikalamt. Unter dem Leitwort „Suche Frieden“ kamen im Wallfahrtsjahr 2018 zahlreiche Pilger in den berühmten Marienwallfahrtsort des Erzbistums Paderborn und besuchten das Werler Gnadenbild „Trösterin der Betrübten“. „Menschen setzen sich in Bewegung, geben ihrer Sehnsucht und Hoffnung einen Ausdruck und pilgern zur Muttergottes nach Werl, um heil und heilig zu werden“, sagte Weihbischof Dr. Dominicus in seiner Predigt in der voll besetzten Werler Wallfahrtsbasilika.      

„Heiligkeit“ meine Gesundheit der Seele, Gesundheit des menschlichen Wesens, all dessen, was ein menschliches Leben ganz präge und bewege, erläuterte Weihbischof Dominicus. Im Hinblick auf das Hochfest Allerheiligen und die rund 100.000 Wallfahrer, die sich während einer jeweils vom 1. Mai bis zum 1. November dauernden Wallfahrtssaison auf den Weg nach Werl begeben, sagte der Weihbischof: „Kommen nicht jedes Jahr unzählige Menschen zur Mutter der Betrübten nach Werl, um hier um Heilung und Genesung zu beten, Stärkung für den oftmals belastenden Alltag zu erbitten, Ermutigung in Fragen der Entscheidung zu erfahren, Zuspruch bei quälenden Fragen zu bekommen? Sie erhoffen sich hier eine heilsame Begegnung mit Maria und dem, den sie geboren hat, Jesus, den Heiland der Welt.“  

„Menschen pilgern zur Muttergottes nach Werl, um heil und heilig zu werden“, sagte Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB in seiner Predigt.DOM / Nückel Es komme darauf an, die jeweils eigene, von Gott geschenkte Berufung und Einmaligkeit zu entdecken und diese in der jeweils geschenkten Zeit verantwortlich zu leben, sagte Weihbischof Dominicus im Hinblick auf die Heiligkeit eines einzelnen Menschen. „Wenn wir Jesus, das Urbild aller Heiligkeit, betrachten, bekommen wir ein realistisches Bild von Heiligkeit: Dieses zeigt uns einen Menschen, der keine Berührungsangst hatte, Jesus freute sich am Leben der Menschen, lachte und feierte mit ihnen, er stand ihnen zur Seite in Zeiten von Not und Krankheit, mahnte zum Frieden und zur Versöhnung, wo andere sich nur resigniert abwandten. Jesu Worte schenkten Hoffnung, wo ansonsten nur Resignation und Rückzug die Antworten auf die notwendigen Lebensfragen waren.“  

In erster Linie seien es nicht besondere Werke und Bußübungen, die heilig machen, vielmehr die Begegnung mit Jesus Christus und seinem heilenden Evangelium, erklärte der Offizial des Erzbistums Paderborn weiter. Die im Evangelium überlieferten Seligpreisungen Jesu seien ein Aufruf zu einer richtig verstandenen Heiligkeit, seien Aufruf zu Geradlinigkeit, Engagement und Beweglichkeit, seien ein Ruf, ihm zu folgen: „Um selig zu sein, müssen wir uns aufmachen, vorwärts gehen und uns nicht mit unseren Problemen, unseren Verfehlungen und Schwierigkeiten identifizieren, sondern voll Vertrauen und Zuversicht auf Gott und die Menschen zugehen.“  

Das in Werl verehrte Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ in der Wallfahtsbasilika in Werl.pdp / Thomas Throenle „Heilig sein“ bedeute nicht, künstlich zu versuchen, eine andere Person zu werden oder eine heilige Rolle in der Gemeinde und der Kirche zu spielen, konkretisierte Weihbischof Dominicus weiter. „Heilig sein“ bedeute wirklich und authentisch zu werden, so, wie Gott uns ursprünglich gedacht habe, es habe mit Heil zu tun, sei die Gesundheit des eigenen Seins. Zum Abschuss seiner Predigt sagte Weihbischof Dominicus: „Nehmen wir Jesus Christus zum Maßstab und freuen wir uns über das Leben, das eigene und das der anderen. Setzen wir alles daran, dass unser aller Leben lebenswert und heilig bleibt. Nehmen wir den Geist dieses für unsere Diözese so wichtigen geistlichen Ortes auf und bleiben wir auf der Pilgerschaft, zu Gott und den Menschen.“      

Stichwort „Marienwallfahrt Werl“  

Vor rund 350 Jahren, im Jahr 1661, gelangte durch die Vermittlung des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Maximilian Heinrich das Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ nach Werl. Zuvor war es in der seit der Reformation evangelischen Kirche St. Maria zur Wiese in Soest verehrt worden. Damit begann in Werl die bis heute lebendige Marienwallfahrt. Werl ist einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte der Bundesrepublik, nach Kevelaer und Altötting der drittgrößte. Die Werler Madonna zählt zu den schönsten Mariendarstellungen Europas. Unter Papst Pius X. wurde das Gnadenbild 1911 gekrönt. Die Krone ist ein kostbares Schmuckstück, das die Madonna lediglich zu hohen Feiertagen trägt.