Zukunftsthemen von Frauen in der katholischen Kirche

Erste Frauenkonferenz im Erzbistum Paderborn berät Schritte zum besseren Miteinander von Frauen und Männern im kirchlichen Leben

Gruppenbild mit Erzbischof Becker Über 40 Teilnehmerinnen kamen zusammen, um mit Erzbischof Hans-Josef Becker über unterschiedliche Zukunftsthemen von Frauen in der katholischen Kirche im Erzbistum Paderborn zu sprechen.pdp/Lena ReiherPaderborn, 12. Oktober 2018. Sein Versprechen hat Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker bereits beim Diözesanen Forum im September 2017 gegeben – nun wurde es eingelöst. Die erste Frauenkonferenz im Erzbistum Paderborn fand mit über 40 Teilnehmerinnen, die alle kirchlich engagiert sind, Erzbischof Becker und weiteren Vertretern der Bistumsleitung im Hotel Aspethera statt. Ziel war die konkrete Festlegung von Vereinbarungen, wie Frauen im kirchlichen Leben gefördert werden können und wie ihr Engagement im ehrenamtlichen Bereich ausgebaut werden kann.

Im Erzbistum Paderborn engagieren sich derzeit rund 32.500 Frauen ehrenamtlich in den Frauen- und Jugendverbänden und jede investiert dabei im Durchschnitt 10,5 Stunden im Monat in ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Dieses enorme Potential an Ehrenamtsleistung gilt es zu nutzen, wertzuschätzen und gleichzeitig neue Formen des Ehrenamtes zu entwickeln, denn die Bereitschaft sich zu engagieren hat sich in den vergangenen 15 Jahren wesentlich gewandelt. Bewegte die Frauen vor wenigen Jahrzehnten noch die Frage nach ihrem Platz in der Kirche, die Frage danach, was für Frauen möglich ist, denkt die Generation der jungen, erwachsenen Frauen heute ganz anders. „Die Frage nach einem Platz für junge Frauen, ob in der Kirche oder anderswo, ist heute in der jungen Generation gar nicht mehr relevant, da sie diesen haben. Es ist klar, dass auch Frauen einen Wortgottesdienst leiten, einen Segen sprechen können; eben Teil von Kirche sind“, verdeutlicht Hannah Ax aus dem Referat Junge Erwachsene im erzbischöflichen Generalvikariat. Man sehe, dass schon viele Schritte gegangen worden seien und dass sich die gesellschaftliche Entwicklung tatsächlich auch in Kirche abbilde.

Dr. Annegret Meyer Dr. Annegret Meyer führte durch die Konferenz.pdp/Lena ReiherSehr deutlich wurde die unterschiedliche Einschätzung auch in Bezug auf Spiritualität. Ist es für die mittlere und ältere Generation eine große Errungenschaft und Ausdruck von persönlicher Glaubensentwicklung, von einer eigenen Frauenspiritualität auszugehen, ist diese Differenzierung für junge Frauen hinfällig. Entscheidend ist da der individuelle Zugang zu einem Angebot.

Bei aller Unterschiedlichkeit zwischen den Generationen gab es Einigkeit darin, dass es einen „Nachholbedarf“ gibt, was die Beteiligung von Frauen in Führungspositionen in der Kirche angeht – und hier bedarf es mutiger politischer Entscheidung von der Leitungsebene aus, um das zu ändern. „Gute Frauenförderung bedeutet immer auch Männerförderung“, betonte Esther van Bebber vom Projekt „GeschlechtGerechtGewinnt“ des Diözesan-Caritasverbandes in Paderborn.
Daher müssen alle Schritte, die in Zukunft gegangen werden, immer geschlechter- und generationssensibel betrachtet werden. Denn es gebe nicht mehr „Die Frauen“ und „Die Männer“, es gehe um das Miteinander, um die Vernetzungsarbeit. „Frauen haben ganz viele Kompetenzen, vielleicht noch einmal andere Schwerpunkte als Männer. Wenn man die Kompetenzen beider Geschlechter nutzt, hat man die volle Breite aller Kompetenzen, die es eben gibt“, stellt Astrid Fichtner-Wienhues, Mentee im Programm „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“, heraus.

„Es ist nicht einfach diesen bunten Blumenstrauß an Bedürfnissen, Wünschen und Kompetenzen, den Sie mir heute genannt haben, zusammenzubinden“, resümiert Erzbischof Becker am Ende der Konferenz. „Doch was ich sehe ist ein hohes Maß an Kompetenzpotential, was von unschätzbarem Wert für die katholische Kirche im Erzbistum Paderborn ist und welches es zu nutzen und stets zu fördern gilt.“

Im November 2020 wird das nächste Diözesane Forum stattfinden. Dieses Ereignis wurde einstimmig als Ziellinie festgesetzt, für weitere Beratung und Abstimmung wirksamer Beteiligung von Frauen an den zukünftigen Entwicklungen in der Kirche von Paderborn. Dazu wurden u.a. Vorschläge für verbesserte Kommunikationswege gemacht. Damit Anliegen wirksam bewegt werden, braucht es beauftragte Thementrägerinnen, konkrete Gesichter: ein „Stabsteam Frauenthemen“, das interdisziplinär im Generalvikariat in den Bereichen Entwicklung, Seelsorge und Ressourcen verankert ist, wäre dazu ein erster Schritt.

Weitere Informationen zum Thema Frauen im Erzbistum Paderborn gibt es auch online unter: www.zukunftsbild-paderborn.de/frauen