„Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung katholischer Lehrerfortbildung und Lehrerweiterbildung“

Fachtagung des Instituts für Lehrerfortbildung Essen-Werden

Kultusministerin des Landes NRW Yvonne Gebauer, PD Dr. Paul Platzbecker (IfL)IfLEssen, 4. Oktober 2018. (IfL) „An den Früchten werdet ihr sie erkennen“! (Mt 7,16) – mit diesem biblischen Leitwort überschreibt das Institut für Lehrerfortbildung in Essen-Werden (IfL), das die katholische Lehrerfort- und -weiterbildung in NRW verantwortlich gestaltet, seine aktuellen konzeptionellen Überlegungen zur Qualitätssicherung und -entwicklung.  

Über diesen Prozess sucht es gleichzeitig mit katholischen und evangelischen sowie staatlichen Partnereinrichtungen ins Gespräch zu kommen. Ergebnis war eine bundesweit angelegte Fachtagung vom 26.-27.09.2018 in Maria in der Aue, die auf Einladung des IfL erstmalig einen „Trialog“ zwischen Vertretern der katholischen Diözesen, der Bezirksregierungen, der staatlichen Qualitäts- und Unterstützungsagentur QUALIS sowie dem Ministerium für Schule und Bildung möglich machte. Weitere interessierte Anbieter aus Hamburg, Freiburg und München kamen hinzu.  

Ein Blick in die  Geschichte zeigt die gewandelten Herausforderungen an die Lehrerfort- und -weiterbildung: Als das Institut 1970 im Auftrag der fünf Diözesen in NRW mit seiner Arbeit begann, konnte ein niedersächsischer Kultusminister die Lehrerfortbildung noch mit einem „Brunnen“ vergleichen, in den „ein Stein geworfen werde“, ohne dass man es „plumpsen höre“. Jahrzehnte - und damit einige Reformbemühungen - später stellt sich das nach der sogenannten „empirischen Wende“ ganz anders dar: Inzwischen attestiert der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie der Lehrerfortbildung, sie gehöre zu den „stärksten Einflussgrößen“ im Blick auf die Verhaltensänderungen bei Lehrerinnen und Lehrer. Das aber heißt freilich noch nicht, dass jede Fortbildung wirkt – schon gar nicht nachhaltig! Was lässt sich über eine erfolgreiche Fortbildung sagen? Wie lässt sich auch kirchlicherseits das ökonomische Engagement in diesem Bereich rechtfertigen?  

Wer andere lehrt, muss selber bereit sein zu lernen. Dabei ist das Lernen, sich und andere fort- und weiterbilden, wie das Rudern gegen den Strom: wenn man aufhört, bleibt man nicht etwa stehen, sondern man fällt zurück – so auch Manfred Gerwing, der wissenschaftliche Leiter des Institutes, zum Auftakt der Tagung. In deren Verlauf stellen Botho Priebe und PD Dr. Paul Platzbecker den gemeinsam mit dem Kollegium des IfL erarbeiteten „Orientierungsrahmen zur Qualitätsentwicklung der Katholischen Lehrerfortbildung und Lehrerweiterbildung“ vor. Er ist das Ergebnis einer mehrjährigen intensiven Beschäftigung des Institutes mit der Frage nach Wirksamkeit und Nachhaltigkeit bzw. Qualität der Fort- und Weiterbildungsarbeit im Kontext bildungswissenschaftlicher und bildungspolitischer Debatten und Maßnahmen.  

Das wichtigste Qualitätsmerkmal einer erfolgreichen Lehrerfortbildung „ist der Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler“, hob die Kultusministerin des Landes NRW Yvonne Gebauer in ihrem Grußwort zur Fachtagung hervor. Um qualitativ hochwertigen Unterricht zu ermöglichen, müsse auch die „Qualität der Lehrerfortbildung gesichert sein“. Gleichzeitig unterstrich die Ministerin ihre Überzeugung, dass in diesem Feld eine „Kooperation kirchlicher und staatlicher Partnerinstitutionen sehr fruchtbar“ sein könne.   

Während der frühere nordrhein-westfälische Ministerialdirigent Ulrich Heinemann das Terrain der Lehrerfortbildung in Bezug auf „Organisation, Finanzierung, Umfang und Inhalte“ als ein eher unbekanntes skizzierte, gelang es dem Kasseler Bildungsforscher Frank Lipowsky auf Basis seiner empirischen Forschung „Kennzeichen und Merkmale“ vielversprechender und erfolgreicher Fortbildungen zu skizzieren.   

Dass diese angesichts verschiedenster Traditionen und Praxen unter den Diskussionspartnern kontrovers gesehen wurden, mag wenig verwundern. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein, dass alle Anbieter in ihrer Verschiedenheit doch das gleiche Ziel teilen: Sie wollen den Lehrerinnen und Lehrern helfen, ihren Unterricht zu optimieren sowie ihre Persönlichkeit und ihre Professionalität zu stärken. Zu Gute kommt dies zuletzt dem Schüler, den sie auf das Leben vorbereiten. Genau in diesem Sinne sieht auch das IfL die „Früchte seiner Arbeit“ im „Dienst am Menschen“ (II. Vatikanum, GS 3). So dankte die Ministerin dem Institut für die vielfältigen und qualitätsvollen Angebote, mit denen es – auch über den Bereich des Religionsunterrichts hinaus – zur „Weiterentwicklung unserer Schulen“ beiträgt.  

Der auf der Fachtagung begonnenen Trialog soll in den nächsten Jahren fortgeführt werden.

Text: PD Dr. Paul Platzbecker