Furchtlos für das Reich Christi und die Kirche einstehen

18 Personen werden im Paderborner Dom von Reinhard Kardinal Marx in den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem aufgenommen

Ritterschlag im Hohen Dom zu Paderborn: Bei der Aufnahme der neuen Mitglieder in den Ritterorden vom Heiligen Grab berührte Kardinal Reinhard Marx die Kandidaten mit dem Schwert auf der Schulter.Foto: pdp/Maria Aßhauer Paderborn, 29. September 2018. Seit Freitag ist die Komturei St. Meinwerk Paderborn des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem Gastgeber für das diesjährige Herbst-Investitur-Treffen, das noch bis Sonntag andauert. Rund 620 Gäste, auch aus Belgien, Luxemburg und der Schweiz, nehmen an der Feier zur Aufnahme neuer Mitglieder in den Ritterorden teil. Der Höhepunkt war heute der festliche Investiturgottesdienst im Hohen Dom: Der Großprior der Deutschen Statthalterei des Ritterordens und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, nahm 18 neue Kandidaten in den Orden auf. Die Ritter, Damen und Priester erhielten in einer feierlichen Zeremonie ihre Ordensinsignien.      

Als Großprior der Deutschen Statthalterei des Ritterordens feierte Kardinal Reinhard Marx mit über 600 Gästen den Investiturgottesdienst im Paderborner Dom.Foto: pdp/Maria Aßhauer Einen echten Ritterschlag sieht man im Paderborner Dom eher selten. Heute jedoch konnten die Gäste der Investiturfeier ihn gleich siebenfach erleben, als Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, früher Weihbischof in Paderborn und heute Erzbischof von München und Freising, die neu aufgenommenen Ritter mit einem Schwert an der Schulter berührte. Zuvor hatten die Ritter versprochen, den Auftrag der Ordensgemeinschaft zu erfüllen.

„Ritter des heiligen Grabes zu werden, besagt heute: überall gewaltfrei und furchtlos für das Reich Christi und die Kirche einzustehen, Nächstenliebe zu üben, aus dem Geist des Evangeliums zu leben und besonders die Mitchristen im Heiligen Land zu unterstützen“, sagte Kardinal Marx während der Investitur-Zeremonie, bevor er den neu investierten Rittern das Ordenskreuz anlegte. Anschließend wurde den Rittern ihr Mantel angelegt. Die neu investierten Damen gaben ebenfalls ihr Versprechen ab und erhielten ihr Ordenskreuz und ihren Ordensmantel, die Geistlichen wurden von Kardinal Marx mit der Mozetta eingekleidet.  

Teil der Investitur war auch die Einkleidung mit dem Ordensmantel.Foto: pdp/Maria Aßhauer Vor 28 Jahren wurde Kardinal Reinhard Marx selber in den Ritterorden aufgenommen. „Ich spüre unsere Verbundenheit in der Gemeinschaft des Gebets“, sagte er einleitend zu Beginn des Investiturgottesdienstes. In seiner Predigt stellte er fest, dass es in der Geschichte als Gesamtheit der Zeit, aber auch in der Lebensgeschichte jedes einzelnen Menschen immer wieder auch Spannungen gebe. „Diese Spannungen sind Teil der Realität. Und auch Kirche ist Teil der Geschichte und somit nicht frei von Spannungen“, so der Münchner Erzbischof. „Die wahren Versuchungen gewinnen dann, wenn wir Jesus zum Schweigen bringen, wenn wir nicht ihn, sondern uns in die Mitte stellen.“ Nach dem christlichen Glauben werde die Welt in Gott vollendet. „Die Welt ist voller Spannung, doch sie ist auch voller Hoffnung. Gott hat durch unsere Sünden hindurch das letzte Wort. Die Geschichte Gottes und die Geschichte der Menschen werden zusammenkommen“, formulierte Kardinal Marx zum Abschluss seiner Predigt.  

Vor der Investitur wurde erhob sich jeder einzelne Kandidat und jede Kandidatin bei Nennung des Namens.Foto: pdp/Maria Aßhauer Der Rahmen für die Investitur war festlich. Die rund zweieinhalbstündige Feier begann mit einer Statio im Garten des Konrad-Martin-Hauses, der Weihbischof Matthias König, ebenfalls Mitglied im Orden vom Heiligen Grab, vorstand. „Ritterlichkeit meinte früher wie heute ein Bündel an Tugenden und positiven Haltungen. Heute bedeutet es mehr denn je auch, immer wieder neu zu fragen: Was will Gott von mir, was hat er vor mit mir und meinen Fähigkeiten?“, so Weihbischof König.

In einer langen Prozession zogen die Ordensritter und Ordensdamen über den Domplatz durch das Paradiesportal in den Hohen Dom – viele Passanten blieben stehen, um den eindrucksvollen und nicht alltäglichen Anblick der zahlreichen Menschen in Ordenstracht zu bewundern.  

Weihbischof Matthias König hielt vor dem Investiturgottesdienst die Statio im Garten des Konrad-Martin-Hauses.pdp Musikalisch wurden aus Anlass der besonderen Feier im Gottesdienst alle „Register“ gezogen: Der Paderborner Domchor, die Domkantorei sowie Solisten sangen und das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft spielte unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning, Domorganist Tobias Aehlig war an der Orgel zu hören.  

Zum Abschluss des Investiturtreffens in Paderborn wird Erzbischof Hans-Josef Becker, Prior der Provinz Rheinland-Westfalen des Ritterordens, am Sonntag ein Pontifikalamt feiern.      

Hintergrund: Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem  
Die römisch-katholische Ordensgemeinschaft der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem ist ein päpstlicher Laienorden, der auch Geistliche als Mitglieder hat. Entstanden ist er aus einer spätmittelalterlichen Pilgerbewegung. Die Gemeinschaft katholischer Ordensfrauen und Ordensritter hat weltweit rund 30.000 Mitglieder, davon rund 1.500 in Deutschland.