„Der Geist des Ortes“ zwischen Tradition und Moderne

Europäische Dombaumeistertagung: 90 Gäste beraten fünf Tage in Paderborn

Peter Völkle, Anton Sutter, Wolfgang Zehetner, Jürgen Padberg, Regine Hartkopf, Björn Erik Kastrup und Dompropst Joachim Göbel.pdp / Ronald PfaffPaderborn, 25. September 2018. 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden bei der Europäischen Dombaumeistertagung, die am heutigen Dienstag beginnt und bis zum 29. September 2018 andauert, in Paderborn erwartet. Die Ziele der europäischen Vereinigung, das Selbstverständnis zwischen Tradition und modernen Erfordernissen sowie Austausch und Beratung stehen im Mittelpunkt der Tagung, die das Motto „genius loci“ – der Geist des Ortes – trägt.

„Wir sind schon stolz, dass Sie sich für Paderborn als Tagungsort entschieden haben“, begrüßte Dompropst Monsignore Joachim Göbel den Vorstand der Europäischen Dombaumeistervereinigung für das Erzbistum Paderborn heute bei einer Pressekonferenz. Der Zeitpunkt sei günstig, weil ständige Arbeiten und Veränderungen am Hohen Dom zu Paderborn aktuell besichtigt werden könnten. Zudem spiegle die Gotik-Ausstellung ein europäisches Projekt wider, „dem Sie ein Gesicht geben.“ Außerdem sei ein Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe an der Universität Paderborn ansässig.

Im Jahr 1975 trafen sich in Mainz erstmals elf Dombaumeister und Bauhüttenmeister zu einer Arbeitstagung. Aus nachfolgenden jährlichen Treffen entwickelte sich 1998 die Gründung der Europäischen Vereinigung der Dombaumeister, Münsterbaumeister und Hüttenmeister. Heute gehören der Vereinigung 150 Mitglieder aus 17 europäischen Nationen an. Das Gros der Mitglieder stamme aus Deutschland, berichtete Wolfgang Zehetner (Dombaumeister aus Wien) als Vorsitzender der Vereinigung. Eine formelle Mitgliedschaft erhalten nur Personen, die wirklich einen Dom „permanent vertreten“ und nicht nur eine Projektaufgabe hätten.

„Unsere Aufgaben sind oft nicht leicht, aber dafür kostenintensiv. Denn es geht um Arbeiten, die nicht einfach ins Ausland vergeben werden können“, so Zehetner, der hofft, dass im nächsten Jahr endlich der Eintrag der Dom- und Münsterbauhütten zum Immateriellen Kulturerbe erfolgt.   Erfahrungsaustausch und Beratungen stehen im Mittelpunkt der fünftägigen Tagung in Paderborn. Ob es am Ende auch Beschlüsse geben wird, bleibt dem Verlauft offen. Im Vorjahr hat es die „Erfurter Erklärung“ gegeben, und in der der Schutz der Dombauhütten gefordert wurde. Bei der Mitgliederversammlung am Freitag sind keine personellen Änderungen zu erwarten, da nur alle drei Jahre Wahlen stattfinden.

„Wir freuen uns sehr, den bedeutenden Hohen Dom zu Paderborn kennenzulernen, und Gäste in der Bischofsstadt zu sein“, betonte Wolfgang Zehetner. Mit dem neuen Paderborner Dombaumeister Björn Erik Kastrup wird die Europäische Vereinigung einen ausgezeichneten „Kultur- und Gebäudeführer“ haben. Kastrup: „Die Pflege und Fürsorge für die Bauwerke stehen im Vordergrund unserer Zusammenkunft. Denn Pflege der Tradition und die Erfordernis, bestehende Substanzen für heutige Zwecke zusammenzuführen, sind die Herausforderung.“ Mit dem Motto „genius loci“ stelle man einen Ort mit besonderem Geist in den Mittelpunkt. „Wir blicken auch darauf, was ein Dom mit der Region gemacht und was hat die Region mit einem Bauwerk – wie dem Dom – gemacht hat.“

Barrierefreiheit, die für jedes Bauwerk nur individuell gelöst werden könne, und Umwelteinflüsse, die nicht nur aus „Abgasen“ bestehen, sowie der Einfluss von Grünbewuchs, Algen und Schimmel werden die Tagungsordnung bestimmen.