Verkündigung endet nicht mit dem Ruhestand

Erzbischof Hans-Josef Becker zur Verabschiedung von Bischof em. Heinz Josef Algermissen als Bischof von Fulda

Bischof Heinz Josef Algermissen wurde als Bischof von Fulda nach fast 17-jähriger Amtszeit verabschiedet.Bistum Fulda / Leupolt Paderborn, 23. September 2018. Fast 17 Jahre war Bischof em. Heinz Josef Algermissen Oberhirte des Bistums Fulda. Jetzt wurde der Priester des Erzbistums Paderborn, der am 15. Februar dieses Jahres sein 75. Lebensjahr vollendet hatte, kurz vor Beginn der Bischofskonferenz in Fulda mit einem feierlichen Pontifikalamt im Dom zu Fulda verabschiedet. Als Metropolit der Kirchenprovinz Paderborn, zu der neben dem Erzbistum Paderborn die Bistümer Fulda, Erfurt und Magdeburg gehören, überbrachte der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker in einem Grußwort Segenswünsche.      

Erzbischof Becker war jedoch nicht nur in seiner Funktion als Metropolit zur Verabschiedung seines Amtsbruders Heinz Josef Algermissen nach Fulda gereist. Beide waren zusammen Weihbischöfe in Paderborn – Bischof Algermissen von 1996 bis 2001, Erzbischof Becker von 1999  bis 2003 – und sind sich noch immer verbunden: Erst im Juni dieses Jahres war Bischof Algermissen nach Paderborn gekommen, um dort mit seinem Weggefährten Erzbischof Hans-Josef Becker dessen 70. Geburtstag zu feiern.   

Am Tag seiner Verabschiedung aus dem Amt als Bischof von Fulda stand Heinz Josef Algermissen dem festlichen Pontifikalamt im Dom zu Fulda vor. Die Festpredigt hielt Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und ebenfalls früherer Weihbischof in Paderborn – Kardinal Marx und Bischof Algermissen empfingen ihre Weihe zum Weihbischof in Paderborn gemeinsam am 21. September 1996. Ferner konzelebrierten der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović aus Berlin, Erzbischof Hans-Josef Becker, Weihbischof Professor Dr. Karlheinz Diez als Diözesanadministrator des Bistums Fulda und dessen Ständiger Vertreter, Domkapitular Professor Dr. Gerhard Stanke.   

Direkt an das Pontifikalamt schlossen sich im Dom zu Fulda verschiedene Grußworte an – von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier über Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld und Diözesanadministrator Weihbischof Professor Dr. Karlheinz Diez bis hin zu Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker. „Der Auftrag, das Evangelium zu verkünden, gilt auch für den Ruhestand“, sagte Erzbischof Becker. Die Kirche als Heilsgemeinschaft zu erfahren und in ihr Stärkung für das Leben zu finden, sei die Mitte aller Ämter gewesen, die Bischof Algermissen im priesterlichen und bischöflichen Dienst wahrgenommen habe, so der Metropolit der Kirchenprovinz Paderborn. Erzbischof Becker betonte insbesondere den Dienst an der Ökumene, der das Wirken von Bischof Algermissen geprägt habe. In dessen Amtszeit als Bischof von Fulda seien Überlegungen gefallen, wie in der Kirche in Deutschland auch in Zukunft Leben in den Gemeinden gefördert und neu aufgebaut werden könne. Trotz aller Herausforderungen in der aktuellen Umbruchphase der Kirche gebe es neue Vernetzungen, die in den Gemeinden wachsen würden, so Erzbischof Becker.  

„Der Dienst des Priesters und Bischofs gehört zu den Berufen, in denen man nie einen Punkt setzen kann, schon gar nicht einen Schlusspunkt. Die Arbeit endet nicht, neue Herausforderungen stellen sich sofort ein. Deswegen steht am Ende ganz gewiss der Dank an all die vielen, ohne die der Dienst am Evangelium nicht weitergehen kann“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker zum Abschluss seines Grußworts.      

Hintergrund: Bischof em. Heinz Josef Algermissen  
Bischof Algermissen wurde am 15. Februar 1943 in Hermeskeil bei Trier geboren. Nach dem Abitur 1963 studierte er Philosophie und Theologie in Freiburg und Paderborn. Am 19. Juli 1969 wurde er im Hohen Dom zu Paderborn zum Priester geweiht. Zunächst wirkte er in Bielefeld und Meschede und war von 1974 bis 1979 auch Studentenseelsorger an der Universität Paderborn. 1980 wurde er Pfarrer in Bielefeld-Schildesche, 1984 Dechant des Dekanates Bielefeld und 1991 Regionaldekan der Seelsorgeregion Minden-Ravensberg-Lippe. Von 1989 bis 1996 leitete er die Ökumene-Kommission des Erzbistums. Von 1994 bis 1998 war er geschäftsführender Vorsitzender des Paderborner Priesterrates. Im Juli 1996 wurde Algermissen von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof in Paderborn ernannt. Die Bischofsweihe empfing er am 21. September 1996 durch Erzbischof Dr. Johannes Joachim Degenhardt. Seit 1997 war er Diözesanrichter am Erzbischöflichen Offizialat. Im Mai 1999 wurde er ins Paderborner Metropolitankapitel berufen. Am 20. Juni 2001 wurde Heinz Josef Algermissen von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Fulda ernannt und am 23. September in sein Amt eingeführt. Seit Herbst 2002 ist Bischof Algermissen Präsident von Pax Christi Deutschland.      

Hintergrund: Kirchenprovinz  
Mehrere Bistümer der katholischen Kirche sind jeweils in einer Kirchenprovinz organisiert. Diese wird von einem Metropoliten geleitet. Die dazugehörenden Bistümer werden als Suffraganbistümer bezeichnet. Das Bistum, an dem der Metropolit seinen Sitz hat, hat den Status eines Erzbistums. Das Erzbistum Paderborn ist Metropolie der Mitteldeutschen Kirchenprovinz (Kirchenprovinz Paderborn). Erzbischof Hans-Josef Becker ist der Metropolit der Kirchenprovinz Paderborn, zu der als Suffraganbistümer Fulda, Magdeburg und Erfurt gehören. De facto hat eine Kirchenprovinz rechtlich keine große Bedeutung mehr. Ein Metropolit beziehungsweise Erzbischof erhält jedoch vom Papst nach wie vor das so genannte Pallium, das zur liturgischen Kleidung eines Erzbischofs zählt und das die besondere Verbundenheit mit dem Nachfolger des Heiligen Petrus ausdrückt.