Bestattungskultur im Wandel

Nicht todernst, aber auch nicht zum totlachen: Aktionstag vor dem Dom zum Thema Tod und Trauer

Dompropst Joachim Göbel erinnerte an die Bedeutung der Bestattungskultur.pdp / David HessePaderborn, 10. September 2018. Im Duell ermordet – das wurde im 17. Jahrhundert Johann Surlant in Paderborn. Sein Grabstein, den sein Mörder ihm zur Rehabilitation errichten musste, wurde bei Grabungsarbeiten am Paderborner Dom, wo sich der älteste Friedhof der Stadt befindet, gefunden. Dieser Grabstein war am Samstag wieder auf dem Platz vor dem Dom zu sehen. Er war Teil des Aktionstages „Wer früher starb, war schöner tot?“, bei dem rund zwanzig Vereine und Institutionen aus Paderborn die Themen Tod und Trauer augenzwinkernd ins Bewusstsein rufen wollten.

Die Bestattungskultur hat sich in den vergangenen hundert Jahren sehr gewandelt. „Vor rund sechzig bis hundert Jahren war eine Hausaufbahrung eines Verstorbenen eine übliche Vorgehensweise. Bestattungen wurden zu einem großen Teil für die Verwandtschaft und Nachbarn und im Allgemeinen sehr nüchtern abgehalten“, erklärte Michael Diwo, einer der Initiatoren. „Mit der Zeit sind Bestattungen sehr lebensbejahend geworden, haben das Leben des Verstorbenen persönlich rückblickend beleuchtet. Sie sind regelrecht individuell, fröhlich und bunt gestaltet worden. Nun geht der Trend davon wieder ein wenig weg und es wird vermehrt Wert auf eine pflegeleichte Grabgestaltung gelegt.“

Ein Thema, mit dem man sich nicht gerne beschäftige, räumte Dompropst Joachim Göbel in seiner Begrüßungsrede ein, dabei habe die „Sorge um die Toten“ an Grabstellen eine Kultur, die sich bis in die früheste Geschichte zurückverfolgen ließe. Der heutige Marktplatz war früher der Domfriedhof. Der Domplatz, auf dem die Ausstellung präsentiert wurde, sei besonders geeignet, weil es ein Ort mitten im Leben sei, betonte Dietrich Honervogt, stellvertretender Bürgermeister Paderborns. Vielfach seien Friedhöfe auch Parks und vor allem Geschichtsorte.

Der Aktionstag wurde gemeinsam durch Dompropst Monsignore Joachim Göbel und den stellvertretenden Bürgermeister Dietrich Honvervogt eröffnet. Zudem gab es einen archäologischen Vortrag zu den Ausgrabungen am Dom, Erläuterungen zur und Abbildungen von Postmortem-Photographien, einen Auftritt des Paderborner Rappers Idref, selbst gestaltete Urnen von Schülerinnen und Schülern der Schulen St. Michael und die musikalische Begleitung der Paderborner Mädchenkantorei unter Leitung von Gabriele Sichler-Karle.