Mainz bereichert mit spektakulären Bildhauerarbeiten

Mit Spannung erwartete Leihgaben im Diözesanmuseum für Gotik-Ausstellung eingetroffen

Professor Dr. Christoph Stiegemann sowie die Restauratoren Paul Engelmann und Matthias Rüenauver begutachten das Leihstück "Kopf mit der Binde" nach dem Transport.pdp / Ronald Pfaff Paderborn, 3. September 2018. Die Spannung war groß als am Montagmorgen die Restauratoren Paul Engelmann (Mainz) und Matthias Rüenauver (Paderborn) im Beisein von Prof. Dr. Stiegemann, Kuratorin Dr. Christiane Ruhmann und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Dr. Petra Koch-Lütke Westhues im Diözesanmuseum die Transportkisten der Leihgaben aus Mainz für die Gotik-Ausstellung öffneten. Vorsichtig tasteten sich Rüenauver und Engelmann durch die Verpackung, um letztlich einen der Hingucker der Ausstellung - "Kopf mit der Binde" zu begutachten. Alle Stücke sind ohne Beschädigungen angekommen.

"Wir freuen uns sehr, dass das Bistum Mainz durch die Leihgaben unsere Ausstellung bereichert", freut sich Prof. Christoph Stiegemann über die gute Zusammenarbeit. Insgesamt 15 Exponate kommen aus Mainz. 

Die Gotik ist eine Zeit des Wandels. Deutlich zeigt sich das am faszinierenden Figurenschmuck der Gotteshäuser. Steinerne und hölzerne Skulpturen wurden zum Gegenüber des Betrachters, zeigten plötzlich Gefühle wie Trauer oder Freude. Das sind Charakteristika der Gotik. Für die kommende Ausstellung – „Gotik – Der Paderborner Dom und die Baukultur des 13. Jahrhunderts in Europa" (21. September 2018 bis 13. Januar 2019) – hat das Dom- und Diözesanmuseum Mainz einige seiner Spitzenwerke auf die Reise geschickt.

Die neue Sonderausstellung des Diözesanmuseums Paderborn entwirft ab dem 21. September in sechs Ausstellungseinheiten ein vielfältiges Panorama jener spannenden Epoche. Sie nimmt Ideen und Dynamiken in den Blick, die den internationalen Erfolg der Gotik begründeten: vom Bauprozess über bahnbrechende technische Neuerungen bis zu Fragen des Kulturtransfers und des Menschenbildes.

Prunkstück der Gotik-Ausstellung: Der Kopf mit der Bindepdp/ Ronald Pfaff Zu den gerade eingetroffenen Leihgaben gehört der „Kopf mit der Binde", dessen jugendliche Gesichtszüge von beeindruckender Lebendigkeit sind. Erst 1914 wurde er im Obergeschoss des Mainzer Domkreuzgangs entdeckt und stammt, wie der ebenfalls gerade eingetroffene grinsende Teufel und ein Hopfenfries, aus der Werkstatt des berühmten „Naumburger Meisters". Dieser geniale, allerdings namenlose Künstler, war prägend für die Skulptur der Gotik in Deutschland. Seine Werke sind bekannt für ihre ausdrucksvolle Mimik und ihre plastische Präsenz.

Zu den Mainzer Leihgaben die in den kommenden Monaten in Paderborn zu sehen sein werden, gehört auch die sogenannte „Fuststraßen-Madonna". Die lebensgroße Figur ist eine der interessantesten aber auch rätselhaftesten Skulpturen der deutschen Frühgotik und wird erstmals überhaupt entliehen. Die Madonna ist als junge Frau mit langem Haar dargestellt und zeigt tiefe Emotionalität. Ihr inniger Blick drückt die liebevolle Beziehung zu ihrem Sohn aus. Es scheint, dass sie ehemals eine Krone trug, die sie als Himmelskönigin kennzeichnete.

Ein weiteres Exponat aus Mainz ist der monumentale, stehende Engel, der ehemals den Giebel des Nordwestquerhauses am dortigen Dom krönte. Von seinem ursprünglichen Standort aus schien der Himmelbote über den Weg zu wachen, den der Erzbischof von seinem Palast zur Kathedrale zurücklegte.

Die Beziehungen zwischen Mainz und Paderborn sind schon seit dem Mittelalter sehr eng, unterstand Paderborn doch einst dem Mainzer Erzbistum. Erst kürzlich besuchte der Mainzer Weihbischof Markus Bentz als Ehrengast die Feierlichkeiten zum Domjubiläum (1068 – 2018). Als vor 950 Jahren Bischof Imad seinen neuen Paderborner Dombau weihte, war Erzbischof Siegfried I. von Mainz zugegen.