„Nicht den Blick für das Bewahrenswerte verlieren“

Beim „Tag des Handwerks“ in der Libori-Woche thematisiert Erzbischof Hans-Josef Becker, wie Unternehmen und Kirchen für das Wohl der Stadt wirken können

Handwerkertag 2018 Tag des Handwerks in der Libori-Woche (v.l.n.r.) Hauptgeschäftsführer Peter Gödde, Festredner Friedrich Merz, Erzbischof Hans-Josef Becker, Bürgermeister Michael Dreier und Kreishandwerksmeister Mickel Biere.pdp/Lena Reiher Paderborn, 2. August 2018. „Der ‚Tag des Handwerks‘ ist in bewährter Tradition fester Bestandteil des Paderborner Liborifestes. Und das ist gut so, denn bei allem Wandel durch neue Regierungen, durch die Digitalisierung und durch weltbewegende Umbrüche dürfen und sollen wir den Blick für das Bewahrenswerte nicht verlieren.“ Mit diesen Worten begrüßte Erzbischof Hans-Josef Becker die rund 2.000 Gäste, die der Einladung der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe in das Sportzentrum am Maspernplatz gefolgt waren. Bereits zum 55. Mal fand am Donnerstag der Libori-Woche der „Tag des Handwerks“ statt, bei dem in diesem Jahr Friedrich Merz, Rechtsanwalt, Manager und Politiker, den Festvortrag hielt.

Erzbischof Hans-Josef Becker Erzbischof Hans-Josef Becker sprach ein Grußwort zum „Tag des Handwerks“.pdp/Lena Reiher Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, in denen ein Zusammenwirken zum Wohl der Menschen als eine Selbstverständlichkeit erschienen sei, „sind diese bewegten politischen Zeiten gekennzeichnet von nationaler Selbstbezogenheit und vermehrt von ideologischem Streit“, so Erzbischof Becker. „Gerade heute ist es daher nötig, daran zu erinnern, wie gesellschaftliche Akteure sich mit ihren Talenten und Möglichkeiten um der Menschen und seiner Umwelt willen zusammenraufen können, um für unsere Probleme konstruktive Lösungen zu finden.“ Dazu müssten alle Beteiligten gemeinsam neu und weiter denken, denn es bedürfe nachhaltiger, auf Dauer tragfähiger Lösungen und in der Politik fairer Reformpakete, die die legitimen Interessen aller Betroffenen achten würden.

Um dies zu erreichen, sind es laut Erzbischof Becker dreierlei Dinge nötig: „Erstens Verantwortung zu übernehmen, zweitens gemeinsame Anliegen zu erkennen und drittens langfristige Ziele zu verfolgen.“ Mit solchen, festen Haltungen als Rückgrat würden lokale und globale Perspektiven nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden, dann würden sich viel selbstverständlicher lokale mit globalen Perspektiven verbinden und umgekehrt.

Zum Abschluss seines Grußwortes dankte Erzbischof Becker allen Anwesenden für ihren Beitrag zum Wohl der Stadt: „Wir erleben in Deutschland gegenwärtig eine positive Entwicklung, wenn wir die Wirtschaftskonjunktur betrachten. Das Handwerk hat daran einen großen Anteil. Lassen Sie uns gemeinsam diese Stärke und unsere Verbundenheit nutzen, die langfristigen Erfordernisse im Blick zu behalten und jetzt die nötigen Weichen zu stellen, um das Gemeinwohl und den sozialen Zusammenhalt in unserem Land zu fördern. Dann werden wir die vor uns liegenden Aufgaben meistern und können es uns mit gutem Gewissen erlauben, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken.“

2.000 Besucher beim Handwerkertag Rund 2.000 folgten der Einladung der Kreishandwerkerschaft Paderborn zum „Tag des Handwerks“.pdp/Lena Reiher Festredner Friedrich Merz ging in seiner Rede zum Thema „Europa und Amerika: Ende einer Partnerschaft?“ darauf ein, wie sich der Brexit und die Wahl des amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf die Beziehung zwischen Europa und Amerika auswirken. „Die vereinigten Staaten haben sich vor und mit der Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten in einer Art verändert, das alle Beziehungen, die Amerika und Europa verbunden haben, möglicherweise in Zukunft nicht mehr gelten. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU verliert die Union eine Wirtschaftsleistung, die so stark ist, wie die von 19 anderen Staaten zusammen. Dies sind zwei Ereignisse, die immense Auswirkungen auf alle zukünftigen Beziehungen zwischen Amerika und Europa haben werden und auf die es nun eine klare und einheitliche Antwort von Europa geben muss. Doch ich bin zuversichtlich, dass dies gelingt, denn schon immer, wenn es schwierig war, haben sich die Europäer zusammengetan und an einem Strang gezogen“, so Merz in seiner Festrede.