„Die Sonne bleibt oben“ – Mutter Clara Pfänder

Buch über Gründerin der Franziskanerinnen Salzkotten in der Liboriwoche vorgestellt

Stellten das Werk „Die Sonne bleibt oben“ über Mutter Clara Pfänder vor. (V.l.n.r.) Sr. M. Angela Benoit FCJM, Pater Dr. Cyrill Schäfer OSB, Sr. M. Carola Thomann FCJM, Domkapitular Monsignore Professor Dr. Rüdiger Althaus, Schwester M. Raphaele vom Hofe FCJM.pdp / Thomas Throenle Paderborn, 2. August 2018. Schwester M. Carola Thomann FCJM beschäftigt sich in ihrem Buch „Die Sonne bleibt oben“ mit der bewegten Geschichte der Gründerin der Franziskanerinnen Salzkotten. In einer Lesung aus ihrem Werk im Foyer des Erzbischöflichen Generalvikariats während der Libori-Woche informierte sie zahlreiche Interessierte über das Leben von Mutter M. Clara Pfänder. Schwester M. Carola Thomann FCJM, Schwester M. Raphaele vom Hofe FCJM und Domkapitular Professor Dr. Rüdiger Althaus kennzeichneten die Berufung von Mutter Clara Pfänder und die Gründung einer eigenen Kongregation als ordensgeschichtliches Novum, nämlich die Kombination von Kontemplation und Aktion, dem caritativen Dienst die ständige eucharistische Anbetung voranzustellen.      

„Die Aufmerksamkeit auf den Lebensweg von Mutter M. Clara Pfänder lohnt sich“, sagte Provinzoberin Schwester M. Angela Benoit FCJM in ihrer Begrüßung der zahlreichen Interessierten, unter denen viele Ordenschristen am Libori-Mittwoch waren. Es sei bereichernd, zu erfahren, aus welchen Quellen Mutter Clara Pfänder gelebt habe und wie sie ihren Weg gegangen sei. „Es ist eine spannende Geschichte für unseren Orden, aber auch für das Erzbistum Paderborn.“ Am Anfang der Arbeit von Schwester M. Carola Thomann FCJM stand das Bemühen um die Wiederherstellung des guten Rufes von Mutter M. Clara Pfänder. Denn lange Zeit hielt sich das Gerücht, die Gründerin sei im Unfrieden mit der Kirche gestorben, ja sogar exkommuniziert gewesen. „Bis in die 1990er Jahre gab es diese Vorwürfe und unsere Schwestern haben sehr darunter gelitten“, erläuterte die Provinzoberin. In einer Bischofsmesse erklärte Erzbischof Hans-Josef Becker im Februar 2018, dass der Ordensgründerin großes Unrecht widerfahren sei.  

Mit zwei von Schwestern vorgetragene Lieder über Mutter Clara Pfänder wurde die Buchpräsentation musikalisch untermalt, an der zahlreiche Interessierte teilnahmen.pdp / Thomas Throenle Den Hintergrund bildet eine Auseinandersetzung während der Zeit des Kulturkampfes in Preußen (1871 – 1887). Der vom Staat abgesetzte und inhaftierte Bischof Konrad Martin gab Mutter M. Clara für den Notfall die Vollmacht, Schwestern einzukleiden und Gelübde entgegenzunehmen, verpflichtete sie aber zu absolutem Stillschweigen gegenüber jedermann. Als die Gründerin davon Gebrauch machte, geriet sie zunehmend in Konflikt mit der bischöflichen Behörde in Paderborn, die ihr die Anmaßung bischöflicher Rechte vorhielt.  

Das Original der von Bischof Konrad Martin an Mutter M. Clara Pfänder erteilten sogenannten Geheimvollmacht fand man erst 1977 in einem Archiv in Rom. Für die angebliche Exkommunikation gab es keinerlei Gründe. Viereinhalb Jahre arbeitete Schwester M. Carola in diversen Archiven an der Aufarbeitung dieser Ordensgeschichte. Begleitet wurde sie dabei von Professor Dr. Rüdiger Althaus von der Theologischen Fakultät Paderborn. Zunächst verfasste sie eine 850-seitige Dokumentation, aus der dann das Buch „Die Sonne bleibt oben“ mit 500 Seiten entstand.  

Die Veröffentlichung ist nicht nur eine Richtigstellung der historischen Ereignisse, sondern zugleich auch eine umfangreiche Biographie von Mutter M. Clara Pfänder im Kontext der Entwicklung der Kongregation. Dabei erfährt der Leser viel über die vielfältigen Herausforderungen des 19. Jahrhunderts, über die religiösen Aufbrüche dieser Zeit und die Übernahme von Verantwortung katholischer Christen für die Gesellschaft.  

„Nur auf den ersten Blick scheint es sich bei dem Buch über Mutter Clara Pfänder um die Biografie einer frommen Ordensfrau zu handeln. Betrachtet man die darin enthaltenen Verzahnungen, ergibt sich ein facettenreiches Bild der gesellschaftlichen und kirchlichen Situation des 19. Jahrhunderts sowie des Verhältnisses von Kirche und Staat“, ordnete Dr. Althaus das Werk ein. Er sei dankbar für das große Engagement von Schwester M. Carola Thomann FCJM als Autorin des Werkes über Mutter Clara Pfänder, sagte Pater Dr. Cyrill Schäfer OSB vom EOS-Verlag, in dem das Buch erschienen ist. Die Spurensuche im Leben von Mutter Clara sei durch die Autorin „diskret und versöhnlich“ betrieben worden und zeige als Ergebnis die „Herzensgröße“ von Mutter Clara auf. Das Werk sei versöhnlich und heilend zugleich, in ihm werde die Geschichte aufgearbeitet und sichtbar.  

Die Buchpräsentation und Lesung wurde musikalisch gestaltet von einer Schwesternschola der Franziskanerinnen Salzkotten, die das Mutter-Clara-Lied und das philippinische Lied „Matahari tetap bersinar“ (Die Sonne scheint immer) vortrug.  

Eine Bronzeplastik und eine Erinnerungstafel für die Gründerin der Franziskanerinnen Salzkotten befindet sich in der Engelkapelle des Paderborner Domes. Erzbischof Hans-Josef Becker hatte die vom Künstler Karl-Heinz Oswald gestaltete Skulptur am 1. Fastensonntag 2018 gesegnet.