Ein Blick auf die Situation der Kirche in Ägypten und auf den Philippinen

Begegnungsabend „Gesichter der Weltkirche“ im Forum St. Liborius zog zahlreiche Interessierte an

Weihbischof Matthias König interviewte die Gäste von den Philippinen Bischof Precioso Dacalos Cantillas (vorn) und Bischof Rex Cullingham Ramirez.pdp / Ronald Pfaff Paderborn, 27. Juli 2018. Die Situation der Kirche auf den Philippinen und in Ägypten stand im Mittelpunkt des Begegnungsabends „Gesichter der Weltkirche“. Die Veranstaltung am Vorabend des Libori-Festes, bei der Bischöfe aus der Weltkirche Einblick in ihr Land und ihre Arbeit geben, fand in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Viele Menschen folgten der Einladung und füllten das Forum St. Liborius. Bischof Precioso Dacalos Cantillas SDB, Bischof von Maasin, und Bischof Rex Ramirez, Bischof von Naval, beschrieben die Lage der Gesellschaft und der Kirche auf den Philippinen. Bischof Kyrillos William Samaan, koptisch-katholischer Bischof von Assiut (Ägypten) berichtete von der Situation der Christen in Ägypten.

Weihbischof Matthias König, Bischofsvikar für Aufgaben der Weltkirche und Weltmission, führte die Interviews mit den beiden Bischöfen von den Philippinen. Darin beschrieb Bischof Cantillas den derzeitigen Präsidenten Rodrigo Duterte als Mann, der ein Herz für die Armen habe und im Kampf gegen Drogen, Korruption und Verbrechen tatsächlich Erfolge vorzuweisen habe. Auf die Nachfrage von Weihbischof König, ob dieser Kampf nicht einen hohen Preis fordere und auch schon vielen Unschuldige das Leben gekostet habe, sagte er, dass es in der Tat unterschiedliche Meinungen über den Präsidenten gebe, dass dieser aber grundsätzlich bemüht sei, die Lage der Menschen zu verbessern.

Bischof Kyrillos William Samaan im Gespräch mit Ulrich Klauke, Leiter des Referats Mission, Entwicklung, Frieden im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn.pdp/ Ronald Pfaff Bischof Ramirez sagte im Interview, dass die wüsten Äußerungen, die Duterte kürzlich gegen Papst und Kirche getätigt habe, dem Präsidenten einiges an Ansehen in der Bevölkerung gekostet habe. Es gäbe auf den Philippinen eine lebendige Volkskirche. Die Menschen empfänden große Liebe zur Kirche und ihren Gebräuchen, respektierten ihre Gebote und hätten große Wertschätzung für die Priesterschaft.

Im Anschluss kam Ulrich Klauke, Leiter des Referates Mission – Entwicklung – Frieden im Erzbischöflichen Generalvikariat, mit Bischof Kyrillos William Samaan aus Ägypten ins Gespräch. Mit Blick auf den gegenwärtigen Staatspräsidenten Al-Sisi sagte er, dass Ägypten derzeit noch einen starken Mann brauche und noch nicht reif sei für eine Demokratie westlicher Prägung. Das sei ein langer Weg, der noch Zeit brauche. Grundsätzlich zeige Al-Sisi, dass er sich als Präsident aller Ägypter verstehe. Zum Beispiel besuche er an Weihnachten eine christliche Kathedrale, nehme also Anteil an christlichen Festen. Die Situation der Christen sei seit seinem Amtsantritt sicherer geworden, die Kirche versuche daher, die Menschen zum Bleiben zu bewegen, die aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation das Land verlassen wollten.

Großes Interesse fand der Abend \"Gesichter der Weltkirche\" zum Auftakt des Libori-Festes im Forum St. Libori.pdp / Ronald Pfaff Bischof Kyrillos gab die Zahl der koptisch-katholischen Christen mit etwa 250.000 an. „Aber wir fühlen uns nicht allein und verloren, weil wir so viele Schwestern und Brüder auf der ganzen Welt haben“, sagte er. Trotz der geringen Zahl sei die koptisch-katholische Kirche in Ägypten sehr präsent. Sie betreibe zum Beispiel 170 Schulen, die zu 90 Prozent von muslimischen Schülern besucht würden. „Auf diese Weise bauen wir Brücken“, so Bischof Kyrillos. „Wir müssen da bleiben als Salz der Erde und Licht der Welt.“

Der philippinische Chor Canta Maria sorgte mit fröhlichen Liedern für den musikalischen Rahmen.pdp / Ronald Pfaff Nach den Interviews mit den Bischöfen nutzten viele Besucher der Veranstaltung die Gelegenheit, in der Libori-Oase mit den bischöflichen Gästen ins Gespräch zu kommen. Neben den beiden Referenten waren viele weitere Gastbischöfe zu der Veranstaltung in Forum St. Liborius gekommen. Eingeladen zu den „Gesichtern der Weltkirche“ hatte das Metropolitankapitel am Hohen Dom zu Paderborn. Musikalisch wurde der Abend von dem philippinischen Chor "Canta Maria" mitgestaltet.