Glockenguss wie vor 1.000 Jahren

Samstag an der Lebendigen Dombauhütte: Archäologe Dr. Bastian Asmus mit mittelalterlicher Handwerkstradition

Dr. Bastian Asmus freute sich über das große Interesse der Besucher an der Vorbereitung zum Glockenguss am Samstag.pdp / Ronald Pfaff Paderborn, 25. Juli 2018. Die Lebendige Dombauhütte im Garten des Abdinghofklosters, die noch bis zum 19. August 2018 zum Besuch einlädt, bietet am kommenden Samstag eine besondere Attraktion in mittelalterlicher Handwerkstradition. Eine romanische Bienenkorbglocke „Theophilus“ wird für die über 1000 Jahre alte Bartholomäuskapelle live vor Ort gegossen.

„Ich bin auf den Spuren der alten Handwerksvorfahren“, fühlt sich Dr. Bastian Asmus, Archäologe, Spezialist für Archaeometallurgie und Kunstgießer, in dieser Rolle sehr wohl. Seit einigen Tagen hat er im Garten hinter dem Stadtmuseum seine Werkstatt aufgebaut und bereitet den Guss der nach ihrer Form benannten Bienenkorbglocke vor. Dabei ist dem Wissenschaftler ganz wichtig, dass die Rekonstruktion einer Glocke mit alter Handwerkskunst auch in der Praxis funktioniert. Am Samstag, 28. Juli, können Zuschauer ab 17 Uhr bei diesem Erlebnis Augenzeuge sein. Eine exakte Uhrzeit ließe sich jetzt noch nicht voraussagen, betont Bastian Asmus. Denn Witterungsbedingungen hätten Einfluss auf den Prozess.

In Paderborn fertigt er eine baugleiche Kopie einer Glocke mit handwerklichen Techniken, die auch im Mittelalter genutzt wurden. Die Wahl fiel auf eine romanische Bienenkorbglocke nach dem Vorbild der Glocke von Hachen, die heute im Glockenmuseum der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck zu bestaunen ist. „Die Gebrüder Grassmayr erlaubten es mir die Glocke genau zu vermessen, so dass eine Neuschöpfung dieses Glockentyps gelingen kann. Dabei geht es hier nicht darum eine genaue Kopie der Hachener Glocke zu fertigen. Vielmehr ist sie als Vorbild zu sehen, um eine neue romanische Glocke zu gießen“, beschreibt Asmus das Vorhaben, das im Wachsausschmelzverfahren nach Theophilus Presbyter durchgeführt wird.

Besucher können am Samstag den Guss mit verfolgen. Allerdings mit dem nötigen Sicherheitsabstand um den Ofenbereich, wenn die flüssige Zinnbronze eingefüllt wird. Dazu öffnet die Stadtverwaltung Paderborn den Flur oberhalb des Gartens des Abdinghofklosters, von wo aus Interessierte zusehen können. Wenn diese abgekühlt ist, kann nach ein paar Tagen die Form aus Lehm entfernt werden.

„Mir ist wichtig Wissenschaft, Vorführung und Handwerk zusammenzuführen“, freut sich Asmus über den Auftrag. Bei der Hitze der letzten Tage schwitzt er bereits ordentlich bei der Vorbereitung. Die Form ist bereits fertig und kann besichtigt werden. Derzeit bereitet er die Glockengrube und den Lehm vor. Während ihm dabei die Sonne von oben ordentlich auf den Strohhut drückt, findet er in der Lehmmasse leichte Abkühlung. Denn diese muss mit den blanken Füssen – nach alter Tradition – durchgeknetet werden. Die Anstrengung ist erträglich mit der Freude auf den Guss der neuen Glocke mit einem Durchmesser von 38 Zentimetern.

Die Lehmmasse wird nach alter Tradition vorbereitet und mit Fußarbeit durchknetet.pdp / Ronald Pfaff       pdp / Ronald Pfaff   pdp / Ronald Pfaff