„Kirche pilgert durch Zeit und Geschichte“

Erzbistum Paderborn feiert 950-jähriges Weihejubiläum des Imad-Domes mit großem Pontifikalamt

Domjubiläum 950 Jahre Erzbischof Hans-Josef Becker zelebrierte das Pontifikalamt zum 950jährigen Weihejubiläum des Imad-Domes. V.l.n.r.: Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Weihbischof Matthias König, Bischof Heinz-Josef Algermissen (Fulda), Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück), Erzbischof Hans-Josef Becker, Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg), Weihbischof Dr. Udo Bentz (Mainz), Weihbischof Hubert Berenbrinker, Weihbischof Manfred Grothe.pdp/Thomas Throenle Paderborn, 22. Juli 2018. „Seit Jahrhunderten ist unser Dom der Ort, an dem sich die Ortskirche von Paderborn in besonderer Weise als vom Herrn behütet und bedacht erfährt.“ Mit diesen Worten führte Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker in das Pontifikalamt zum 950-jährigen Weihe-Jubiläum des Imad-Domes zu Paderborn ein, mit dem heute der Jahrestag der Dom-Weihe gefeiert wurde. Neben zahlreichen Konzelebranten des Paderborner Metropolitankapitels waren an diesem denkwürdigen Tag auch Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg), die ehemaligen Weihbischöfe in Paderborn Heinz-Josef Algermissen (emeritierter Bischof von Fulda) und Dr. Franz-Josef Bode (Bischof von Osnabrück), sowie der Weihbischof und Generalvikar des Bistums Mainz, Dr. Udo Bentz, zur Mitfeier des Gottesdienstes gekommen.

Predigt Weihbischof Bentz Weihbischof Dr. Udo Bentz hielt zum 950jährigen Weihejubiläum die Predigt, da im Jahr 1068 der Erzbischof von Mainz den Paderborner Imad-Dom geweiht hatte.pdp/Thomas Throenle „In der heutigen Zeit erleben wir einen so radikalen Gestalt- und Mentalitätswandel von Kirche wie wahrscheinlich schon lange nicht mehr“, sagte Weihbischof Bentz in seiner Predigt. Er hielt die Predigt im Pontifikalamt, weil vor 950 Jahren der Erzbischof von Mainz die Weihe des Imad-Domes gemeinsam mit Bischof Imad vorgenommen hatte. Kirche sei längst nicht mehr die festgemauerte und uneinnehmbare Burg, die den Stürmen der Zeit einfach nur trotze, führte der Weihbischof aus. Kirche sei nicht wie eine Wehrburg gegenüber dem Heute. Die Kirche sei zuallererst eine Gemeinschaft von Menschen von heute. „So ist die Kirche Gottes Volk und als Volk Gottes auf dem Weg. Kirche pilgert durch Zeit und Geschichte. Und jede Generation dieses Gottesvolkes hat auf diesem Weg neue Herausforderungen zu meistern.“ Die Geschichte des Paderborner Domes könne dafür ein sprechendes Bild sein, denn der Imad-Dom war bei seiner Weihe bereits der vierte Kathedralbau in der Geschichte des Erzbistums Paderborn. Die vorigen Bauten waren meist durch Brände zerstört worden und auch der Imad-Dom sollte nicht der letzte Dom sein, der in Paderborn erbaut wurde.

Imad-Madonna im Altarraum Das Metropolitankapitel des Paderborner Domes konzelebrierte im feierlichen Pontifikalamt. Im Altarraum war die berühmte Imad-Madonna aufgestellt.pdp/Thomas Throenle „Man baute immer wieder neu und immer wieder anders, was aber nicht ‚aus Lust und Laune‘ geschah, sondern weil keine andere Wahl blieb. Auch die Veränderungen der Kirche unsrer Zeit geschehen nicht aus ‚Lust und Laune‘ und nur, weil wir etwas anders machen wollen. Und eines ist auch bereits jetzt klar: Wie der Imad-Dom schon der vierte Dom, aber längst nicht die letztendliche Gestalt des Paderborner Domes für alle Zeiten war, so wissen wir heute schon, dass unsere Antwort als Kirche auf die Herausforderung der Zeit keine Antwort auf ‚immer und ewig‘ sein muss, sondern nur ‚für eine gewisse Zeit‘ und nur für das nächste Stück des langen Pilgerweges der Kirche sein kann“, erläuterte Weihbischof Dr. Bentz.

Ein besonderes Detail, das Bischof Imad vor 950 Jahren initiierte und das bis heute noch eine hohe Bedeutung hat, ist die Verlagerung des Hauptportals des Paderborner Doms von Westen nach Süden und damit „der aufstrebenden Handelsstadt Paderborn zugewandt. Die neue Gestalt des Domes öffnete sich der profanen Lebenswelt. Eine neue Beziehung zwischen der Lebenswelt der Menschen und dem heiligen Raum Gottes war möglich.“ Dies symbolisiere laut Weihbischof Bentz auch eine der größten Herausforderungen der katholischen Kirche heutzutage: „Sich auf den Marktplatz hin zu öffnen, ohne selbst zum Marktplatz zu werden. Nur so bleiben wir, was wir sein sollen: pilgerndes Gottesvolk durch die Zeit – ‚behütet und bedacht‘ im Heute unsrer Zeit!“

Weihejubiläum Zahlreiche Menschen feierten den Gottesdienst zum 950jährigen Weihejubiläum mit.pdp/Thomas Throenle Zahlreiche Gläubige feierten den Gottesdienst im Hohen Dom zu Paderborn mit. Der Gottesdienst wurde musikalisch gestaltet von Vokal- und Instrumentalsolisten Capella Dalheimensis, der Domkantorei, der Schola Gregoriana am Hohen Dom, Knabenstimmen des Paderborner Domchores, Domorganist Tobias Aehlig unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Thomas Berning. Domkapitular Dr. Thomas Witt wirkte als Kantor, ebenso Domkantorin Gabriele Sichler-Karle.