„Liborius“ und „Kilian“ im Computertomograph

Hightech zur Altersbestimmung der Holzfiguren aus dem Paradiesportal des Hohen Doms zu Paderborn

Die hölzerne Figur "Liborius" im Computertomographen zur Altersbestimmung.pdp / Ronald Pfaff Paderborn, 13. Juni 2018. „Liborius“ und „Kilian“ waren heute zum Alterscheck im St. Vincenz-Krankenhaus in Paderborn. Zur genauen Bestimmung der Datierung der hölzernen Bischofsfiguren vom Paradiesportal des Hohen Doms zu Paderborn wurden „Liborius“ und „Kilian“ computertomographisch untersucht. Die Ergebnisse der CT-Untersuchung werden von der Universität Bamberg nun ausgewertet, um genauere Erkenntnisse über den Entstehungszeitraum der Holzfiguren zu erfahren.

Im Zuge der Domrenovierungen wird momentan auch das mittelalterliche Paradiesportal des Doms durch Restauratoren untersucht. Es wird überprüft, ob das einzigartige Ensemble die Jahrhunderte gut überstanden hat oder ob konservatorische Maßnahmen notwendig sind. Teil des Portals sind zwei archaisch anmutende Holzskulpturen – die Darstellungen der Paderborner Bischofsheiligen Liborius und Kilian. Sie bewachen die Türen des Gotteshauses.

Im Vorfeld der Ausstellung „Gotik – Der Paderborner Dom und die Baukultur des 13. Jahrhunderts in Europa“, die am 21. September eröffnet wird, wurden die Figuren von den hölzernen Dom-Türen abgenommen und in die Restauratorenwerkstatt gebracht. Hier werden sie momentan nicht nur konservatorisch für die Ausstellung fit gemacht, es wird auch versucht, ihnen einige ihrer Geheimnisse zu entlocken.

Dr. Wolfgang Krings, Radiologe des St. Vincenz-Krankenhauses, und Dompropst Joachim Göbel schauen gespannt auf die CT-Ergebnisse von „Liborius“.pdp / Ronald Pfaff Am Mittwoch hatten sie nun einen Termin beim Radiologen. Privatdozent Dr. Wolfgang Krings, Chef der Radiologie des St. Vincenz-Krankenhauses, und seine Mitarbeiter haben schon Erfahrung mit Kunstwerken des Erzbistums Paderborn. Gemeinsam mit Dompropst Joachim Göbel und Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Leiter des Diözesanmuseums, betrachtete Dr. Krings die Holzfiguren im CT-Gerät.

Lassen sich noch Spuren ihrer einstigen Bemalung feststellen? Stammen sie aus derselben Zeit wie ihre steinernen Paradiesportal-Kollegen oder sind sie vielleicht noch viel älter – oder gar viel jünger? Und wie wurden sie hergestellt? Diesen Fragen widmet sich neben den Restauratoren der Firma ars colendi auch Dr. Ing. Thomas Eißing, Leiter des Labors für Dendrochronologie und Gefügekunde der Universität Bamberg und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Erforschung mittelalterlicher Holzskulpturen und Holzobjekte in Deutschland. Im Mai war er schon einmal vor Ort, um die Figuren zu untersuchen. An ihren ausgehöhlten Rückseiten waren die Jahresringe des Baumstammes, aus dem sie geschnitzt waren, gut erkennbar – Thomas Eißing konnte erste Anhaltspunkte dazu gewinnen, aus welcher Zeit die Bischofsskulpturen stammen.

Professor Dr. Christoph Stiegemann schaut gespannt auf die CT-Bilder.pdp / Ronald Pfaff Heute ging es darum, die bislang durch Thomas Eißing nur abgeschätzten, mit dem Auge nicht sichtbaren Jahresringe in der Außenhülle der hölzernen Bischofs-Skulpturen genauer zu erfassen und so vielleicht jahrgenau das Fälldatum jenes Eichenbaumstammes ermitteln zu können, aus dem die beiden Heiligen geschnitzt wurden. „Es ist wohl erkennbar, dass beide Figuren aus dem gleichen Baumstamm geschnitzt wurden. Der Baum muss nach bisherigen Erkenntnissen zwischen 1212 und 1224 gefällt worden sein“, so Professor Stiegemann.

Gespannt blicken die Wissenschaftler nun auf die Auswertung in Bamberg. In den CT-Bildern waren die Jahresringe sehr gut zu erkennen. Die Figuren haben einen inneren Hohlraum und besitzen Ast-Ansätze.