„Fronleichnam hat mit ‚Fort-Schritt‘ zu tun“

Erzbischof Hans-Josef Becker predigt am Hochfest Fronleichnam über das Geheimnis der Wandlung / Prozession durch die Paderborner Innenstadt

In der Gestalt des gewandelten Brotes wird Jesus bei der Fronleichnamsprozession durch die Straßen der Stadt getragen. Zahlreiche Schützen beteiligten sich erneut bei der Prozession in Paderborn.Foto: pdp/Maria Aßhauer Paderborn, 31. Mai 2018. „Die Wandlung von Brot und Wein auf dem Altar ist nur ein Anfang – aber eine Initialzündung voller Energie: Sie will sich fortsetzen in der Verwandlung jedes einzelnen Christen, der Kirche, ja der ganzen Welt“. Dies sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt im Hohen Dom zu Paderborn am Hochfest Fronleichnam, dem Fest des Leibes und Blutes Christi. Zahlreiche Gläubige feierten das Pontifikalamt in der Paderborner Bischofskirche mit und schlossen sich danach der Prozession an, in der das Allerheiligste durch die Straßen der Innenstadt getragen wurde.      

Fronleichnam, das seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gefeiert werde, sei das wohl am stärksten katholisch geprägte Fest, so Erzbischof Hans-Josef Becker zu Beginn der Heiligen Messe im Dom. „Wenn wir heute in die Straßen hinausgehen, ist Gottes Sohn mit seiner Gegenwart mit uns unterwegs“, stellte Erzbischof Becker in seiner Einführung fest. Er begrüßte unter den Gläubigen besonders die Mitglieder der italienischen Gemeinde und der Paderborner Innenstadtpfarreien.  

Vor der Markt- und Universitätskirche versammelten sich die Prozessionsteilnehmer zur ersten Station.Foto: pdp/Maria Aßhauer Fronleichnam als eigenes Hochfest im Kirchenjahr hebe die Feier des letzten Abendmahls zu Recht besonders hervor, so Erzbischof Becker. Die letzte Zusammenkunft Jesu mit seinen Jüngern sei nicht ohne Grund ein Gemeinschaft stiftendes Mahl: „Es schafft Verbindung und Verbindlichkeit, es begründet den Neuen Bund Gottes mit uns Menschen“, erklärte der Paderborner Oberhirte.  

Die Handlungen Jesu im Abendmahlssaal am Gründonnerstag besäßen eine hohe Zeichenhaftigkeit, fuhr Erzbischof Becker fort: „Wie das Weizenkorn in die Erde fällt und zerbricht, damit neues Korn wachsen kann, so wird das Brot gebrochen. Wenn wir es essen wollen, müssen wir es teilen. Das Brot des Lebens kommt uns zugute, indem es gebrochen wird. Jesus geht seinen Weg bis zum bitteren Ende – und er ‚zerbricht’ für uns.“ Auch der Abendmahlskelch sei ein sprechendes Zeichen dafür, dass Jesus den Bund mit den Mensch „konsequent, bis zum Äußersten, bis aufs Blut“ aushalte.

Am Stadthaus war die zweite Station. Paderborns Bürgermeister Michael Dreier (l.) trug die Fürbitten vor, rechts Domkapitular Benedikt Fischer, Dechant des Dekanats Paderborn.Foto: pdp/Maria Aßhauer Das Entscheidende der Eucharistiefeier sei die Wandlung von Brot und Wein in Jesu Leib und Blut: „Indem Jesus in der Eucharistie mit Leib und Blut real präsent ist, geschieht in diesem Mahl auch etwas mit uns. Die Wandlung erfasst uns selbst: unser Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, in all seiner Größe und Begrenztheit. Ohne diese Wandlung bleibt das Geheimnis der Eucharistie unvollendet, ist reine Theorie“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker. Auf diese Wandlungskraft des Glaubens würden auch die Prozessionen als „Hinausgehen in die Welt“ hinweisen.

Erzbischof Hans-Josef Becker trug die Monstranz vom Stadthaus zurück in den Hohen Dom.Foto: pdp/Maria Aßhauer Fronleichnam habe etwas mit „Fort-Schritt“ zu tun: mit der tiefgreifenden Wandlung des Menschen und der Welt. Dieses „Geheimnis der Wandlung“, das an Fronleichnam öffentlich bekannt werde, könne auch zu Veränderungen in der Kirche motivieren. Aber dabei sei im Blick zu behalten, „wo solche Veränderungen ihren Anfang nehmen müssen: im wirkungsvollen Geheimnis der Eucharistie, das uns lehrt, wie sich jemand in Anspruch nehmen, ja ausliefern lässt, um die Menschen zu verwandeln“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker zum Abschluss seiner Predigt.  

Musikalisch gestaltet wurde das Pontifikalamt sowie die anschließende Prozession vom Paderborner Domchor und der Mädchenkantorei unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Thomas Berning. Die Prozession, an der unter anderem Kommunionkinder, zahlreiche Schützen, Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab, Ordensschwestern und Fahnenabordnungen teilnahmen, führte an zwei Stationen in der Innenstadt vorbei: zunächst an der Markt- und Universitätskirche und anschließend am Stadthaus, bevor die Gläubigen in den Hohen Dom zurückzogen. An jeder Station wurde das Evangelium vorgetragen, Fürbitte gehalten und der Sakramentale Segen gespendet.      

Vor der Prozession hatte Erzbischof Hans-Josef Becker im Hohen Dom ein festliches Pontifikalamt gefeiert.Foto: pdp/Maria Aßhauer Stichwort: Fronleichnam  
Für die katholische Kirche ist Fronleichnam ein Hochfest, mit dem die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird. Der Name leitet sich ab von den althochdeutschen Worten „fron“ für „Herr“ und „lichnam“ für „Leib“. Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten wird das „Fest des Leibes und Blutes Christi“ begangen. Der Donnerstag als Termin des Festes steht in Verbindung mit Gründonnerstag, an dem der Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus beim letzten Abendmahl gedacht wird. Brot und Wein werden in der Eucharistie zu Leib und Blut Jesu Christi gewandelt. Bei der Fronleichnamsprozession wird somit Jesus Christus in der Gestalt des gewandelten Brotes in einer kostbaren Monstranz durch die Straßen und Felder getragen zum Segen für die Welt.