Motivation der jungen Talente wecken

Verstärkung für die Paderborner Dommusik: Pianist Markus Gotthardt leitet die Vorchöre

Markus Gotthardt (vorn) mit Gabriele Sichler-Karle und Thomas Berning.pdp / Ronald Pfaff Paderborn, 24. Mai 2018. Die Paderborner Dommusik hat Verstärkung bekommen. Der Detmolder Pianist Markus Gotthardt führt in der neuen Vorschule und im A-Chor junge Sänger an den Domchor heran. „Das Interesse an der Dommusik ist groß“, freut sich Markus Gotthardt auf die Aufgabe und die Zusammenarbeit mit Domkapellmeister Thomas Berning und Domkantorin Gabriele Sichler-Karle.

„Die Begeisterung bei den Jungen ist groß, wenn sie gemerkt haben, was ihnen geboten wird“, blickt Markus Gotthardt mit Freude darauf, dass das Interesse bei den Kindern und Jugendlichen groß und auch das Potenzial gut ist: „Wer einmal richtig reingeschnuppert hat, der bleibt mit Freude dabei. Es ist eine wirkliche Gemeinschaft.“

Wenn es um „Spaß an der Musik“ geht, denkt Markus Gotthardt, der 1974 in Dortmund geboren wurde, gern an seine Kindheit zurück. Bereits als 12-Jähriger hat er in seiner Heimatgemeinde St. Josef Berghofen auf der Orgelbank gesessen und früh seine Liebe zur Musik entdeckt. Er nahm Orgelunterricht, machte den C-Schein für Kirchenmusik und entschied sich für ein Musikstudium, das in Dortmund begann und weiter nach Zürich zu  Richard Braun, Eckart Heiligers sowie in die Meisterklasse von Irwin Gage führte. Sein Studium in der Schweiz wurde vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) mit einem zweijährigen Stipendium gefördert, außerdem folgten Stipendien der Richard-Wagner-Stipendienstiftung und der Westfälischen Förderakademie für bildende Kunst und Musik Ruhr-Lippe. Markus Gotthardt beendete seine Studien mit dem Diplom in Klavierpädagogik sowie Konzertdiplomen in Liedgestaltung und Soloklavier.

Seit 2005 unterrichtet Gotthardt selbst an der Hochschule für Musik Detmold und hat nun mit einer 50-Prozentstelle die Assistenz in der Paderborner Dommusik übernommen. Die beiden Vorchöre – Vorschule für die etwa 8-Jährigen und der A-Chor zur Vorbereitung auf den Konzertchor – gehören zu seinem Aufgabengebiet. „Ohne Schreibtisch- und Organisationsarbeit geht es nicht“, bereitet Gotthardt den Unterricht intensiv vor. Die Proben bleiben jedoch dann das Besondere seiner Arbeit.

Die Dommusik arbeitet mit den offenen Ganztagsschulen, so dass die ersten Proben ab 15.15 Uhr auf dem Stundenplan stehen. „Wir werben an den Schulen. Wenn sich das Talent herausstellt, tauschen wir uns mit Kind und Eltern aus, um die musikalische Ausbildung zu beginnen“, so Gotthardt, der Wert darauf legt, dass die Motivation von den Jungen selbst kommt und nicht von den Eltern. „Wir achten darauf!“

Der Unterricht ist auf die Altersstufen zugeschnitten. Dazu gehören natürlich auch Notenlehre, um „vom Blatt lesen zu können, sowie Erklärungen zum Musikstück, zur Gesamtkomposition, zum Komponisten und Hintergründe der Entstehung. „„Man sieht nur, was man weiß.“, ist für Gotthard keine Floskel: Zum richtigen Musikverständnis gehöre Hintergrundwissen dazu.

Bei den Jugendlichen kommt es an. In der Vorschule nehmen 30, beim A-Chor 25 Jungen teil. Den Musiklehrer begeistert es immer wieder, wie geflasht die „Jungs“ selbst sind, wenn sie mit ihrer Stimme auch außergewöhnlich hohe Stimmlagen erreichen. Selbst auf den Stimmbruch ist die Dommusik eingestellt, denn die jungen Sänger wollen den Anschluss nicht verlieren. Der „Mutanten-Kurs“ ist für Stimmbrüchige das Angebot, hier weiter unter Anleitung dem Gesang treu zu bleiben und langsam wieder an das Singen herangeführt zu werden. Die Mühe lohnt sich: Der Bass des Domchores hat derzeit viele junge Sänger.

„Wer singt, betet doppelt“, ist auch für Markus Gotthard ein gelebter Leitspruch. Die Arbeit mit der Jugend begeistert ihn – die Musik als solche selbstverständlich. Vater und Großvater waren schon Kirchenmusiker, aber allein auf Kirchenmusik baut Gotthard sein Spektrum nicht auf. Schubert und deutsche Romantik faszinieren ihn, Jazz und Pop-songs bereiten ihm Freude. Als Pianist gibt er Solo-Konzerte und bestreitet mit Sängerinnen und Sängern Liederabende.