Gottes Geist bricht sich Bahn

Erzbischof Hans-Josef Becker predigt am Hochfest Pfingsten im Hohen Dom zu Paderborn über die Gaben des Heiligen Geistes

Pfingsten: Herabkunft des Heiligen Geistes. Fenster im Ostchor des Hohen Domes zu Paderborn.pdp: Thomas ThroenlePaderborn, 20. Mai 2018. Mit zahlreichen Gläubigen feierte Erzbischof Hans-Josef Becker am Hochfest Pfingsten, dem Fest der Sendung des Heiligen Geistes und dem Geburtsfest der Kirche, ein festliches Pontifikalamt im Hohen Dom zu Paderborn. „Wir sind vom Geist beschenkt. Wir sind von Christus in der Kraft des Geistes mitten in die Welt gesandt. Und wir sind stets der Vergebung bedürftig und zum Neuaufbruch gerufen. Diese drei pfingstlichen Verheißungen sind uns nach der österlichen Festzeit als Proviant mit auf die nächste Wegetappe in den Alltag gegeben“, sagte Erzbischof Becker in seiner Predigt.      

Menschen würden heute oftmals nahe beieinander leben und doch wenig voneinander wissen, erklärte Erzbischof Hans-Josef Becker zu Beginn seiner Predigt. Vielfach herrsche trotz der Sehnsucht nach Begegnung Sprachlosigkeit. „Die Jünger Jesu im Abendmahlssaal sind in einer solchen ‚pfingst-losen‘ Situation. Verriegelt sind die Türen und Herzen. Aber am Tiefpunkt der Stimmung ereignet sich die überraschende Wende: In den versperrten Abendmahlssaal bricht das Pfingstereignis ein“, so der Paderborner Oberhirte. Jesus schlage mit der Sendung des Heiligen Geistes die Brücke von seinem Tod und seiner Auferstehung hin zur „dauerhaften und umfassenden Sendung seiner jungen Kirche, die sein Werk auf Erden weiterführt“.  

Erzbischof Hans-Josef BeckerpdpDie pfingstliche Botschaft zeige wichtige, auch heute aktuelle Wesenszüge des Glaubens. Gottes Geist sei ein Geschenk, „das wir nicht erzwingen und mit nichts erkaufen können“, sagte Erzbischof Becker. „Die Art, wie Gottes Geist kommt, stellt sich quer zum alltäglichen Lebensablauf, der zwar auf Planung und Leistung ausgelegt ist, doch dadurch allzu oft nur Durcheinander und Schaden stiftet.“  

Pfingsten beginne damit, dass Türen geöffnet würden, die durch Resignation oder Angst blockiert seien. Erzbischof Becker: „Die Tür des Pfingstgeschehens müssen wir nicht selber öffnen. Der auferstandene Christus selbst schlägt die Brücke zum neuen Leben. Sein Geist bricht sich Bahn.“ Dies sei der erste Schritt, in dem der Heilige Geist die Herzen der Glaubenden für die Gegenwart Gottes öffne. In einem zweiten Schritt würden die mit dem Heiligen Geist Gestärkten zur Weiterverkündigung des Erlebten angetrieben. Ein Rückzug in ein „innerkirchliches Ghetto“ schließe sich aus: „Als Glaubende stehen wir immer mitten in der Welt: Ein weltfremdes Christsein verbietet sich von selbst“, stellte der Paderboner Oberhirte fest.  

Das Wirken des Heiligen Geistes sei nicht zuletzt mit der Sündenvergebung verbunden, so Erzbischof Becker weiter. „Wo die Kirche lebt und handelt, da sind unterschiedliche Menschen am Werk, da gibt es immer auch Grenzen, Unrecht und Versagen. Die Kirche als ganze und in ihr jede Gemeinde und jeder einzelne Gläubige ist und bleibt stets reformbedürftig, ist immer wieder von den Wurzeln her zu erneuern. Dies schreibt der auferstandene Herr der jungen Kirche ganz am Anfang selber ins Stammbuch. Der Geist, den er sendet, hat als eine seiner reichsten Gaben das Geschenk der Sündenvergebung“, so Erzbischof Hans-Josef Becker zum Abschluss seiner Predigt.   Der feierliche Gottesdienst im Hohen Dom zu Paderborn wurde musikalisch gestaltet vom Chor der Paderborner Dommusik unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning und Domorganist Tobias Aehlig an der Orgel.