„Wir danken Gott für dieses Kapitel Ihres Wirkens“

Kongregationswallfahrt: Erzbischof Becker feiert mit Vincentinerinnen Heilige Messe im Hospital zum Heiligen Geist in Bad Lippspringe

Erzbischof Hans-Josef Becker (M.) feierte mit den Vincentinerinnen anlässlich ihrer Kongregationswallfahrt die Heilige Messe im Schwesternhaus „Hospital zum Heiligen Geist“ in Bad Lippspringe.Foto: pdp/Maria AßhauerPaderborn, 18. Mai 2018. Die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vincenz von Paul kamen heute zur gemeinsamen Kongregationswallfahrt in ihrem Schwesternhaus „Hospital zum Heiligen Geist“ in Bad Lippspringe zusammen, in dem die Vincentinerinnen seit 1926 kranke Mitschwestern gepflegt hatten. Erzbischof Hans-Josef Becker feierte in der Hauskapelle die heilige Messe mit den Schwestern. Der Ort der Wallfahrt war bewusst gewählt: Ende des Jahres werden die letzten Schwestern das Haus verlassen. Das historische Hospital wird zum 31. Dezember 2018 an das Medizinische Zentrum für Gesundheit (MZG) in Bad Lippspringe übergeben und in eine Reha-Klinik umgewandelt. Damit wird auch weiterhin gesundheitliche Hilfe in dem Gebäude geleistet.      

„Der Geist, mit dem Sie soziale Einrichtungen und Gemeinden in unserem Erzbistum geprägt haben, ist lebendig“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker zu den Vincentinerinnen.Foto: pdp/Maria AßhauerErzbischof Becker fand in seiner Predigt ermutigende Worte: „Zwar geht ein Kapitel in der segensreichen Geschichte der Paderborner Vincentinerinnen zu Ende. Aber der Geist, mit dem Sie unzählige soziale Einrichtungen und Gemeinden in unserem Erzbistum geprägt haben, ist lebendig“, ermutigte er die Ordensschwestern. Ins Zentrum seiner Predigt stellte der Paderborner Erzbischof das biblische „Magnificat“: Der Lobgesang Mariens eröffne einen weiten Horizont jenseits aller Nöte und Sorgen des Alltags. Wer sich von Gott anschauen lasse, gewinne ein höheres Selbstvertrauen und neuen Schwung zum Handeln: „Die Lebendigkeit Ihres Geistes zeigt, dass Ihr Einsatz und Ihre aufopfernde Mühe nicht vergeblich waren. Daraus können Sie zu Recht ein gesundes Selbstbewusstsein ableiten“, sagte Erzbischof Becker zu den Schwestern. Zugleich stärkte er sie in ihrem Verständnis als Ordenschristen: „Bei allen Schwierigkeiten, die wir erleben, sind wir mit einer ‚Frohen Botschaft‘ unterwegs. Sie haben auf diese Frohe Botschaft hin eine Lebensentscheidung getroffen, sind mit Gottvertrauen Ihren Weg gegangen. Das ist ein kostbares Erbe, das Sie sich bewahren und lebendig erhalten. Wir danken Gott für das Kapitel Ihres Wirkens, das an diesem Ort geschrieben wurde.“  

Generaloberin Schwester Katharina Mock hieß die Schwestern zur Kongregationswallfahrt willkommen.Foto: pdp/Maria AßhauerSchwester Katharina Mock, Generaloberin der Barmherzigen Schwestern, hatte die Ordensfrauen zur Wallfahrt begrüßt: „Ich freue mich, dass über zwei Drittel unserer Schwestern heute hier sind. Wir möchten Ihnen die Gelegenheit geben, sich von diesem liebgewordenen Ort zu verabschieden. Doch auch, wenn wir hier Abschied nehmen, so kann an anderer Stelle immer wieder Neues entstehen. Ich danke Ihnen, dass Sie diesen Weg mitgehen.“  

Die Ordensleitung hatte Ende letzten Jahres beschlossen, das Hospital zum Heiligen Geist zu verkaufen. Die Entstehung des Hospitals beruht letztlich auf dem tätigen Dienst der Vincentinerinnen: Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts hatten sich viele Schwestern des Ordens – damals gehörten rund 1.000 Schwestern zur Gemeinschaft, in der Blütezeit waren es bis zu 2.700 – beim Dienst an kranken Menschen vor allem mit Tuberkulose infiziert. Um diese Schwestern zu pflegen und zu behandeln, ließen die Vincentinerinnen 1925/26 das Hospital zum Heiligen Geist in Bad Lippspringe erbauen – herrschte hier doch erwiesenermaßen ein gesundes Luftklima.  

Das Schwesternhaus „Hospital zum Heiligen Geist“ wurde 1925/26 zur Pflege kranker Mitschwestern in Bad Lippspringe errichtet. Ende des Jahres geht das Haus an das Medizinische Zentrum für Gesundheit (MZG) über.Foto: pdp/Maria AßhauerIn den 1960er Jahren wurde es in einen Ruhesitz für ältere Ordensmitglieder umgewandelt mit einer Kapazität von 100 Plätzen. Mittlerweile zählen zur gesamten Ordensgemeinschaft noch 182 Schwestern. Der Unterhalt des Hauses in Bad Lippspringe, in dem momentan noch 31 Schwestern leben, wäre auf Dauer wirtschaftlich nicht tragbar gewesen. Durch den Verkauf an das Medizinische Zentrum für Gesundheit in Bad Lippspringe und die künftige Nutzung als Reha-Klinik für Suchtpatienten und psychosomatisch Erkrankte kann die Tradition und der Geist des Hauses weitergeführt werden. Ab 2019 erfolgt der Umbau. Die Kapelle des Hospitals bleibt erhalten und kann auch weiterhin für Gottesdienste genutzt werden.  

Die Schwestern, die zurzeit noch in Bad Lippspringe wohnen, werden künftig im Vincenz-Schwesternheim in Borchen, im Mutterhaus in Paderborn und im St. Vincenz-Altenzentrum Paderborn ein neues Zuhause finden – und vielleicht auch neue Aufgaben: Einige der Schwestern können zwar aus gesundheitlichen und altersbedingten Gründen nicht mehr in der Krankenpflege arbeiten und damit tätige Hilfe leisten, wie es ihr Orden vorsieht, doch auch das Dasein, das Mitbeten, das Hören auf und Sprechen mit kranken und pflegebedürftigen Menschen kann ein großer Dienst der Nächstenliebe sein. Oder wie Erzbischof Hans-Josef es formulierte: „Ein neues Kapitel wird aufgeschlagen.“