„Alte und Kranke trifft es besonders hart“

Sieben Jahre Krieg in Syrien: Delegation aus Paderborn informiert sich vor Ort über Hilfsprojekte

Domkapitular Dr. Thomas Witt beim Besuch einer mit Spenden aus dem Erzbistum Paderborn errichteten Näherei im christlichen Bergdorf Maalula nahe Damaskus.Foto: cpd/Barjosef Paderborn, 26. April 2018. (cpd) Seit 2016 unterstützen der Diözesan-Caritasverband und das Erzbistum Paderborn die Arbeit von Schwester Annie Demerjian in Syrien. Die Ordensfrau organisiert verschiedene Hilfsprojekte – vor allem für Familien, kranke und alte Menschen. Vor wenigen Tagen hatte eine Delegation aus Paderborn Gelegenheit, sich vor Ort über ihre Arbeit zu informieren.

„Mit unserer Reise wollten wir den Menschen in Syrien auch unsere Solidarität bekunden und unseren Projektpartnern deutlich machen, dass sie weiterhin mit unserer Unterstützung rechnen können“, so Domkapitular Dr. Thomas Witt, der als Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn die Delegation anführte. Neben Witt gehörten Hezni Barjosef, Flüchtlingskoordinator im Erzbistum Paderborn, sowie Semun Demir, Pfarrer der syrisch-orthodoxen Gemeinde in Delbrück, der kleinen Reisegruppe an.   

In Teilen von Aleppo sind die Zerstörungen durch den seit sieben Jahren andauernden Krieg unübersehbar.Foto: cpd/Christian Hope Centre „Gleich in der ersten Nacht in Damaskus wurden wir von Detonationen und Raketenexplosionen geweckt. Was für uns sehr beunruhigend war, gehört für die Menschen in Syrien leider zum Alltag“, berichtet Witt. „Die Gefährdung wird verdrängt und die Menschen verhalten sich ganz normal und gehen ihren Tätigkeiten nach. Man hat sich daran gewöhnt und in sieben Jahren wohl gewöhnen müssen.“ Im weiteren Verlauf der Reise bot sich den Besuchern aus Paderborn ein sehr unterschiedliches Bild. „An einigen Stellen war auf den ersten Blick nichts oder nur sehr wenig von den Auswirkungen des Krieges zu bemerken.“ In anderen Regionen – wie zum Beispiel in Homs oder Aleppo - seien die Folgen der jahrelangen Kampfhandlungen unübersehbar: zerbombte Häuser, kaputte Straßen und zerstörte Fabriken. „Da die Wirtschaft fast völlig zusammengebrochen ist, fehlt es an Arbeitsplätzen“, sagt Dr. Witt. Auch die Infrastruktur sei weitgehend zerstört. So mangele es beispielsweise an der Versorgung mit Trinkwasser und Strom. Ein weiteres Problem sei der enorme Preisanstieg für Dinge des täglichen Bedarfs, aber auch für Mieten.   

„Besonders hart trifft es die Alten und Kranken“, erklärt Witt. Und gerade um diese Menschen kümmert sich Schwester Annie Demerjian, die der Kongregation der Schwestern Jesu und Mariens angehört. Auch mit Hilfe von Spenden aus dem Erzbistum Paderborn versorgt die Ordensfrau zusammen mit einem Helferkreis zahlreiche Familien sowie alte und kranke Menschen in der Millionenmetropole Aleppo mit dem Nötigsten: Kleidung, Lebensmittel oder Medikamente. In der Stadt Maalula, nordöstlich von Damaskus, hat sie eine kleine Textilfabrik aufgebaut. Hier sind 36 Frauen damit beschäftigt, Unterwäsche und andere Kleidungsstücke zu nähen und zu verkaufen. Auf diese Weise erhalten die Frauen eine Arbeitsmöglichkeit. Um nicht zum Militärdienst einberufen zu werden, sind viele Männer ins Ausland geflüchtet. Daher müssen häufig Frauen für den Lebensunterhalt sorgen.    

Im christlichen Bergdorf Maalula nordöstlich von Damaskus haben 36 Frauen in einer vom Erzbistum Paderborn geförderten Näherei Arbeit gefunden (von links): Projektleiter Nasif Shahin, Einkaufsleiter Fouad Shalhoub, Sr. Annie, Thomas Witt und Sr. Antoinette.Foto: cpd/Barjosef In Damaskus ist Schwester Annie gerade dabei, einen Kindergarten zu errichten, um die Kinder, die sonst allein zu Hause wären, tagsüber zu versorgen. In einem von der Ordensgemeinschaft erworbenen Haus im christlichen Altstadt-Viertel von Damaskus soll außerdem ein Wohnheim für Studentinnen untergebracht werden. Das marode Gebäude musste allerdings grundlegend renoviert werden. Auch dieses Projekt wird unter anderem vom Erzbistum Paderborn unterstützt.   

„Ohne Hilfe von außen ginge es vielen Menschen in Syrien noch weitaus schlechter“, resümiert Witt die Eindrücke der Reise. Der Besuch vor Ort habe verdeutlicht, wie sehr die Menschen in Syrien auf finanzielle Unterstützung aus dem Ausland angewiesen sind, um zu überleben. Für die Nothilfe der Ordensfrauen in Aleppo sowie für die Aufbauhilfe in Maalula haben der Diözesan-Caritasverband sowie das Erzbistum Paderborn allein im letzten Jahr insgesamt 239.000 Euro bereitgestellt.    

Ein weiteres Projekt wird in der 200.000 Einwohner zählenden Stadt Kamishli in Nordsyrien unterstützt. Dort hatte der Diözesan-Caritasverband im Jahr 2016 die Erweiterung einer medizinischen Ambulanz und deren Ausstattung mit Spenden in Höhe von 25.000 Euro gefördert. Auch Kamishli stand auf dem Besuchsprogramm der Delegation aus Paderborn. In der Ambulanz werden pro Monat durchschnittlich 575 Patienten behandelt. Die Einrichtung wird durch niedergelassene christliche Ärzte geführt, die kostenlose Hilfe für Menschen unabhängig von ihrer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit anbieten. Um die Löhne des nichtmedizinischen Personals zu sichern und weitere Medikamente zu beschaffen, hatte der Diözesan-Caritasverband im Dezember 2017 zusätzlich 15.500 Euro zur Verfügung gestellt.     

Der Diözesan-Caritasverband Paderborn bittet um weitere Spenden für die Hilfsprojekte von Schwester Annie Dermjian in Syrien auf das Konto: IBAN DE54 4726 0307 0000 0043 00, BIC GENODEM1BKC (Bank für Kirche und Caritas), Stichwort: Syrien