Ein musikalisch einwandfreies Geläut

Die Klangprobe der neuen Domglocken ist gelungen - Erfolgreiche Werkabnahme-Prüfung in den Niederlanden

Werkabnahme Prüfung Die Werkabnahme-Prüfung in Asten ist gelungen. Die beiden Glockensachverständigen des Erzbistums Paderborn Theo Halekotte (Mitte) und Dr. Gerhard Best (2.v.l.) gemeinsam mit Joost Eijsbouts (Glockengießer, links), Joep van Brussel (Geschäftsführer der Glockengießerei) und Bert Augustus (Musiker und Stimm-Experte der Glockengießerei, rechts).Martin Hufelschulte Paderborn, 9. März. Die beiden Glockensachverständigen des Erzbistums Paderborn Theo Halekotte und Dr. Gerhard Best sind mit besten Ergebnissen aus der Königlichen Glockengießerei Eijsbouts in Asten zurückgekommen. Die Werkabnahme-Prüfung der beiden neuen Glocken für den Paderborner Dom ist positiv ausgefallen – nach eingängiger Prüfung ist ein musikalisch einwandfreies Geläut zu erwarten. „Die Schlagtöne und alle wesentlichen Teiltöne der Innenharmonie entsprechen den sehr anspruchsvollen Vorgaben der Bestellung und Planung“, zeigt sich Dr. Gerhard Best hoch erfreut. Auf der Grundlage der Ergebnisse der Werkabnahme-Prüfung stehen der Weihe und der Montage im Domturm nichts im Wege.

Das kolorierte Zukunftskreuz Das kolorierte Symbolkreuz des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn auf der neuen großen Domglocke.Hermann-Josef Dregger Auch äußerlich seien die Glocken hervorragend gegossen und würden sich durch eine Oberfläche ohne jegliche Mängel auszeichnen. Filigrane Inschriften als Dekorbänder und ausdruckstarke Bildnisse des Künstlers Brody Neuenschwander aus Brügge in Belgien runden das Bild ab. Bekannt ist nun auch das exakte Gewicht der Glocken: die große Christusglocke kommt auf 13.520 kg (bestellt waren 13.500 kg), die kleine Marienglocke bringt 1.008 kg (bestellt waren 1.000 kg) auf die Waage. Zudem entsprächen das Klangvolumen und die Nachhallwerte beider Glocken den hohen Erwartungen. Detaillierte Messungen könnten jedoch erst auf dem Domturm nach Anschlagen mit den Original-Klöppeln erfolgen. „Besonders erfreulich ist, dass die große Glocke - wie geplant - als Nebenschlagton eine Durterz hat“, so Dr. Gerhard Best. „Zukünftig wird die Melodie der drei großen Domglocken ‚e-fis-a‘ durch den Durterzschlagton gis der neuen Glocke in der beabsichtigten e-Dur-Folge ‚e-fis-(gis)-a‘ erklingen.“

Das Gestaltungskonzept der beiden neuen Domglocken nimmt bewusst die Vorgaben der Glockenzier von 1951 wieder auf. Daher wurde auf eine umfangreiche bildliche Zier verzichtet. Den Dekor der Glocken bilden stattdessen die jeweiligen Inschriftenbänder an der Glockenschulter sowie über dem Wolm (untere Mitte der Glocke) und der Schärfe (unterer Rand). Weitere dezente Reliefs auf den Glocken beziehen sich auf deren Patronate und erinnern an die aktuellen pastoralen Schwerpunkte des Erzbistums wie beispielsweise durch das kolorierte Zukunftsbildkreuz für das Erzbistum Paderborn. Die kleine Marienglocke verweist außerdem durch die Abbildung der Imad-Madonna auf den Paderborner Bischof Imad, auf den das 950. Weihejubiläum der Domkirche zurückgeht.

Das Bildnis des auferstandenen Christus Das Bildnis des auferstandenen Christus von Brody Neuenschwander auf der großen neuen Domglocke.Hermann-Josef Dregger Hintergrundinformationen:
Die große Glocke mit dem Namen „Jesus Christus – unser Friede“ hat die Königliche Glockengießerei Eijsbouts bereits am 23. November im vergangenen Jahr gegossen. Diese Firma wurde für das anspruchsvolle Projekt ausgewählt, da die neue große Domglocke besondere klangliche Eigenschaften aufweisen muss, um optimal zum vorhandenen Gussstahlgeläute zu passen. An erster Stelle ist dabei der geforderte zweite Melodieton (der so genannte Nebenschlagton) gis zu nennen. Aus diesem Grund wurde die Glocke in der Rippe (= Querschnitt, von dem die musikalischen Werte abhängig sind) einer Jahrhunderte alten ehemaligen westfälischen Glockengießerei hergestellt, die Fachleute der Königlichen Glockengießerei Eijsbouts dazu mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms angepasst haben.

Da das geforderte Gewicht der neuen Domglocke von 13.500 kg die Kapazitäten des Schmelzofens in der eigentlichen Gießerei in Asten überstieg, wurde dort die Gussform vorbereitet, diese aber dann als Schwertransport in die Gießerei van Voorden nach Zaltbommel (NL) gebracht, wo sie in Anwesenheit von Erzbischof Hans-Josef Becker und weiteren Vertretern der Bistumsleitung und des Metropolitankapitels gegossen wurde. So konnte sichergestellt werden, dass mit Blick auf die Legierung und auf ein gleichmäßiges Gefüge des Metalls kein Risiko eingegangen werden musste, welches ein Guss aus mehreren Öfen immer darstellt.

Imad-Madonna Das Bildnis der Imad-Madonna auf der kleinen neuen Domglocke.Hermann-Josef Dregger Nach der Abkühlung und Reinigung wurde die große Domglocke dann in eine Spezialfirma in Rheden bei Arnhem in den Niederlanden weitertransportiert, wo für die Stimmarbeiten eine genügend große Drehbank zur Verfügung stand. Abschließend erfolgte die vorsichtige Reinigung der Gussoberfläche durch eine Glasperlenstrahlung in einer weiteren Fachfirma in Helmond, bevor das fertige Gussstück zur Werkabnahme-Prüfung in die Glockengießerei nach Asten zurückkehrte.

Die meisten Arbeiten zur Herstellung der kleinen neuen Domglocke mit dem Namen „Maria – Trösterin der Betrübten“ konnten anders als bei der großen direkt in der Königlichen Glockengießerei Eijsbouts in Asten erfolgen. Nach der dortigen Formung fand der Guss in Anwesenheit von Dompropst Joachim Göbel und zahlreichen weiteren interessierten Besuchern aus Paderborn und dem Erzbistum am 9. Februar statt. In Asten erfolgten anschließend auch die Stimmarbeiten, bevor die kleine Domglocke, ebenso wie die große – in Helmond gereinigt und in Asten zur Prüfung vorgestellt wurde.

Die nachfolgende Tabelle fasst die wichtigsten technischen und musikalischen Daten der beiden neuen Domglocken zusammen:

  Jesus Christus - unser Friede Maria – Trösterin der Betrübten
Nr. im Gesamtgeläute 1 8
Durchmesser mm 2.677 1.100,5
Gesamthöhe mm 2.730 1.151
Schlagringstärke mm 200    85
Gewicht kg 13.520 1.008
Konstruktion sehr schwere Rippe überschwere Rippe
Unteroktave E-3 gis-1
Schlagton e-3 gis‘±0
Prime e-3 gis‘-1
kleine Terz g+2,5 h‘+5
Durterzschlagton gis-1 (his‘±0)
Quinte h-1,5 dis‘‘-1
Oktave e‘-3 gis‘‘±0
Klanganalyse Gerhard Best/Theo Halekotte, 05. März 2018;
Werte gemessen mit verstellbaren Stimmgabeln; +/- bedeuten 16tel des temperierten Halbtons über/unter Normalstimmung nach a‘=435 Hz;
die fettgedruckten Schlagtöne bezeichnen die maßgeblichen „Melodietöne“ der betreffenden Glocke im Geläute; wiedergegeben sind hier nur die jeweils sieben tiefsten Teiltöne.

Die große Domglocke Die neue große Domglocke mit dem farbigen Zukunftskreuz des Erzbistums Paderborn in der Gesamtansicht.Hermann-Josef Dregger Die große Glocke Jesus Christus – unser Friede
In der zweizeiligen Schulterinschrift (oberer Glockenrand) „spricht“ Jesus Christus durch Worte aus der Bibel (Joh 20, 19b.21.22b):
+ JESUS CHRISTUS + UNSER FRIEDE + FRIEDE SEI MIT EUCH + WIE MICH DER (zweite Zeile) VATER GESANDT HAT + SO SENDE ICH EUCH + EMPFANGT DEN HEILIGEN GEIST +

In der zweizeiligen Inschrift über dem Wolm (untere Mitte der Glocke) betet die Kirche von Paderborn – beginnend mit dem Wahlspruch des Erzbischofs (Lk 5,5) – in den Anliegen der Zeit:
+ AUF DEIN WORT HIN (Wappen des Erzbischofs) HERR + LASS UNS ALS KIRCHE VON PADERBORN + DEIN LOB SINGEN + DEINE BOTSCHAFT DER GERECHTIGKEIT UND DES FRIEDENS BEZEUGEN + DEN ARMEN UND UNTER (zweite Zeile) DRÜCKTEN BEISTEHEN + DIE SCHÖPFUNG BEWAHREN + DIE EINHEIT DEINER KIRCHE FÖRDERN + & IN DER KRAFT DEINER LIEBE ALLEN STREIT ZWISCHEN VÖLKERN & RELIGIONEN ÜBERWINDEN +

In der zweizeiligen Inschrift über der Schärfe (ganz unten) „spricht“ die Glocke selbst und erinnert an den Friedensbund zwischen Le Mans und Paderborn:
(Signatur des Künstlers Brody Neuenschwander) GEGOSSEN VON EIJSBOUTS AM 23. NOVEMBER 2017 LÄUTE ICH ZU EHREN UNSERES ERLÖSERS JESUS CHRISTUS + ERBITTE GEMEINSAM MIT MEINEN NEUN SCHWESTERN DER WELT DEN FRIEDEN & EUROPA DIE EINIGKEIT + & ERINNERE AN DIE 950. (zweite Zeile) WIEDERKEHR DES WEIHETAGES UNSERES DOMES AM 22. JULI 2018 + ALS FRANZISKUS PAPST UND BISCHOF VON ROM, HANS-JOSEF BECKER ERZBISCHOF VON PADERBORN, YVES LE SAUX BISCHOF VON LE MANS & JOACHIM GÖBEL DOMPROPST WAREN +

Auf die Vorderseite der Glockenflanke aufgegossen ist ein Relief des auferstandenen Christus, das die Motive des Weizenkorns, das zu neuem Leben erwacht (Joh 12,24), und des wiederkehrenden Christus (Kolosserbrief 1,12-20) miteinander verbindet. Die Rückseite zeigt das kolorierte Kreuz des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn und erinnert so an die aktuellen pastoralen Schwerpunkte. Als Weihekreuz über der Schärfe ist, wie bei allen neuen Glocken des Erzbistums Paderborn, in die vier Himmelsrichtungen die so genannte Kreuzfibel aus dem 8. Jahrhundert als ältestes christliches Symbol der Kirche von Paderborn aufgegossen.

Die kleine Domglocke Die kleine neue Domglocke in der Gesamtansicht.Hermann-Josef Dregger Die kleine Glocke „Maria – Trösterin der Betrübten“
Die einzeilige Schulterinschrift (oberer Glockenrand) nennt den Glockennamen und erinnert an den Auftrag Mariens bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2, 5b):
+ MARIA + TROESTERIN DER BETRÜBTEN + WAS ER EUCH SAGT + DAS TUT!

Unter diesem Textband sind die drei Marienbilder aufgegossen, die für die Marienverehrung und die Frömmigkeitsgeschichte der Stadt und des Erzbistums Paderborn von herausragender Bedeutung sind: die Imad-Madonna des Domes sowie die beiden Gnadenbilder von Werl und Verne. Auf diese Marienbilder bezieht sich das darunter verlaufende dreizeilige Fürbittgebet:
+ HERR JESUS CHRISTUS + AUF DIE FÜRSPRACHE DEINER UND UNSERER MUTTER MARIA + SCHENKE (zweite Zeile) DEN FAMILIEN FRIEDEN + DEN KRANKEN HEILUNG + ALLEN GEFLÜCHTETEN EINE NEUE HEIMAT UND (dritte Zeile) + VOLLENDE DEREINST AUCH UNSERE IRDISCHE PILGERSCHAFT IM REICH DEINES EWIGEN FRIEDENS

In der Inschrift über der Schärfe, über der sich wie bei der Christus-Friedensglocke die Weihekreuze befinden, „spricht“ die Glocke selbst und erinnert an die tiefe Verbundenheit des Erzbistums Paderborn und seiner Gläubigen mit der Gottesmutter Maria:
+ GEGOSSEN VON EIJSBOUTS AM 9. FEBRUAR 2018 + LÄUTE ICH ZU EHREN DER GOTTESMUTTER MARIA + DEREN BILDNIS BISCHOF IMAD UNSEREM DOM SCHENKTE + DER SICH (zweite Zeile) UNSER ERZBISTUM IN WERL ALS TRÖSTERIN DER BETRÜBTEN ANVERTRAUT HAT + UND DIE VON DEN GLÄUBIGEN DER STADT PADERBORN SEIT 1763 IN VERNE VEREHRT WIRD +