Besorgte Schüler fragen: „Was können wir tun?”

60. MISEREOR-Fastenaktion: Gäste aus Indien unterwegs im Erzbistum Paderborn

Bilanzierten einen guten Austausch zur MISEREOR-Fastenaktion im Erzbistum Paderborn: Ulrich Klauke, Weihbischof Mathias König, Anna Dirksmeier, Asha Devi, Bischof Niranjan Sualsingh, Angelika Joachim und Tahira Lakehsar (v.l.)pdp / Ronald PfaffPaderborn, 27. Februar 2018. „Heute schon die Welt verändert?“, lautet das Motto der diesjährigen 60. MISEREOR-Fastenaktion. Im Erzbistum Paderborn waren mit Asha Devi und Bischof Niranjan Sualsingh zwei Gäste aus dem MISEREOR-Schwerpunktland Indien zu Gast. Der Austausch über ihre Heimat, Strukturen und Projekten für Veränderung sowie Sorgen und Problemen standen im Mittelpunkt der Diskussionsrunden mit zahlreichen Schülerinnen und Schülern in Werl, Hamm, Dortmund, Paderborn und Brilon.

„Ich war begeistert vom Interesse der Schülerinnen und Schüler, die sehr aufmerksam und engagiert teilgenommen haben“, berichtete Asha Devi, die als Sozialarbeiterin in den Armenvierteln von Patna arbeitet. „Was können wir denn tun, lautete eine Frage, die mir immer wieder gestellt wurde“, fasste Asha Devi zusammen, die gemeinsam mit Ulrich Klauke (Leiter des Referats Mission – Entwicklung - Frieden im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn) unterwegs war. Ihre Antwort: Sich zu informieren, sei ein erster Schritt dahin, um Transparenz zu schaffen. Ein Einsatz als „Missionar auf Zeit“, bei anderen Freiwilligendiensten oder Unterstützung von Projekten seien weitere Möglichkeiten. So bietet MISEREOR speziell für Schülerinnen und Schüler eine Aktion an, bei der schon mit einer Spende von zwei Euro monatlich konkrete Hilfe geleistet werden kann.

Den Perspektivwechsel zu Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, zeigt ein kleiner Film auf, der viele Schülerinnen und Schüler in den Schulklassen betroffen machte und sehr emotionale Reaktionen hervorrief. „Manche hatten sogar Tränen in den Augen“, war auch Asha Devi bewegt: „Ich würde mich freuen, wenn bei uns in Indien die Reichen mal diese Betroffenheit zeigen würden.“   Einen sehr persönlichen Kontakt nahm Asha Devi in einer Hauptschule in Dortmund wahr. Durch das Schauen zahlreicher Bollywood-Filme hatten zwei Mädchen rumänischer Herkunft die Sprache gelernt und verstanden zum Großteil sogar indischen Erläuterungen von Asha Devi. „Sie haben mich sogar mit der großen, indischen Respektgeste verabschiedet, und meine Füße dabei berührt“, war der Gast aus Indien gerührt.

Nach weiteren Reise-Stationen in Deutschland wird Asha Devi wieder ihre Arbeit im Armenviertel aufnehmen. „Erst kommt nur ein Stein ins Rollen, aber er stößt viele weitere an“, ist sie zuversichtlich, dass sie am Aufbau sozialer Sicherungssysteme und Förderung von Frauenrechten einiges erreichen kann.

„Wir müssen unsere Arbeit mit den Armen verstärken; und unsere Empathie, unser Engagement für die Armen muss sichtbarer werden“, fordert der Bischof von Sambalpur, Niranjan Sualsingh, der sich für  Menschenrechte einsetzt, sich für Erziehung der Kinder, stärkere Positionen von Frauen, für Interreligiosität und harmonische Ökumene einsetzt. Interesse an der Situation in seiner Diözese sei in zahlreichen Gesprächen geweckt worden, war der Bischof zufrieden. Politiker, kirchliche Mitarbeiter und Schülerinnen und Schülern gehörten zu seinen persönlichen Kontakten auf der Besuchsreise durch das Erzbistum Paderborn. „Es gab einiges Vorwissen, doch vieles über die Verhältnisse vor Ort in Indien war auch nicht bekannt“, sagt Bischof Sualsingh. Zum Beispiel, dass Geld und Korruption bei den Wahlen in Indien eine große Rolle spiele.

„Die Schülerinnen und Schüler waren von den Lebensbedingungen auf dem Land ergriffen. Gerade die Diskriminierung von Frauen auf dem Land wurde als tragendes Thema erkannt“, so Sualsingh, der der Rolle der Kirche eine wichtige Rolle für die Zukunft in Indien zuordnet: „Es ist Zeit, dass die Kirche jegliche soziale und ethnische Trennung und Ausgrenzung abschafft.“