„Wir Schausteller sind Kinder der Kirche“

Armin Laschet erhält „Goldenes Karussellpferd“ – Vorjahrespreisträger Erzbischof Becker würdigt NRW-Ministerpräsident in Laudatio als „rheinisch-katholisch“

Preisträger des Goldenen Karussellpferdes unter sich: Erzbischof Hans-Josef Becker (l.) hielt als Preisträger des letzten Jahres die Laudatio auf den neuen Preisträger NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.Foto: pdp/Thomas Throenle Paderborn / Hamm, 16. Februar 2018. „Das ‚Goldene Karussellpferd‘ geht an …!“ – So heißt es jährlich, wenn die Arbeitsgemeinschaft der nordrhein-westfälischen Schaustellerverbände auf ihrem Jahresempfang ihre Ehrenauszeichnung an Persönlichkeiten verleiht, die sich um das Kulturgut „Volksfest“ verdient gemacht haben. In diesem Jahr nahm NRW-Ministerpräsident Armin Laschet die goldene Statue in der Maximilianhalle in Hamm entgegen. Als Vorjahrespreisträger hielt der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker beim Jahresempfang die Laudatio auf den Ministerpräsidenten.      

Die Veranstaltung bot alles, was die Arbeitsgemeinschaft der Schaustellerverbände auszeichnet. Der traditionelle Fahneneinzug zum Auftakt verlieh dem Motto der Verbände „Einigkeit macht stark“ eindrucksvollen Ausdruck. Albert Ritter, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Schaustellerverbände in NRW, betonte in seiner Begrüßung: „Wir Schausteller sind Kinder der Kirche, denn oft wird vergessen, was ‚Kirmes‘ eigentlich heißt: ‚Kirchmess‘. Seelsorge für Schausteller ist Seelsorge auf den Plätzen und Straßen. Unsere Seelsorger sind bei uns, wenn wir sie brauchen.“ Am Beginn des Empfangs stand deshalb der Segen für die Saison 2018, den Pfarrer Sascha Ellinghaus, Priester des Erzbistums Paderborn, und sein evangelischer Kollege Pfarrer Torsten Heinrich als Schaustellerseelsorger spendeten.  

Erzbischof Hans-Josef Becker würdigte Ministerpräsident Armin Laschet in seiner Laudatio als „rheinisch-katholisch“.Foto: pdp/Thomas Throenle Armin Laschet, der in Aachen geboren wurde und auch heute dort lebt, engagiere sich dafür, dass Volksfeste zum immateriellen Kulturerbe erhoben würden und setze sich gemeinsam mit seinem Kabinett dafür ein, dass die Sicherheit bei Volksfesten als hoheitliche Aufgabe angesehen werde, sagte Albert Ritter in seiner Ansprache. Er betonte, dass sich Ministerpräsident Laschet darum bemühe, Schausteller nicht mit der Absicherung der Terrorgefahr auf Volksfesten alleine zu lassen. „Wir brauchen die Hilfe der Politik für unsere Anliegen“, machte Ritter in seiner Rede deutlich.  

Erzbischof Hans-Josef Becker durfte im letzten Jahr das „Goldene Karussellpferd“ mit nach Paderborn nehmen – als Würdigung für die jahrelange gute und enge Zusammenarbeit zwischen Kirche und Schaustellern vor allem beim jährlichen Liborifest, dem Patronatsfest des Paderborner Bistumsheiligen Liborius. „Das Karussellpferd steht im Eingangsbereich des Bischofshauses. So habe ich immer wieder Gelegenheit, Besuchern zu erklären, wie es zu dieser Auszeichnung kam. Und das ehrt auch Sie!“, sagte er den Schaustellern. In diesem Jahr kam dem Paderborner Erzbischof als Vorjahrespreisträger traditionsgemäß die Aufgabe zu, die Laudatio auf seinen Nachfolger zu halten.  

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bedankte sich für die Auszeichnung mit dem Goldenen Karussellpferd.Foto: pdp/Thomas Throenle Erzbischof Becker, seines Zeichens Westfale, würdigte den Rheinländer Armin Laschet mit launigen, aber auch ernsten Worten. Er begrüßte den „Landesvater“ im Kreise der an diesem Abend „besonders eindrucksvoll sichtbaren großen ‚Schaustellerfamilie‘“. Armin Laschet als waschechtem Aachener, so Erzbischof Becker, stecke die „Liebe zum Karneval in den Genen“. Ferner liebe der Ministerpräsident auch das Aachener Reitturnier, das jedes Jahr für Begeisterung und Nervenkitzel sorge. „Die Gattungs-Parallele zwischen den sportlichen Vierbeinern in Aachen und dem Karussellpferd dürfte wohl augenscheinlich sein. Aber die zitierte Beschreibung des Aachener Reitturniers ist wohl ebenso charakteristisch für jede Kirmes und jedes Volksfest: Begeisterung, Nervenkitzel, Fröhlichkeit und Gemeinschaft“, zog Erzbischof Becker die Parallele zur Welt der Schausteller.  

Laschet bezeichne sich selber als „rheinisch-katholisch“, stellte Erzbischof Becker weiter fest. Der Kabarettist Konrad Beikircher habe gesagt, „dass es im Rheinland viele Heilige und ihre Reliquien gebe – denn dadurch könne so viel Kirmes gefeiert werden und die Menschen seien ‚einfach besser drauf‘“, zitierte Erzbischof Becker den Kabarettisten und sagte: „Wenn diese Argumentation stimmt, war es doch im Grunde nur eine Frage der Zeit, bis einem waschechten Rheinländer der ‚Kirmes-Oscar‘ verliehen wird.“   Aber auch ernste Gedanken formulierte Erzbischof Becker: Armin Laschet sei ein Mensch, dem Gemeinschaft wichtig sei: „Von Ihrem Vater, der ‚unter Tage‘ gearbeitet hat, haben Sie eine wichtige Haltung gelernt, wie Sie in Ihrer Neujahrsansprache verraten haben: ‚Unter Tage‘ zählt nicht die Frage, wer man ist, sondern einzig und allein die Frage: Kann ich mich auf dich verlassen?“. Zuverlässigkeit und Zusammenhalt seien sicherlich Tugenden, die Schaustellern vertraut seien, so Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Laudatio – Worte, für die er den Applaus der Schausteller erntete.  

Die Präsentation der Fahnen der Schaustellerverbände verlieh dem Motto der Verbände „Einigkeit macht stark“ eindrucksvoll Ausdruck.Foto: pdp/Thomas Throenle Der geehrte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet beschrieb in seinem Dankeswort, wie überwältigend es sei, den Einzug der Schaustellerverbände mit ihren Traditionsfahnen zu erleben, die Nationalhymne und auch das Kirchenlied „Lobet den Herren“ zu singen. „Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung. Und nie hätte ich damit gerechnet, einmal der Nachfolger des Erzbischofs von Paderborn zu werden“, sagte er mit einem Schmunzeln. Er habe seinen Amtssitz in Düsseldorf ins alte Landeshaus zurückverlegt, direkt gegenüber dem Gelände, auf dem die Rheinkirmes stattfinde. Dort werde das „Goldene Karussellpferd“ stehen. „Volksfeste sind ein Teil von Nordrhein-Westfalen und als solche ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Kirmes hat Zukunft, denn die Menschen wollen etwas Reales erleben – trotz aller digitalen Möglichkeiten. Und Volksfeste haben es verdient, immaterielles Kulturerbe zu werden, denn sie haben eine jahrhundertealte Tradition“, plädierte der Preisträger zum Abschluss.      

Hintergrund: Circus- und Schaustellerseelsorge  

Die Katholische Circus- und Schaustellerseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz betreut seit über sechzig Jahren Angehörige und Mitarbeiter des Schaustellergewerbes sowie aus reisenden Zirkusunternehmen und Angestellte in Freizeit- und Vergnügungsparks. Durch die Arbeitszeiten und das ständige Unterwegsseins ist eine Anbindung an Pfarrgemeinden vor Ort für die Menschen dieser Berufsgruppe unmöglich. Die „Reisende Seelsorge“ stellt sich im Mitreisen auf die Bedürfnisse dieser Christen ein und sorgt für eine kontinuierliche seelsorgliche und sakramentale Begleitung. Pfarrer Sascha Ellinghaus ist derzeit der Leiter dieses Seelsorgebereiches und wird von fünf weiteren Priestern als nebenamtlichen Regionalseelsorgern in ganz Deutschland unterstützt.