„RENDEZ-VOUS À PADERBORN“ für 3.000 Weltjugendtagspilger aus Frankreich

Erzbistum Paderborn ist Gastgeber für 3.000 Weltjugendtagspilger aus Frankreich auf ihrem Weg nach Krakau

Höhepunkt des „RENDEZ-VOUS À PADERBORN“ für die 3.000 Weltjugendtagspilger aus Frankreich und die 500 Weltjugendtagspilger aus dem Erzbistum Paderborn war das Pontifikalamt auf dem Schützenplatz, dem Erzbischof Hans-Josef Becker vorstand.pdp Paderborn, 19. Juli 2016. Wenn in der Paderborner Innenstadt, im Hohen Dom zu Paderborn, rund um das Rathaus und auf dem Paderborner Schützenplatz mit vielen hunderten jugendlichen Stimmen französisch gesprochen, gesungen und gebetet wird, dann ist dies ein besonderes Ereignis. Und es bedarf auch eines solchen einmaligen Anlasses, damit der vergoldete Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius – außer an Libori – den Paderborner Dom verlässt: Am Dienstag waren rund 3.000 junge Weltjugendtagspilger aus Frankreich für einen Tag und einen langen Abend zu Gast in Paderborn. Auf Einladung von Erzbischof Hans-Josef Becker legten sie in Paderborn auf ihrem Weg nach Krakau zum Weltjugendtag einen Zwischenstopp ein und erlebten gemeinsam mit den rund 500 Weltjugendtagfahrern aus dem Erzbistum Paderborn ein großes Begegnungsfest in der Innenstadt und feierten Eucharistie auf dem Paderborner Schützenplatz. Am späten Abend brachen die deutschen und französischen Pilger dann gemeinsam von Paderborn nach Krakau auf.      

Weil 3.000 Weltjugendtagspilger aus Frankreich zu Gast waren im Erzbistum Paderborn wurde auch der vergoldete Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius zum Schützenplatz gebracht: „Liborius hat sich selbst zu uns auf den Weg gemacht“, so Erzbischof Becker.pdp Libori, die Feier des Patronatsfestes des heiligen Liborius, dem Patron des Erzbistums und der Stadt Paderborn und des Hohen Doms, ist auch die Feier des seit jahrhunderten bestehenden „Liebesbundes ewiger Bruderschaft“ zwischen den Bistümern Paderborn und Le Mans. Mit dem Besuch der rund 3.000 Weltjugendtagspilger aus Frankreich kommt seit Dienstag zur Geschichte dieser deutsch-französischen Verbundenheit ein weiteres Kapitel hinzu. Bereits am 18. Juli waren rund 300 Weltjugendtagsfahrer aus dem Bistum Le Mans und dem Bistum Chartres in Neheim und Hüsten im Sauerland angekommen, um den Geburtsort des Paderborner Priesters Franz Stock (geboren am 21.9.1904 in Neheim, gestorben am 24.2.1948 in Paris – in Frankreich bekannt als Abbé Franz-Stock) kennenzulernen, der als ein wichtiger Wegbereiter der deutsch-französischen Freundschaft gilt. Diese französischen Pilger aus den Bistümern Le Mans und Chartres trafen sich am Dienstag in Paderborn mit den rund 3.000 französischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der Bretagne, aus Nantes, Laval, Angers und Luçon sowie mit den deutschen Weltjugendtagspilgern aus dem ganzen Erzbistum Paderborn. An der Universität Paderborn bestand für sie zunächst die Möglichkeit, sich auszuruhen und in der Mensa der Universität zusammen zu Mittag zu essen.  

Ein vielfältiges Fest der Begegnung stand am Nachmittag für die Pilger auf dem Programm, unter anderem eine Domwallfahrt.pdp Am Nachmittag gab es dann für die jungen Gäste aus Frankreich sowie die Weltjugendtagspilger aus dem Erzbistum Paderborn ein gemeinsames Begegnungsprogramm. Im Hohen Dom wurden sie zur „Domwallfahrt“ eingeladen, bei der beispielsweise auch der Libori-Schrein mit den Reliquien des Bistumspatrons zur Verehrung ausgestellt war. Mit einer Pfauenfeder konnten „Dank und Bitte“ in ein Buch eingetragen werden. Es wurde an den in Paderborn 1799 verstorbenen und im Hohen Dom begrabenen Bischof von Le Mans, Bischof Francois-Gaspard de Jouffroy-Gonsans, erinnert. Kerzen konnten entzündet werden und in der Krypta bestand die Möglichkeit zur Anbetung. Im Paderborner Dom konnten die jungen Wallfahrer auch Weihwasser schöpfen, mit dem sie sich am Abend beim Abendgebet gegenseitig segneten.  

An unterschiedlichen Stationen in Paderborn konnten die Gäste etwas über die Stadt Paderborn mit Hilfe einer GPS-Rallye in Erfahrung bringen, ebenso wurde ihnen im Erzbischöflichen Diözesanmuseum und im Forum St. Liborius auf kreative Weise der heilige Liborius und in der Kaiserpfalz Abbé Franz Stock nahe gebracht. Auf dem Vorplatz der Paderborner Marktkirche stellten verschiedene Initiativen aus der Jugendpastoral des Erzbistums Paderborn ihre Arbeit vor. Hier gab es ein vielfältiges Angebot von Jugendbildungsstätten, Ministranten, Jugendverbänden, beispielsweise Stockbrot backen, verschiedene Weihrauchsorten kennenlernen und „Gummihuhngolf“. In der Marktkirche konnten die Pilger auch an der Aktion „Nightfever“ teilnehmen. Auf einer Bühne auf dem Kardinal-Degenhardt-Platz vor der Paderborner Stadtbibliothek wurde ein buntes Unterhaltungsprogramm geboten, zu dem auch die französischen Gäste beitrugen – beispielsweise durch bretonische Mitmachtänze. Hier gab es auch Möglichkeiten zu Theater, Spiel und Spaß.  

Französische und deutsche Weltjugendtagspilger begegneten sich und lernten sich kennen – beispielsweise in der Bartholomäuskapelle.pdp Am Abend des 19. Juli kamen die deutschen und französischen Weltjugendtagspilger am Paderborner Schützenplatz zu einer Eucharistiefeier mit Erzbischof Hans-Josef Becker, den drei Paderborner Weihbischöfen Matthias König, Hubert Berenbrinker, Dr. Dominicus Meier OSB und zahlreichen weiteren Bischöfen aus Frankreich zusammen, unter ihnen Bischof Yves Le Saux (Le Mans), Bischof Thierry Scherrer (Laval), Bischof Michael Pansard (Chartres), Bischof Laurent Dognin (Quimper Léon), Erzbischof Pierre d’Ornellas (Rennes), Bischof Denis Moutel (St. Brieux), Generalvikar Jacques Gomart (Lucon), Generalvikar Alfons Hardt (Paderborn).  

Speziell für diesen feierlichen Gottesdienst wurde auch der vergoldete Libori-Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius aus dem Paderborner Dom zum Paderborner Schützenplatz gebracht. In einer festlichen Prozession wurde der Reliquienschrein durch die Reihen der jungen Pilger getragen. Der vergoldete Reliquien-Schrein mit Reliquien des heiligen Liborius, dem Patron des Erzbistums Paderborn, der Stadt Paderborn und des Hohen Doms, verlässt sonst nur zum Libori-Fest den Paderborner Dom – die bisher letzte Ausnahme war vor 20 Jahren der Besuch von Papst Johannes Paul II. in Paderborn im Jahr 1996.  

Französische und deutsche Weltjugendtagspilger und Bischöfe feierten miteinander Eucharistie und erlebten in Paderborn einen frohen und sonnigen Tag.pdp Im Gottesdienst auf dem Schützenplatz wurde auch der Opfer des Terrorismus und deren Angehöriger gedacht. „Wir feiern heute Gottesdienst im Bewusstsein, dass es auch verneinende, schlimme und fanatische Kräfte gibt. Wir gedenken der Opfer in Paris, Nizza und Würzburg. Wir feiern ein Fest des Glaubens, ohne die Leidtragenden zu vergessen“, sagte Erzbischof Becker bei der Eröffnung des Pontifikalamtes. „Als Kirche von Paderborn stehen wir an der Seite der Diözese Le Mans und auch an der Seite des ganzen französischen Volkes. Wir feiern hier und heute unseren Glauben, der uns auch durch schwere und leidvolle Zeiten geleitet.“  

Bischof Yves Le Saux (Le Mans) und Erzbischof Hans-Josef Becker (Paderborn) teilten sich im feierlichen Gottesdienst die Predigt – Bischof Le Saux predigte in französischer Sprache, Erzbischof Becker auf deutsch. Beide erinnerten an die enge Verbindung zwischen dem Erzbistum Paderborn und dem Bistum Le Mans, die im heiligen Liborius gründet, dessen Reliquien im Jahr 836 von Le Mans nach Paderborn kamen und so einen „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ entstehen ließen. „Wir erleben heute die Früchte der Freundschaft zwischen zwei Bischöfen und zwei Kirchen des 9. Jahrhunderts. Wir sind dazu aufgerufen, diese Freundschaft zu bewahren und weiterzuentwickeln. Vielleicht ist sie heute kostbarer denn je, weil es scheint, dass in Europa und in der Welt die Versuchung der Selbstsucht und des Blicks allein auf die eigenen Interessen wieder stärker werden“, sagte Bischof Le Saux. Christen seien dazu aufgerufen, den Glauben in die Welt zu tragen.

Rund 3.500 Menschen versammelten sich auf den Paderborner Schützenplatz zur gemeinsamen Eucharistiefeier.pdp Erzbischof Hans-Josef Becker machte ebenfalls den „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ zwischen dem Erzbistum Paderborn und dem Bistum Le Mans zum zentralen Inhalt seiner Predigt. Er betonte, dass gerade im Gottesdienst auf dem Schützenplatz mit den Weltjugendtagspilgern aus Frankreich und dem Erzbistum Paderborn gespürt und erlebt werden könne, wie lebendig diese Verbindung und Freundschaft sei. „Das Außergewöhnliche an diesem Abend wird dadurch unterstrichen, dass sich der heilige Liborius selbst zu uns auf den Weg gemacht hat“, sagte Erzbischof Becker und brachte so das besondere Ereignis ins Wort, dass der Schrein mit den Reliquien des Bistumspatrons aus dem Paderborner Dom zum Schützenplatz gebracht worden war. „Es ist schön, diese Freundschaft so lebendig zu spüren und damit zu sehen: Das, was im Jahr 836 seinen Anfang nahm, trägt Früchte.“ Es komme darauf an, die Frohe Botschaft weiter zu geben, so Erzbischof Becker weiter. „Eine Botschaft wirksam weitergeben kann nur, wer selbst ganz von ihr überzeugt ist. Es muss in unserem Leben als Christin und Christ darum gehen, den Kern der Frohen Botschaft immer mehr kennen zu lernen. Und dieser Kern ist keine Idee, kein Gedanke, sondern eine lebendige Person: Jesus Christus.“  

"Stockbrot backen" auf dem Vorplatz der Paderborner Marktkirche war Element des Begegnungsprogramms für französische und deutsche Weltjugendtagspilger.pdp Im feierlichen Gottesdienst wurde das Evangelium in deutscher und in französischer Sprache vorgetragen, auch die Fürbitten wurden in beiden Sprachen gesprochen. Zur Gabenbereitung wurden eine Pfauenfeder, die Flaggen Polens, Frankreichs und Deutschlands, das Buch mit „Dank und Bitte“ aus dem Paderborner Dom, eine Schale mit Weihwasser, eine Schale mit Brot und ein Kelch mit Wein zum Altar getragen, wo sie von Erzbischof Hans-Josef Becker entgegengenommen wurden. Am Ende des Gottesdienstes übergaben Diözesanjugendpfarrer Stephan Schröder und BDKJ-Diözesanseelsorger Thomas Bensmann das Weltjugendtagskreuz und die Weltjugendtagskerze an Erzbischof Hans-Josef Becker. Beide Seelsorger begleiten die Weltjugendtagspilger aus dem Erzbistum Paderborn nach Polen und nach Krakau, Kreuz und Kerze werden während der Reisetage der Wallfahrer im Hohen Dom aufgestellt. Es sei ein Zeichen der Verbundenheit und der Solidarität, wenn deutsche und französische Weltjugendtagspilger gemeinsam zum Weltjugendtag in Krakau fahren, so die beiden Jugendseelsorger des Erzbistums Paderborn. Auch die anwesenden Bischöfe aus Frankreich bedankten sich bei Erzbischof Hans-Josef Becker für die im Erzbistum Paderborn erfahrene Gastfreundschaft und Solidarität. Es sei wertvoll, als Auftakt der Reise zum Weltjugendtag eine so junge und lebendige Kirche zu erleben. Nach dem Gottesdienst wurde der vergoldete Reliquienschrein des heiligen Liborius von Schreinträgern zurück in den Paderborner Dom gebracht.  

Paderborns Bürgermeister Michael Dreier hatte die Weltjugendtagspilger aus Frankreich und dem Erzbistum Paderborn vor dem Gottesdienst auf dem Schützenplatz begrüßt. Er sei stolz und froh, so viele junge Gäste in Paderborn zu sehen. Die lebendige Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich finde so einen beeindruckenden Ausdruck und werde zugleich vertieft.  

Am Ende des Pontifikalamtes wurde der Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius wieder zurück in den Paderborner Dom getragen.pdp Nach einem Abendimbiss und einem kurzen Bühnenprogramm empfingen die Pilger einen Reisesegen: Ein deutscher und ein französischer Pilger hielten einen kurzen Rückblick auf den Tag in Paderborn und äußerten ihre Vorfreude auf die Begegnungen beim Weltjugendtag in Krakau. Im Anschluss wurde das von den Pilgern aus dem Paderborner Dom mitgenommene Wasser gesegnet und die Pilger segneten sich danach gegenseitig mit der Zusage „Du bist eine Quelle des Glaubens“. Bei der Aussetzung des Allerheiligsten herrschte es auf dem Schützenplatz eine andächtige und faszinierende Stille, die allein von Liedern unterbrochen wurde. Danach wurde der Eucharistische Segen gespendet und die Pilger ausgesandt.  

Die französischen und deutschen Weltjugendtagspilger brachen dann gemeinsam nach Polen auf, um dort zunächst die „Tage der Begegnung“ in den Diözesen und dann den Weltjugendtag in Krakau mit Papst Franziskus zu erleben.  

Auch auf dem Rückweg vom Weltjugendtag in Krakau werden 350 Franzosen einen Zwischenstopp im Erzbistum Paderborn einlegen: Am 1. August 2016 verbringen sie mehrere Stunden im Jugendhaus Hardehausen, um die gemeinsamen Erlebnisse zu reflektieren.