„Der Beichtstuhl muss keine Folterkammer sein“

Antrittsvorlesung von Prof. Kopp über die liturgische Verortung des Sakramentes der Versöhnung zum „Jahr der Barmherzigkeit“

Stellt sich bei seiner Antrittsvorlesung „förmlich der Öffentlichkeit“ vor: Professor Dr. Stefan Kopp, seit dem Wintersemester 2015 Lehrstuhlinhaber für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät Paderborn.Foto: ThF-PBPaderborn, 30. Mai 2016. (thf) Bei seiner Antrittsvorlesung hat sich Professor Dr. Stefan Kopp, neuer Lehrstuhlinhaber für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät Paderborn, am Montag, 30. Mai, für eine Wiederbelebung des Bußsakraments und eine Neuausrichtung bei seiner liturgischen Verortung ausgesprochen. Auch wenn die Orte für das Sakrament der Versöhnung letztlich sekundär seien, könne gerade im „Jahr der Barmherzigkeit“ auch der traditionelle Beichtstuhl ein wichtiger liturgischer Ort für den Empfang des Bußsakraments und die Sündenvergebung sein. „Wird er im rechten Geist genutzt, muss auch er keine Folterkammer sein, sondern kann ein Ort der Barmherzigkeit werden für alle, die in ihn eintreten“, erklärte Professor Kopp.  

Wer heute mitwirken wolle, „dass das Bußsakrament in der katholischen Kirche wieder für viele eine wirkliche Möglichkeit werden soll, wird allerdings sicher nicht eine einzelne Lösung für alle Situationen und Menschen finden“, betonte Professor Kopp bei seinem 45-minütigen Vortrag im gut besuchten Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät Paderborn. Daraus folge für die Verortung des Bußsakraments innerhalb des Raumes der Kirche, „dass verschiedene Möglichkeiten aufgegriffen, gepflegt oder auch neu entwickelt werden müssen“. Das gelte nicht nur für die Feierkultur, sondern auch für die Orte selbst.  

Für den mit 31 Jahren jüngsten Theologieprofessor Deutschlands haben ein fester Beichtstuhl und ein erkennbares Beichtzimmer nicht nur bei der liturgischen Feier selbst eine Funktion, sondern sind auch außerhalb ein deutliches Zeichen, dass Umkehr und Versöhnung zum Leben eines Christen gehören. Doch auch „temporäre Beichtgelegenheiten ohne größere ästhetische Qualität“, könnten darüber hinaus „die Antwort geben, die in einer bestimmten Lage treffend ist“, sagte Professor Kopp. So hätte Papst Franziskus jüngst auf einem einfachen Plastikstuhl gesessen, als auf dem Petersplatz junge Leute bei ihm beichteten. Für Jugendliche könne auch das Beichtgespräch auf einem gemeinsam gegangenen Weg eine Hilfe sein.  

Prof. Dr. Stefan Kopp ist mit 31 Jahren der jüngste Theologieprofessor Deutschlands.Foto: ThF-PBZu Beginn der Antrittsvorlesung, bei der sich ein neuer Lehrstuhlinhaber förmlich der Öffentlichkeit vorstellt, begrüßte der Rektor der Theologischen Fakultät Paderborn, Professor Dr. Rüdiger Althaus, seinen jungen Kollegen an der „ältesten Hochschule Westfalens“ und hieß neben den Studierenden und Mitarbeitenden der Fakultät auch die anwesenden Gäste willkommen – darunter Paderborns Erzbischof und Magnus Cancellarius der Theologischen Fakultät Hans-Josef Becker, den Heimatbischof von Professor Kopp, Bischof Dr. Alois Schwarz aus Gurk/Kärnten, sowie seinen Habilitationsvater Professor Dr. Winfried Haunerland aus München.  

In einem kurzen Grußwort begrüßte auch Bischof Alois Schwarz aus dem österreichischen Bistum Gurk die Zuhörenden im Audimax und bedankte sich für die herzliche Aufnahme von Pro-fessor Kopp als Priester seiner Diözese in Paderborn. „Deshalb bin ich hergekommen, um zu schauen, wer diese Leute sind, von denen er mir so begeistert erzählt hat“, sagte Bischof Schwarz. Professor Kopp wünsche er interessierte Studierende, und dass seine Vorlesungen hier an der Fakultät und darüber hinaus pastoralliturgische Resonanz fänden. Er hoffe, dass Professor Kopp besonders „den Priesteramtskandidaten etwas von seiner Leidenschaft für die Liturgie vermitteln kann und er uns Bischöfen, Priestern und Diakonen weiterhin hilft, in geistiger Reflexion unsere liturgische Praxis anzuschauen sowie, angeregt von Lehre und Forschung, Theologie zu treiben. Ich freue mich, dass Du hier bist und der Kirche dienst“.  

Der Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der über 400 Jahre alten Theologischen Fakultät Paderborn besteht seit 41 Jahren. Seine Ausrichtung verfolgt einen pastoralliturgischen Ansatz, der den Studierenden die Liturgie vor ihrem historischen Hintergrund als Feier der Kirche und der Gemeinde nahe zu bringen versucht. Erster Ordinarius war Professor Heinrich Rennings von 1975-1985. Nach dem Tod von Professor Michael Kunzler im Dezember 2014, der den Lehr-stuhl seit 1988 innehatte, wurde dieser mit Professor Kopp besetzt.  

Professor Dr. Stefan Kopp ist gebürtiger Österreicher und stammt aus Wolfsberg in Kärnten. Nach seinem Studium der Katholischen Theologie, Religionspädagogik und Kunstgeschichte von 2004 bis 2007 in Graz promovierte er hier 2009 zum Doktor der Theologie. Von 2007 bis 2012 war er als Religionslehrer in Wolfsberg tätig, dozierte gleichzeitig in Graz sowie in Klagenfurt Liturgik und wurde 2010 für sein Heimatbistum Gurk zum Priester geweiht. Bis zu seiner Tätigkeit als Akademischer Rat in München war er von 2010 bis 2012 Kaplan in Wolfsberg. Nach seiner Habilitation 2015 bei Professor Winfried Haunerland in München übernahm Professor Kopp zum Wintersemester 2015/2016 den Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät Paderborn.