Franz Stock: Menschlichkeit über Grenzen hinweg

Das Buch über Abbé Franz Stock von Raymond Loonbeek liegt nun auch in deutscher Sprache vor, worüber sich Erzbischof Hans-Josef Becker und Vorstandsmitglieder des Franz-Stock-Komitee freuen. V.l.n.r.: Josef Keilig, Margreth Dennemark, Erzbischof Hans-Josef Becker, Horst Leise, Luzie Leise.pdp Paderborn, 4. Mai 2015. Voller Freude und Stolz überreichten Vorstandsmitglieder des Franz-Stock-Komitee aus Neheim Erzbischof Hans-Josef Becker ein Exemplar des nun auch in deutscher Sprache vorliegenden Buches von Raymond Loonbeek über Abbé Franz Stock. Die von dem belgischen Priester 1992 veröffentlichte, umfassend recherchierte Biografie über den aus dem Erzbistum Paderborn stammenden Priester Franz Stock lag bisher nur auf Französisch vor. Dem Engagement des Franz-Stock-Komitees ist es zu verdanken, dass nun die zweite, erweiterte Auflage des wichtigen Werkes über Franz Stock auch in einer deutschen Übersetzung zugänglich ist. Erzbischof Hans-Josef Becker hatte im November 2013 den diözesanen Informativprozess zur Seligsprechung von Abbé Franz Stock abgeschlossen und die Unterlagen nach Rom gesandt. Im Vatikan wurde im Februar 2014 das Römische Verfahren zur Seligsprechung von Franz Stock aufgenommen.

Er sei dankbar, dass dieses biografische Werk über Franz Stock nun auch in deutscher Sprache zugänglich sei, sagte Erzbischof Becker im Gespräch mit den Vorstandsmitgliedern des Franz-Stock-Komitee aus Neheim. Margreth Dennemark als Stellvertretende Vorsitzende des Franz-Stock-Komitees und die Vorstandsmitglieder Luzie Leise, Horst Leise und Josef Keilig überreichten dem Paderborner Erzbischof eines der ersten Exemplare des soeben erschienenen Buches. „Die äußeren Daten des Leben von Abbé Stock weisen zwar in die Vergangenheit zurück, doch kommt seinem Wirken für Gegenwart und Zukunft Bedeutung zu“, so schrieb Erzbischof Becker in seinem im Buch abgedruckten Geleitwort.

Der in der Erzdiözese Mecheln-Brüssel wirkende belgische Priester Raymond Loonbeek (1926-2003) hatte 1992 eine erste Auflage seines Buches über Franz Stock in französischer Sprache mit dem Originaltiteltitel „Franz Stock – la fraternité universelle“ in Paris veröffentlicht. Danach hatte er bis zu seinem Tod im Jahr 2003 an einer zweiten, erweiterten und aktualisierten Auflage gearbeitet, die nach weiteren Recherchen schließlich im Jahr 2007 erschein. Diese zweite Auflage des französischen Werkes über Franz Stock wurde jetzt ins Deutsche übersetzt. Das Werk umfasst nahezu 500 Seiten und enthält über 70 zum Teil bisher unveröffentlichte Fotos aus allen Lebensabschnitten von Franz Stock sowie einen erweiterten Anhang. Neben den biographischen Grunddaten zum Leben von Franz Stock entfaltet das Buch ausführlich die geistigen und geistlichen Impulse, die Franz Stock in seinem Werden und Wirken leiteten. Dazu hat der Autor Raymond Loonbeek zahlreiche Zitate aus vielen in- und ausländischen Quellen herangezogen, die eine Würdigung der Person von Franz Stock aus unterschiedlichen Blickwinkeln darzustellen versuchen. Außerdem vermittelt das Buch grundlegende soziologische, psychologische, historische, philosophische, politische und kulturwissenschaftliche Aspekte, die dem Leser ein breites Verständnis zum Leben und Wirken von Franz Stock und darüber hinaus zu seiner Wirkung in der Gegenwart vermitteln können und besonders sein friedenstiftendes Handeln angesichts der aktuellen Konflikte in der Welt als beispielhaft erscheinen lassen.

Übersetzt wurde das französische Original von der Romanistin und Historikerin Elisabeth Steinfurt, die Mitglied im Franz-Stock-Komitee ist.

Das Buch ist im EOS-Verlag erschienen und ist zum Preis von 19.95 Euro im Buchhandel zu erwerben.

Raymond Loonbeek, Franz Stock – Menschlichkeit über Grenzen hinweg. 2015. EOS-Verlag, 488 Seiten mit Fotos und Zeichnungen, ISBN 978-3-8306-7713-0.

Hintergrund: Seligsprechungsverfahren für Abbé Franz Stock

Im November 2009 eröffnete Erzbischof Hans-Josef Becker das Seligsprechungsverfahren für den aus dem Erzbistum Paderborn stammenden Priester Abbé Franz Stock mit einem feierlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Neheim. Im damit begonnenen diözesanen Informativprozess zur Seligsprechung wurden in vier Jahren Dokumente und Aussagen zum Leben und Wirken von Franz Stock zusammengetragen. Zum Abschluss der ersten Instanz des Seligsprechungsverfahrens überreichte Erzbischof Hans-Josef Becker am 8. November 2013 die gesammelten Dokumente an den römischen Postulator des Verfahrens. Mit der Übersendung an die Vatikanische Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse wurde der „diözesane Informativprozess über das Leben, die Tugenden und den Ruf der Heiligkeit des Dieners Gottes Franz Stock“ und damit die erste Instanz des Seligsprechungsverfahrens abgeschlossen.

„Unermüdlich und unerschrocken folgte Franz Stock seiner Berufung in die Nachfolge Jesu Christi. Abbé Franz Stock hat sich als Arzt der Seelen, als ‚Seel-Sorger’ im wahrsten Sinne des Wortes, ohne Rücksicht auf seine eigenen Bedürfnisse und Kräfte buchstäblich aufgeopfert“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker schon zur Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens im November 2009. Der aus Arnsberg-Neheim stammende Priester des Erzbistums Paderborn war während des Zweiten Weltkrieges Gefangenenseelsorger im besetzten Paris und nach Kriegsende Regens des als „Stacheldrahtseminar“ bekannt gewordenen Priesterseminars in Chartres. Als mutiger und tapferer Zeuge des Evangeliums sei er zu einem lichtvollen Symbol der Hoffnung und des Trostes für Hunderte von Todgeweihten und deren Angehörigen in den dunkelsten Stunden ihres Lebens geworden, so Erzbischof Becker. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hätten immer wieder Gläubige sowohl in Frankreich als auch in Deutschland darum gebeten, dass Abbé Franz Stock selig gesprochen werde.

Abbé Franz Stock wurde im sauerländischen Neheim geboren und wirkte während des zweiten Weltkrieges als Gefangenenseelsorger in Paris. Er gilt als Wegbereiter der deutsch-französischen Aussöhnung.Hintergrund: Lebensdaten Franz Stock

Abbé Franz Stock wurde am 21. September 1904 im sauerländischen Neheim geboren. Er studierte Theologie in Paderborn und Paris. Am 12. März 1932 wurde er zum Priester geweiht. Im September 1934 übernahm Franz Stock die Stelle als Rektor der deutschen Gemeinde in Paris. Anfang 1941 begann er im besetzten Paris seine Tätigkeit als Seelsorger in den Gefängnissen der Wehrmacht. Zum Ende des Krieges wurde er amerikanischer Kriegsgefangener. 1945 übernahm er – gesundheitlich schwer angegriffen – die Aufgabe, in Chartres ein Priesterseminar zu gründen, in dem deutschsprachige Priester und Seminaristen zusammengeführt werden sollten. Das in seiner Art in der Kirchengeschichte einzigartige und als „Stacheldrahtseminar“ bekannt gewordene Seminar, das auch zum Zeichen der Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland wurde, bestand über zwei Jahre. Am 24. Februar 1948 starb Abbé Stock im Alter von 43 Jahren und wurde zunächst in Paris beerdigt. Der Päpstliche Nuntius von Frankreich, Angelo Guiseppe Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., sagte bei der Einsegnung des Verstorbenen: „Abbé Franz Stock, das ist nicht nur ein Name, das ist ein Programm“. Im Juni 1963 wurden die Gebeine von Abbé Franz Stock nach Chartres umgebettet.