Wahre Christusnachfolge

Bischof Hermann Paschasius Rettler OFM wurde am 26. Januar 1915 geboren und wäre heute 100 Jahre alt geworden. Vor seiner Heimatkirche St. Marien Merklinde erinnert eine Gedenktafel an ihn.Paderborn, 26. Januar 2015. Am 26. Januar 1915 wurde Hermann Paschasius Rettler geboren. Der aus Castrop-Rauxel stammende Franziskanermissionar und Gründungsbischof der brasilianischen Diözese Bacabal hat durch sein Wirken und sein authentisches Glaubenszeugnis zahlreiche Spuren hinterlassen. Dom Pascásio, wie er in seiner brasilianischen Wahlheimat genannt wurde, zählt zu den bedeutenden Persönlichkeiten der lateinamerikanischen Kirche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zum Gedenken an den 100. Geburtstag von Bischof Rettler findet in seiner Heimatgemeinde St. Marien Merklinde heute ein Gottesdienst und ein Vortrag zu seinem Lebenswerk statt.            

Das Bistum Bacabal wurde am 22. Juni 1968 durch Papst Paul VI. errichtet. Am 1. November 1968 übernahm der Franziskanermissionar Hermann Paschasius Rettler OFM die neu errichtete Diözese, nachdem er am 16. September 1968 in seiner Heimatgemeinde St. Marien Merklinde durch den damaligen Paderborner Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger die Bischofsweihe empfangen hatte. Sein Bischofswahlspruch lautete „IDE E ENSINAI – Gehet hin und lehret alle Völker“.

Immer wieder habe Bischof Hermann Paschasius Rettler OFM deutlich gemacht, dass Jesus unter den Armen, Kranken und Rechtlosen lebe, schreibt Heribert Rembecki OFM, der zur Zeit Hausoberer im Franziskanerkonvent in Bacabal ist und früher Generalvikar von Bischof Rettler war: „Er legte Wert darauf, dass unsere pastoralen Tätigkeiten Leben schützen und fördern sollten. Er unterstützte die Franziskanerinnen von Waldbreitenbach beim Bau einer Krankenstation, um die Armen und Notleidenden zu pflegen. Mit viel Hingabe setzte er sich für die Kinderpastoral ein, die heute noch vielen Familien hilft. Viele haben seine Entscheidung mit Bewunderung aufgenommen, sich nach seiner Abdankung als Bischof in einem Lepradorf um die Kranken zu kümmern. Man konnte Stimmen hören, die sagten: ‚Das ist wahre Nachfolge Christi!’“ So sei Bischof Hermann Paschasius Rettler OFM in den 22 Jahren seiner Zeit als Bischof der Diözese Bacabal „Verteidiger und Anwalt der Armen, insbesondere der landlosen Landarbeiter“ gewesen. Er starb am 16. September 2004.

Bischof Armando Martin Gutierrez, der derzeitige Bischof von Bacabal, schreibt in einem Brief aus Anlass des 100. Geburtstages seines Amtsvorgängers: „Sich an die Werke und Tugenden im Leben von Bischof Rettler zu erinnern, hilft uns, ihn unter uns zu verlebendigen, als Teil unserer eigenen Lebensgeschichte. Es geht um Weiterführung der Mission von Bischof Rettler, seiner pastoralen Werke und Initiativen, die er damals eingepflanzt hat, um das Wort Gottes zu verkünden und das Leben in Fülle von Jesus, unserem Erlöser, allen zu bringen, besonders aber den Ärmsten.“

Die Kirchengemeinde St. Marien Merklinde, aus der Hermann Paschasius Rettler stammte, erinnert an dessen 100. Geburtstag in besonderer Weise an ihn: Zunächst feiert Bruder Augustinus Diekmann OFM, Leiter der Franziskaner Mission mit Sitz in Dortmund, um 18 Uhr eine Gedenkmesse in der Pfarrkirche St. Marien. Anschließend lädt die Kolpingfamilie St. Marien Merklinde zu einem Vortrag und zu gemeinsamer Begegnung ins Pfarrheim ein. Unter dem Thema „Ein moderner Franziskus – Wurzeln und Wirken von Bischof Rettler“ wird es um das Lebenswerk des Franziskanerbischofs und die Entwicklung des Bistums Bacabal bis in die heutige Zeit hinein gehen.