„Fortwährendes Bemühen um Einsicht in das Christus-Mysterium“

Theologische Fakultät Paderborn feiert Gottesdienst und Festakt zum 400-jährigen Bestehen

Das Professorenkollegium hieß zahlreiche Ehrengäste beim 400-jährige Jubiläum der Theologischen Fakultät Paderborn willkommen (erste Reihe v.l.n.r.): Bischof Dr. Franz Josef Bode (Osnabrück), Prof. Dr. Nikolaus Risch (Präsident Universität Paderborn), Bürgermeister Michael Dreier, Apostolischer Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterović, Erzbischof Hans-Josef Becker, Karl Kardinal Lehmann (Mainz), Bischof em. Prof. Dr. Paul-Werner Scheele (Würzburg), Landrat Manfred Müller, Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl, Dr. Thomas Grünewald (Staatsekretär im NRW-Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung).Foto: pdp Paderborn, 13. Oktober 2014. Im Jahr 1614 wurde in Paderborn Bildungsgeschichte geschrieben: Fürstbischof Dietrich IV. von Westfalen gründete mit der Theologischen Fakultät Paderborn die heute älteste Universität in Westfalen. Heute beging die Hochschule mit einem offiziellen Festakt ihr 400-jähriges Bestehen: Zunächst feierte Erzbischof Hans-Josef Becker ein Pontifikalamt in der Universitäts- und Marktkirche. Im Anschluss fand ein Festakt im Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät mit zahlreichen Ehrengästen statt. Der Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehman, sprach in seinem Festvortrag über „Die Sendung der Kirche in Gegenwart und Zukunft – eine Herausforderung an die Theologie“.  

Erzbischof Hans-Josef Becker begrüßte in der Universitäts- und Marktkirche zunächst die Konzelebranten im Festgottesdienst. Hierzu zählten der Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, der Apostolische Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterović als Ständiger Vertreter des Heiligen Stuhls in Deutschland, der Bischof von Osnabrück, Bischof Franz Josef Bode, der emeritierte Bischof des Bistums Würzburg, Bischof em. Professor Dr. Paul-Werner Scheele, Professor Dr. Josef Meyer zu Schlochtern als Rektor der Theologischen Fakultät Paderborn und Professor Dr. Michael Kunzler. Musikalisch gestaltet wurde das Pontifikalamt von der Choralschola des Domchores unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning sowie von Professor Dr. Paul Thissen an der Orgel.

Erzbischof Hans-Josef Becker feierte zum 400-jährigen Jubiläum der Theologischen Fakultät in der Universitäts- und Marktkirche ein festliches Pontifikalamt. Foto: pdp Der Apostolische Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterović verlas zu Beginn des Pontifikalamtes ein Schreiben aus dem Vatikan, in dem Papst Franziskus seine Segenswünsche zum 400-jährigen Jubiläum der Theologischen Fakultät übermittelte: Das „Studium hat Generationen von Seelsorgern geholfen, den Menschen den Schatz des Evangeliums zu erschließen und ihnen immer neu das Licht des Glaubens zu entzünden. Möge die Theologische Fakultät Paderborn mit ihrem bewährten Studienprogramm auch in der Zukunft viele reichhaltige Früchte für die Kirche wie auch für die Gesellschaft erbringen!“, hieß es in dem Schreiben, in dem Papst Franziskus den Apostolischen Segen erteilte.

In seiner Predigt verdeutlichte Erzbischof Hans-Josef Becker, der Magnus Cancellarius der Theologischen Fakultät Paderborn ist, seine Beobachtung, dass oft Wünsche an die Kirche formuliert würden, ohne dabei jedoch eine wesentliche Frage zu stellen: „Und der Herr der Kirche? Und seine Wünsche an uns? Es scheint mir eines unserer gegenwärtig drängenden Probleme zu sein, dass wir Jesus Christus, das Haupt, aus den Augen zu verlieren drohen.“

Erzbischof Becker verwies auf das „Ineinander-Verwobensein von Gott und Mensch“: „Es geht um Gott! Und es ist die vornehmste Aufgabe der Kirche, die Menschen mit ihm in Berührung zu bringen“, sagte er. Der Lösungsweg für die Zukunft liege in dem Bemühen, „Gott-durchdringender“ und „Gott-verbundener“ zu werden. Im Hinblick auf das 400-jährige Jubiläum der Theologischen Fakultät schloss Erzbischof Hans-Josef Becker seine Predigt: „Das Studium der Theologie befähigt dazu, fundiert Zeugnis zu geben von der Hoffnung, die uns erfüllt. Denn es ist ja im letzten das Geheimnis Gottes, das wir zu durchdringen suchen, dem wir uns vor dem Verstand verantwortet anzunähern versuchen.“

Rektor Professor Dr. Josef Meyer zu Schlochtern hieß die zahlreichen Gäste zum Festakt im Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät willkommen. Foto: pdp Beim anschließenden Festakt im Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät blickte Rektor Professor Dr. Josef Meyer zu Schlochtern in seiner Begrüßung unter anderem auf das Leitwort des 400-jährigen Jubiläums „Glauben denken, Menschen bilden“: „Das Leitwort benennt, was von jeher Grundlage und Ziel dieser Fakultät war: Sie will ein Ort des Glaubens sein, der eine systematische Reflektion ermöglicht und der der Bildung der Menschen verpflichtet ist“, so der Rektor.

Das Gebäude und die Geschichte der Theologischen Fakultät seien zwar „alt“, doch sie würden gleichzeitig immerzu jung erhalten durch die Wissbegierde der Studierenden, sagte der Apostolische Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterović in seinem Grußwort. Jesus Christus sei stets der „wahre Lehrer“ dieser Bildungseinrichtung, aus der schon viele Priester hervorgegangen seien, wie beispielsweise Abbé Franz Stock, der durch sein Wirken in Frankreich ein wichtiger Wegbereiter der deutsch-französischen Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg geworden sei.

Dr. Thomas Grünewald, Staatssekretär des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung, nannte die Theologische Fakultät ein „auszeichnendes Merkmal für das Land Nordrhein-Westfalen“. Er dankte allen Verantwortlichen in der Geschichte der Hochschule, „die sich über 400 Jahre ihre Offenheit bewahrt und den Dialog mit anderen gesucht haben“. Der Präsident der Universität Paderborn, Professor Dr. Nikolaus Risch, lobte insbesondere die intensive und nachhaltige Kooperation zwischen Theologischer Fakultät und Universität Paderborn, die sich beispielsweise in Zweithörerschaften oder der gemeinsamen Ringvorlesung zum Thema „Wirtschaftsethik“ manifestiere.

Paderborns Bürgermeister Michael Dreier würdigte die Theologische Fakultät als „Aushängeschild unserer Paderstadt“. Die Gründung der Fakultät vor 400 Jahren sei eine enorme Bereicherung für die Stadt Paderborn gewesen, von der bis heute wichtige Zukunftssignale ausgehen würden. Dreier machte auf den Empfang aufmerksam, den die Stadt Paderborn zu Ehren der Theologischen Fakultät am 2. November 2014 im Historischen Rathaus ausrichtet und bei dem sich Erzbischof Hans-Josef Becker als Magnus Cancellarius und Rektor Prof. Dr. Josef Meyer zu Schlochtern ins Goldene Buch der Stadt Paderborn eintragen werden.

Karl Kardinal Lehmann sprach in seiner Festansprache über die „Sendung der Kirche in Gegenwart und Zukunft – eine Herausforderung an die Theologie“. Foto: pdp Der Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, widmete sich in seiner Festansprache der „Sendung der Kirche in Gegenwart und Zukunft – eine Herausforderung an die Theologie“. Jesus Christus habe sein Leben „für alle“ hingegeben und dadurch die ganze Menschheit zum Horizont seines Lebens und Sterbens gemacht. Wesensaufgabe der Kirche sei es daher, den umfassenden Heilswillen Gottes in Jesus Christus konkret aller Welt zu verkünden und selbst weltbezogen zu sein. Dafür sei ein „Glaubensdenken“ nötig, so Kardinal Lehmann: „’Theologie’ bedeutet, dass es sich um ein Denken handelt, das der Wirklichkeit und der Selbstkundgabe Gottes gerecht werden will. Darum ist Theologie ‚denkender Glaube’.“

Die Offenbarung des Wortes Gottes rege untrennbar vom konkreten Glauben zugleich zuinnerst das Denken an und provoziere die Reflexion des Menschen“, führte der Bischof von Mainz weiter aus: „’Glaubensdenken’ entfaltet sich als lebendige Auseinandersetzung mit der geschichtlichen Welt und ihren Nöten: Die Botschaft des Glaubens muss radikal und unerbittlich mit dem konkreten Welt- und Daseinsverständnis des Menschen konfrontiert werden. Die Theologie muss den Glauben immer wieder für die jeweilige Gegenwart dialogfähig machen. Sie möchte beim Bau der Kirche in Gegenwart und Zukunft wegweisend mithelfen.“

Die Theologie müsse die Frage nach dem Ganzen und dem Sinn von Welt und Geschichte offen halten und so auch die Spur für einen Zugang zu Gott freihalten, so Kardinal Lehmann weiter. „Theologie und Lehramt werden eines Tages nicht daran gemessen, wie viel Konfliktpotenzial sie in dieser Zeit angehäuft haben, sondern ob sie gemeinsam dem Schwund von Religion und Glaube in unseren Gesellschaften wirksam und überzeugend begegnet sind und den Menschen eine neue Bewährung des Glaubens angesichts unserer heutigen Lebensprobleme geschenkt haben“, sagte Kardinal Lehmann zum Abschluss seiner Festansprache.

Der Apostolische Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterović verlas ein Schreiben des Heiligen Stuhls, in dem Papst Franziskus seine Segenswünsche zum 400-jährigen Jubiläum der Theologischen Fakultät übermittelte.Foto: pdp Als Magnus Cancellarius der Theologischen Fakultät betonte Erzbischof Hans-Josef Becker anschließend die bedeutsame Rolle der Theologischen Fakultät: „Über vier Jahrhunderte hat diese Hochschule zur Bildung in der Region des Hochstifts, zur geistigen und geistlichen Formung der Priester unserer Ortskirche und zur Überlieferung des christlichen Glaubens beigetragen“, so Erzbischof Becker. Die Geschichte der Academia Theodoriana, so der lateinische Name der Theologischen Fakultät Paderborn, sei damit das fortwährende Bemühen um Verstehen, um Einsicht in das Christus-Mysterium als Grundbotschaft der Kirche. Der Paderborner Oberhirte wünschte der Theologischen Fakultät Gottes Segen für ihre künftige Entwicklung, „ergänzt um die Hoffnung, dass sie in Lehre und Forschung sich auch jenen Fragen widmet, die sich das Erzbistum Paderborn im Rahmen des diözesanen Prozesses der ‚Perspektive 2014’ hinsichtlich der eigenen Zukunft stellt.“

Der Festakt wurde musikalisch von der Sopranistin Ina Siedlaczek, dem Bassisten Thilo Dahlmann und Domkapellmeister Thomas Berning an der Orgel begleitet.

Videobeitrag zum Festakt

Videodokumentation der Festrede von Karl Kardinal Lehmann