„Man kommt nicht an ihm vorbei“

Der GEBETOMAT wird für einen Monat am Ludwig-Erhard-Berufskolleg stehen. V.l.n.r.: Benedikt Bohn (Leiter Abteilung Schulpastoral in der Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat), Schulleiter Rainer Naewe, Künstler Oliver Sturm, Benedikt Klaucke, stellvertretender Schulleiter Alfons Bölte und Lehrerin Lydia Korbmacher.Foto: pdp Paderborn, 1. September 2014. Er ist knapp zwei Meter hoch, rund einen Meter breit und wiegt stattliche 220 Kilogramm. Er stand beispielsweise schon auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin, in Salzburg und an der University of Manchester: der GEBETOMAT, ein Automat, in dem der Besucher an öffentlichen Orten quasi „auf Knopfdruck“ Gebete abrufen kann. Seit heute steht er auch in Paderborn, und zwar im Ludwig-Erhard-Berufskolleg: Die Schule hat den GEBETOMAT für einen Monat ausgeliehen. Auch weitere Schulen im Erzbistum Paderborn haben ihn bereits vorbestellt, um ihn als Element der Schulpastoral zu nutzen.  

Geschaffen wurde der GEBETOMAT vom Berliner Künstler Oliver Sturm. Der GEBETOMAT ähnelt einem Passbild-Automaten und stellt mit seinen 0,8 Quadratmetern die kleinste Form eines spirituellen Raums dar. Er ist konzipiert für öffentliche Räume wie etwa Bahnhöfe, Flughäfen, Raststätten und andere belebte Plätze und bietet Passanten an diesen schnelllebigen Orten eine Gelegenheit zur inneren Einkehr.

Der GEBETOMAT kann seit September von interessierten Schulen im Erzbistum Paderborn ausgeliehen werden. Das hat jetzt auch das Ludwig-Erhard-Berufskolleg getan: In der Pausenhalle steht der GEBETOMAT zwar am Rande, aber doch deutlich sichtbar in einem Bereich, in dem wichtige Aushänge regelmäßig viele Schüler anziehen. „Man kommt nicht an ihm vorbei, ohne ihn wahrzunehmen“, sagt Lydia Korbmacher, Lehrerin für Religion und Wirtschaft am Berufskolleg, die das Projekt begleitet. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler probierten den GEBETOMAT bei seiner Ankunft im Ludwig-Erhard-Berufskolleg neugierig aus.

Viele Schülerinnen und Schüler probierten den GEBETOMAT gleich aus.Foto: pdp Wie funktioniert der Automat? Sobald der Besucher die Kabine betreten und den Vorhang zugezogen hat, erscheint auf einem Touchscreen ein Menü, über das verschiedene Gebete ausgewählt werden können – eine Berührung und das gewünschte Gebet erklingt. Der Besucher hat die Möglichkeit, Gebete aus den großen Weltreligionen und zahlreichen anderen Glaubensrichtungen und religiösen Gemeinschaften auszuwählen und anzuhören. Die Auswahl reicht vom Vaterunser über gregorianische Choräle, tibetanische Mönchsgesänge, Korangebete, hebräische Kaddisch-Gebete bis hin zu Indianer-Gesängen. Alle Gebete im Archiv des GEBETOMATEN sind in realen „Bet-Situationen“ gesprochene Gebete gläubiger Menschen, die in Gottesdiensten, Andachtsräumen oder an sonstigen Glaubensorten aufgenommen wurden. Derzeit verfügt das Archiv über rund 320 Gebete in 65 Sprachen. Es steht dem Besucher frei, ob er die Kabine nur zum Zuhören oder als Rückzugsort zum eigenen Gebet nutzen möchte.

Der Ursprung für die Idee, den GEBETOMAT in der Schulpastoral im Erzbistum Paderborn zu nutzen, entstand durch ein Erlebnis, das Benedikt Klaucke, freier Mitarbeiter der Abteilung Schulpastoral in der Hauptabteilung Schule und Erziehung des Erzbischöflichen Generalvikariats Paderborn, vor einiger Zeit bei einer Ausstellungsvernissage hatte. Der 28-jährige Student der Kunst und Theologie sah in dieser Ausstellung den dort ausgestellten GEBETOMAT. Von dieser „Schnittstelle zwischen Kunst und Theologie“ fasziniert, saß er derart in die vielen Gebete versunken in der Kabine, dass er den Schluss der Vernissage verpasste. „Der GEBETOMAT bietet mit seiner großen akustischen Vielfalt des Glaubens eine schöne Möglichkeit, gerade jungen Menschen ein spirituelles Angebot zu machen, ohne jedoch Verbindlichkeiten zu fordern. Es geht vielmehr um ein ‚Einhorchen’ ins Gebet“, so Klaucke.

Dem Künstler Oliver Sturm ist bei seinem Projekt nach eigener Aussage nicht daran gelegen, die einzelnen Religionen als solche abzubilden, sondern das Beten an sich. „Mein Ansatz ist es, eine Irritation im Alltag zu schaffen, denn hier werden nicht Getränke oder Süßigkeiten aus einem Automaten bezogen, vielmehr Gebete und somit etwas sehr Innerliches.“ Am 20. September 2014 wird der Künstler den GEBETOMAT im Ludwig-Erhard-Kolleg persönlich beim ersten „Tag der Schulpastoral“ im Erzbistum Paderborn vorstellen. 

www.automatisch-beten.info

Video: Der GEBETOMAT im Ludwig-Erhard-Berufskolleg