„Gott lässt seine Kirche nicht allein“

Die Abordnung aus dem Erzbistum Paderborn pilgerte anlässlich ihres Besuchs beim Julianfest in Le Mans mit den französischen Mitgliedern der Liborius-Fraternität sowie Priestern und Diakonen der Diözese Le Mans zum Grab des heiligen Martin in der Basilika Saint Martin in Tours.Foto: Stefan Kendzorra Paderborn / Le Mans, 28. Januar 2014. Der heilige Liborius verbindet das Erzbistum Paderborn und das französische Bistum Le Mans, aus dem der Paderborner Bistumspatron stammte, in einem „Liebesbund ewiger Bruderschaft“. Im Geiste der seit vielen Jahrhunderten andauernden Freundschaft besuchen regelmäßig Gläubige aus Le Mans das Paderborner Liborifest. Ende Januar reist stets eine Delegation aus dem Erzbistum Paderborn zum Patronatsfest des heiligen Julian nach Le Mans, der im 4. Jahrhundert der erste Bischof der Diözese war. In Vertretung von Erzbischof Hans-Josef Becker leitete in diesem Jahr Weihbischof Hubert Berenbrinker die Delegation.  

In einer Lichterprozession zogen die Gläubigen zu Beginn des Juliansfestes mit der Reliquienbüste des heiligen Julian zur Kathedrale von Le Mans. Stefan Kendzorra Weihbischof Hubert Berenbrinker wurde bei seinem Besuch in Le Mans begleitet von Domvikar Ulrich Liehr, Erzbischöflicher Kaplan und Geheimsekretär von Erzbischof Becker. Traditionell reisten auch Vertreter der „Deutsch-französischen St.-Liborius-Fraternität“ mit nach Frankreich. Die Mitglieder der Fraternität sorgen seit vielen Jahren durch zahlreiche Begegnungen und Kontakte in beiden (Erz-)Diözesen für eine gelebte „Brüderlichkeit“. In diesem Jahr nahm eine Gruppe von 45 Reisenden an der Le-Mans-Fahrt teil, darunter neben den Mitgliedern der Fraternität auch Seminaristen und Subregens Andreas Kreutzmann vom Erzbischöflichen Priesterseminar, zahlreiche Gemeindeassistenten sowie einige Schüler.

Die liturgischen Feierlichkeiten zum Juliansfest begannen in Le Mans am Samstagabend mit einer deutsch-französischen Messfeier in der Kirche St. Benoît mit dem Bischof von Le Mans, Yves Les Saux, und Weihbischof Hubert Berenbrinker. Im Anschluss zogen die Gläubigen in einer Lichterprozession mit der Reliquienbüste des heiligen Julian zur Kathedrale von Le Mans.

Weihbischof Hubert Berenbrinker leitete in Vertretung von Erzbischof Hans-Josef Becker die Delegation aus dem Erzbistum Paderborn, die am Juliansfest in Le Mans teilnahm. Beim Festgottesdienst am Sonntagmorgen verlas er das Grußwort des Erzbischofs. Stefan Kendzorra Am Sonntagmorgen wurde ein Festgottesdienst in der Kathedrale gefeiert. Weihbischof Hubert Berenbrinker trug in Vertretung von Erzbischof Hans-Josef Becker dessen Grußwort vor. Er verwies auf das neue Holzkreuz, das seit Oktober 2013 im Chorraum der Kathedrale von Le Mans hängt. Besonders beeindruckend seien die geöffneten Arme des Gekreuzigten. „Sie zeigen die Einladung Christi, das Leben auf ihn auszurichten und zu ihm zu kommen mit allem, was uns bewegt und belastet. Auch ich möchte die Einladung Jesu annehmen und unsere beiden Diözesen in seine offenen Arme legen. Die derzeitigen pastoralen Umbrüche können wir nur angehen, wenn wir uns ihm immer wieder anvertrauen. Dann wird die Zuversicht wachsen, dass Gott seine Kirche nicht allein lässt“, so Weihbischof Berenbrinker.

Am Sonntagnachmittag wohnte die Delegation aus dem Erzbistum Paderborn der Grundsteinlegung zum neuen Diözesanzentrum des Bistums Le Mans bei. Ein weiterer Akzent wurde am Montag gesetzt: Die Abordnung aus dem Erzbistum Paderborn pilgerte mit den französischen Mitgliedern der Fraternität sowie Priestern und Diakonen der Diözese Le Mans zum Grab des heiligen Martin in Tours. Gemeinsam wurde dort eine Heilige Messe gefeiert, der Weihbischof Hubert Berenbrinker vorstand. „Als Heiliger und Schutzpatron des ungeteilten Frankenreiches, das unter Karl dem Großen seine größte Ausdehnung gefunden hatte, wird der heilige Martin in Frankreich und Deutschland bis heute gleichermaßen verehrt. Martin ist wie sein Freund, der heilige Liborius, ein Völker verbindender Heiliger“, so Weihbischof Berenbrinker zu Beginn der Eucharistiefeier.

Die Büste mit den Reliquien des heiligen Julian in der Kathedrale von Le Mans, dahinter das neue Holzkreuz der Bischofskirche. „Die offenen Arme des Gekreuzigten stehen für die Einladung Christi, zu ihm zu kommen mit allem, was uns bewegt und belastet“, so Weihbischof Hubert Berenbrinker. Bertrand Isnard Der Heilige Martin könne zu Recht als ein Idealbild der Barmherzigkeit angesehen werden, sagte Weihbischof Berenbrinker in Vertretung von Erzbischof Hans-Josef Becker in der Predigt. Die Botschaft des Heiligen Martin lasse sich auf die Kurzformel „Not sehen und handeln“ bringen: „Dazu braucht es offene Augen, die unsere Gesellschaft und die Menschen konkret wahrnehmen“, so der Weihbischof. Papst Franziskus habe in Kirche und Gesellschaft das Bewusstsein für Solidarität und Barmherzigkeit neu geschärft. In seinem Apostolischen Lehrschreiben Evangelii Gaudium fordere der Heilige Vater, dem Anderen mit aufmerksamer Zuwendung zu begegnen und ihn so als eines Wesens mit sich selbst zu betrachten. „Die Augen vor der Not des Anderen nicht zu verschließen, heißt auch: Es ist letztlich Christus, den wir damit ehren“, sagte Weihbischof Berenbrinker zum Abschluss der Predigt.

Die Rückfahrt nach Deutschland führt die Reisenden über Chartres, wo wie am Grab von Abbé Franz Stock eine Heilige Messe feiern und für dessen Seligsprechung beten: Der aus dem Erzbistum Paderborn stammende Priester wirkte während der deutschen Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg als Seelsorger in Paris und gilt als einer der Wegbereiter der deutsch-französischen Aussöhnung. Das Seligsprechungsverfahren für Abbé Franz Stock war am 14. November 2009 von Erzbischof Hans-Josef Becker eröffnet und der diözesane Informativprozess zur Seligsprechung am 8. November 2013 abgeschlossen worden.  


Hintergrund: Heiliger Julian

Der heilige Julian war im 4. Jahrhundert erster Bischof der Diözese Le Mans. Nachdem seine Reliquien im Jahr 835 (ein Jahr vor der Übertragung der Liborius-Reliquien nach Paderborn) in die Kathedrale von Le Mans überführt wurden, wird er seit dem 12. Jahrhundert als deren Patron verehrt. Im Jahr 1243 gelangten Reliquien des heiligen Julian nach Paderborn, die heute im vorletzten Gelass des Reliquienretabels im Hochchor des Paderborner Domes aufbewahrt werden. Auf dem Reliquiar befindet sich eine Darstellung des Heiligen. Größere Julians-Darstellungen befinden sich im Chorgestühl und am Paradiesportal des Hohen Domes zu Paderborn.

Video zum Juliansfest 2014 von Stefan Kendzorra

Bildergalerie: Fotos von Stefan Kendzorra und Bertrand Isnard