Das Heil der Menschen als Grundlage

Apostolischer Protonotar Dompropst em. Dr. Wilhelm Hentze als Offizial verabschiedet / Abt em. Prof. Dr. Dominicus Meier OSB als neuer Offizial eingeführt

Mit einem Festakt in der Paderborner Bildungsstätte Liborianum wurde der scheidende Offizial, Apostolischer Protonotar Dr. Wilhelm Hentze, verabschiedet und sein Nachfolger Abt em. Professor Dr. Dominicus Meier OSB in sein neues Amt eingeführt (v.l.n.r.): Professor Dr. Dominicus Meier OSB, Erzbischof Hans-Josef Becker, Apostolischer Protonotar Dr. Wilhelm Hentze, Msgr. Dr. Stefan Rambacher, Offizial der Diözese Würzburg und Vorsitzender der deutschsprachigen Offizialenkonferenz.pdp Paderborn, 30. August 2013. 30 Jahre leitete Apostolischer Protonotar Dompropst em. Dr. Wilhelm Hentze als Offizial das kirchliche Gericht des Erzbistums Paderborn. Aus Anlass der Vollendung seines 75. Lebensjahres im Februar dieses Jahres hatte Dr. Hentze Erzbischof Hans-Josef Becker um Entpflichtung von seinem Amt gebeten, die zum 1. September 2013 erfolgt. Heute wurde Dr. Wilhelm Hentze mit einem Pontifikalamt im Hohen Dom zu Paderborn sowie einem Festakt in der Paderborner Bildungsstätte Liborianum feierlich verabschiedet. Gleichzeitig wurde sein Nachfolger, Abt em. Professor Dr. Dominicus Meier OSB, als neuer Offizial im Erzbistum Paderborn eingeführt.  

Der Offizial trägt als Vertreter des Erzbischofs die Verantwortung für den Bereich der kirchlichen Gerichtsbarkeit. Er leitet die Rechtssprechung im Erzbistum. Nachdem Erzbischof Becker im Februar der Bitte von Apostolischer Protonotar Dr. Wilhelm Hentze um Entpflichtung vom Amt des Offizials entsprochen hatte, berief er Abt Professor Dr. Dominicus Meier OSB, den damaligen Abt der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede, zum neuen Offizial im Erzbistum Paderborn. Professor Dr. Dominicus Meier OSB, der inzwischen als Abt emeritiert wurde, tritt sein neues Amt in Paderborn am 1. September 2013 an.

Zur Verabschiedung von Dr. Wilhelm Hentze und zur Einführung von Dr. Dominicus Meier zelebrierte Erzbischof Hans-Josef Becker ein Pontifikalamt im Hohen Dom. Der scheidende und der neue Offizial sowie Msgr. Dr. Stefan Rambacher, Offizial des Bistums Würzburg und Vorsitzender der deutschsprachigen Offizialenkonferenz, konzelebrierten. Zahlreiche Mitarbeiter des Erzbischöflichen Offizialates, des Erzbischöflichen Generalvikariates und des Paderborner Metropolitankapitels nahmen an der Heiligen Messe teil.

In seiner Predigt thematisierte Erzbischof Becker mit Bezug auf das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen das Bemühen um Wachsamkeit. Oft werde heute das Heil lediglich im Augenblick gesucht, so der Paderborner Oberhirte: „Die Haltung des Offen-Seins für eine größere Wirklichkeit, auf Gott hin, geht verloren, weil diese Wirklichkeit im Leben der Menschen kaum noch eine Rolle spielt. Somit wird auch Wertvorstellungen, die damit zusammenhängen, weniger Bedeutung beigemessen. Viele fragen sich: Was wird passieren, wenn – im Bild des Gleichnisses gesprochen – kein Öl mehr da ist, wenn der Brennstoff fehlt, der die menschlichen Werte in der Gesellschaft am Leben erhält?“

Zur Verabschiedung von Dr. Wilhelm Hentze und zur Einführung von Dr. Dominicus Meier zelebrierte Erzbischof Hans-Josef Becker ein Pontifikalamt im Hohen Dom. Der scheidende und der neue Offizial sowie Msgr. Dr. Stefan Rambacher, Offizial des Bistums Würzburg und Vorsitzender der deutschsprachigen Offizialenkonferenz, konzelebrierten (v.l.n.r.): Msgr. Dr. Stefan Rambacher, Dr. Wilhelm Hentze, Erzbischof Hans-Josef Becker, Dr. Dominicus Meier OSB.pdpAuftrag der Kirche sei es, besondere „Wachsamkeit“ auf Christus hin zu richten. „Unser Auftrag, Jesus Christus den Menschen zu verkünden, kann nur dann gelingen, wenn wir ihn nicht aus unserem Blickfeld verlieren“, sagte Erzbischof Becker. Wachsamkeit betreffe auch das persönliche Leben: „Ich soll mich offen halten für das, was Gott mir sagen will in bestimmten Lebenssituationen – gerade auch dann, wenn sie mich zu überfordern scheinen. Wachsam zu sein bedeutet auch, die Augen des Herzens offen zu halten für die Menschen, denen ich begegne; wahrzunehmen, was Gott in mich hineingelegt hat an Fähigkeiten und Talenten“, schloss Erzbischof Becker seine Predigt.

Ägidius Engel, Leiter der Presse- und Informationsstelle im Erzbischöflichen Generalvikariat, führte als Moderator durch den anschließenden Festakt in der Bildungsstätte Liborianum. Er begrüßte zahlreiche Gäste, darunter viele Offiziale aus den deutschen (Erz-)Diözesen.

Als Vorsitzender der deutschsprachigen Offizialenkonferenz war Offizial Msgr. Dr. Stefan Rambacher als Festredner eingeladen. Die gesellschaftliche Lebenswirklichkeit habe sich insbesondere im Blick auf Ehe und Familie in den letzten 30 Jahren stark verändert, so Msgr. Dr. Rambacher. Es würden nicht nur weniger Ehen geschlossen, eine Scheidung werde vielmehr zunehmend selbstverständlicher im öffentlichen Bewusstsein.

Vor diesem Hintergrund seien die Fallzahlen der Ehenichtigkeitsverfahren, die an kirchlichen Gerichten in Deutschland durchgeführt würden, verhältnismäßig gering. „Der Ruf eines Kirchengerichts ist für einen Menschen entscheidend, der überlegt, sich diesem mit seiner Lebensgeschichte anzuvertrauen. Die Zahl der Menschen, die beim Kirchengericht des Erzbistums Paderborn Rat und Hilfe gesucht haben, spricht daher für dieses Offizialat“, sagte Msgr. Dr. Rambacher. So sei eine gute Beratung gerade zu Beginn eines Ehenichtigkeitsverfahrens wichtig, um unter Umständen auch davon abzuraten, wenn die Aussicht auf Erfolg gering sei.

Vor dem Hintergrund der Debatte um wiederverheiratete Geschiedene und ihre Stellung in der katholischen Kirche hätten die kirchlichen Gerichte eine hohe Verantwortung, die in der Öffentlichkeit oftmals gar nicht wahrgenommen werde, fuhr Msgr. Rambacher fort. „Ein Ehenichtigkeitsverfahren bedeutet immer Arbeit mit Menschen, die mit seelischen Wunden in sehr persönlichen Angelegenheiten pastorale Hilfe suchen“, erklärte der Offizial.

Ein Offizialat sei keine Sachbehörde, vielmehr ein Ort des kirchlichen pastoralen Vollzugs. Dafür brauche es Kompetenz in mehrfacher Hinsicht: in erster Linie eine seelsorgliche, ebenso aber auch rechtliche und vor allem kanonistische Qualifikationen. „Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, aber als Mitarbeiter der kirchlichen Gerichtsbarkeit sind wir dies den uns anvertrauten Menschen schuldig, wenn unser Urteil für sie bindend sein soll. Die Ehe ist etwas Großes, ein Geschenk Gottes und ein anspruchsvoller Auftrag“, schloss Msgr. Dr. Stefan Rambacher seine Festrede  

Erzbischof Hans-Josef Becker überreichte dem scheidenden Offizial und Kunstsammler Dr. Wilhelm Hentze eine – noch verpackte – handgeschnitzte Kopie der Imad-Madonna, deren Original zu den bedeutendsten Exponaten im Erzbischöflichen Generalvikariat zählt.pdp Die Grundsätze des Offizialates im Erzbistum Paderborn seien seit seiner Errichtung bis heute das Interesse der Diözese und das Wohl der Beteiligten gewesen, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker im Anschluss zu Beginn seines Grußwortes: „Die Sorge um das Heil der ihm anvertrauten Menschen hat das 30-jährige Wirken von Dr. Wilhelm Hentze als Offizial immer bestimmt. Hinter den vielen Zahlen und Daten seines Lebenslaufs verbirgt sich ein Mensch, der sich mit ganzer Kraft in den ihm anvertrauten Ämtern und Tätigkeiten eingesetzt hat“, würdigte der Paderborner Erzbischof den scheidenden Offizial. „So möchte ich für alles Tun und Mühen ein ehrliches Wort des Dankes aussprechen – in meinem persönlichen Namen, aber auch im Namen aller Priester und Gläubigen unseres ganzen Erzbistums.“ Als Zeichen des Dankes schenkte Erzbischof Becker dem scheidenden Offizial und leidenschaftlichen Kunstsammler Dr. Wilhelm Hentze eine Kopie der bekannten Imad-Madonna, deren Original zu den bedeutendsten Exponaten im Erzbischöflichen Diözesanmuseum zählt.

Mit der Einführung von Abt em. Prof. Dominicus Meier OSB schließe sich ein Kreis, so Erzbischof Becker weiter. Als Abt habe er den Satz „Per Christum congregamur – Durch Christus werden wir zur Einheit geführt“ als Leitwort gewählt. „Christus ist es, der die Menschen zur Gemeinschaft zusammenführt. Er lässt sie nicht allein, sondern begleitet sie mit seiner Gegenwart, die Liebe schenkt. Nichts anderes meint es, wenn wir sagen, dass Gott unser Heil will. So vertraue ich Abt Dominicus frohen Herzens das Amt des Offizials an – in der festen Überzeugung, dass auch er das Heil der Menschen als Grundlage für diese Aufgabe im Blick hat“, sagte Erzbischof Becker zum Abschluss seines Grußworts.

Apostolischer Protonotar Dr. Wilhelm Hentze dankte abschließend allen anwesenden Gästen: „Ich möchte allen danken, die Ihre Verbundenheit mit mir und meinem Nachfolger sowie mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausdrücken, die im Offizialat im Auftrag unseres Erzbischofs ihren Dienst tun. Keiner von uns steht über dem Recht, das wir sprechen und es geht immer um lebendige Menschen und deren Heil.“ Seinem Nachfolger Professor Dr. Dominicus Meier OSB überbrachte er herzliche Segenswünsche. Dieser versicherte in seinem Grußwort, dass er sich als Benediktinermönch in der Tradition seines Ordens „mit weitem Herzen seinem neuen Dienst stellen“ werde. „Ebenso werde ich, ebenfalls ganz benediktinisch, zunächst hinhören: Das Gute, was mein Amtsvorgänger grundgelegt hat, werde ich bewahren, und dann gemeinsam mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiter aufbauen“, so Dr. Dominicus Meier OSB.

Curriculum Vitae Apostolischer Protonotar Dompropst em. Dr. Wilhelm Hentze

Dr. Wilhelm Hentze wurde 1938 in Gütersloh geboren. Nach dem Abitur 1958 studierte er Philosophie und Theologie in Paderborn und Rom. 1964 wurde er in Rom, während des Zweiten Vatikanischen Konzils, zum Priester geweiht. Von 1965 bis 1968 war er in verschiedenen Gemeinden des Erzbistums Paderborn als Seelsorger tätig. Danach setzte er sein Studium in Rom fort und wirkte anschließend zwei Jahre als Vikar der St.-Michael-Gemeinde in Siegen. Er promovierte 1974 in Rom mit der Arbeit „Kirche und kirchliche Einheit bei Desiderius Erasmus von Rotterdam“. Erzbischof Dr. Johannes Joachim Degenhardt ernannte ihn 1974 zu seinem Kaplan und Geheimsekretär. 1979 bis 1985 leitete Dr. Hentze die Fachstelle Ökumene im Erzbischöflichen Generalvikariat. 1981 wurde er Direktor am Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn. Erzbischof Degenhardt berief Dr. Hentze zum 1. Januar 1983 zu seinem Offizial. Erzbischof Hans-Josef Becker bestätigte diese Ernennung 2003 nach seiner Einführung als Erzbischof. 1996 wurde Dr. Hentze zum Domkapitular ernannt und am 13. November 1997 zum Dompropst gewählt. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1983 zum Päpstlichen Ehrenprälaten und am 27. März 1993 zum Apostolischen Protonotar. 2002 wurde er zum Wirklichen Geistlichen Rat ernannt. Zum 1. März 2013 wurde er als Dompropst emeritiert. Seine Entpflichtung als Offizial erfolgt zum 1. September 2013.  


Erzbischof Hans-Josef Becker wünschte Professor. Dr. Dominicus Meier OSB Gottes Segen für sein neues Amt als Offizial des Erzbistums Paderborn.pdp Curriculum Vitae Abt em. Prof. Dr. Dominicus Meier OSB

Abt Professor Dr. Dominicus Meier OSB wurde am 10. Juli 1959 in Finnentrop-Heggen als Michael Meier geboren. Im Jahr 1982 legte er am Klemens-Hofbauer-Kolleg in Bad Driburg sein Abitur ab. Im gleichen Jahr trat er in die Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede ein und nahm den Ordensnamen Dominicus an. Seine Studien führten ihn nach Würzburg, Münster und Salzburg, wo er im Jahr 1991 mit einer kirchenrechtlichen Arbeit zum Doktor der Theologie promovierte. Von 1989 bis 1991 war er Diözesanrichter am Erzbischöflichen Diözesangericht Salzburg. Von 1992 bis 2001 wirkte er als Ehebandverteidiger im Offizialat des Erzbistums Paderborn, seit 1994 als Promotor iustitiae (Kirchenanwalt). In den Jahren 1995 bis 1997 absolvierte er ein Aufbaustudium für Kanonisches Recht in Münster, das er mit dem Lizenziat abschloss. 1999 erfolgte die Habilitation im Fach Kirchenrecht, ebenfalls an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Seit dem Jahr 2000 ist er Ordinarius für Kirchenrecht an der Theologisch-Philosophischen Hochschule der Pallottiner in Vallendar. Die Brüder der Abtei Königsmünster wählten ihn im Jahr 2001 zu ihrem Abt. Seine Amtszeit dort ging am Pfingstfest 2013 zu Ende.  


Stichwort: Offizialat und Offizial des Erzbistums Paderborn

Das Offizialat ist Diözesangericht Erster Instanz für das Erzbistum Paderborn, darüber hinaus ist es als Metropolitangericht Berufungsinstanz für die Suffraganbistümer Erfurt, Fulda und Magdeburg. Das Erzbischöfliche Offizialat Paderborn ist als kirchliches Gericht zuständig für alle kirchlichen Streit-, Straf- und Feststellungssachen. Es ist eine eigene, weisungsunabhängige Behörde. Das Erzbischöfliche Offizialat Paderborn verhandelt auch aufgrund besonderer Bevollmächtigungen durch das Höchste Gericht der Apostolischen Signatur in Rom Gerichtsverfahren in höheren Instanzen. Der Offizial ist der vom Erzbischof eingesetzte Leiter des kirchlichen Gerichts des Erzbistums Paderborn. Der Offizial muss Priester sein, das Doktorat oder Lizentiat im Kanonischen Recht besitzen und mindestens 30 Jahre alt sein. Der vom Erzbischof eingesetzte Offizial vertritt den Erzbischof im Bereich der kirchlichen Gerichtsbarkeit. Sein Amt erlischt nicht mit Eintritt einer Sedisvakanz des Bischöflichen Stuhls, bedarf jedoch der Bestätigung durch den neuen Erzbischof.