Ein Platz zwischen Dom und lebendigen Quellen

Im Schatten des Domes und an den Quellen der Pader gelegen: Erzbischof Hans-Josef Becker und Bürgermeister Heinz Paus präsentierten gemeinsam das Straßenschild des neuen „Kardinal-Degenhardt-Platzes“.Paderborn, 25. Juli 2012. Kurz vor Beginn des Liborifestes im Jahr 2002 verstarb der damalige Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt. Bereits im Jahr 1991 verlieh ihm die Stadt Paderborn die Ehrenbürgerschaft. Zehn Jahre nach seinem Tod wird dem Vorgänger von Erzbischof Hans-Josef Becker eine weitere Würdigung zuteil: Am Mittwoch wurde der „Kardinal-Degenhardt-Platz“ rund um die Paderborner Stadtbibliothek eingeweiht. Am Vormittag wurde im Hohen Dom das zehnte Jahresgedächtnis für den verstorbenen Paderborner Erzbischof gefeiert.  

Johannes Joachim Kardinal Degenhardt, der von 1974 bis zu seinem Tod im Jahr 2002 Erzbischof von Paderborn war, ist in der Erinnerung vieler Paderborner nach wie vor präsent – seit Mittwoch ist er dies nun auch „räumlich“: Auf Vorschlag des Paderborner Heimatvereins hatte der Planungsausschuss des Stadtrates von Paderborn im Frühjahr diesen Jahres ohne Gegenstimme entschieden, den Platz unterhalb des Hohen Domes, rund um die ehemalige Domdechanei, in der sich heute die Zentrale der Stadtbibliothek befindet, nach Kardinal Degenhard zu benennen.

 Bevor der Platz am Nachmittag offiziell seinen Namen erhielt, feierte Dompropst Dr. Wilhelm Hentze am Morgen das zehnte Jahresgedächtnis für den verstorbenen Kardinal. „Der heilige Jakobus, dessen Festtag die Kirche heute begeht und dessen Statue eine der zwölf Säulen des Domes schmückt, ist wie alle Apostel Jesu ein ‚tragender Pfeiler’ der apostolischen Kirche. In der apostolischen Sendung stand auch der verstorbene Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt, für dessen apostolischen Dienst als Bischof wir dankbar sind“, so der Dompropst. Im Anschluss an den Gottesdienst folgten die Gläubigen Erzbischof Hans-Josef Becker zum Grab seines Vorgängers in die Krypta des Doms, um dort in kurzer Andacht gemeinsam zu beten.

In Anwesenheit zahlreicher Wegbegleiter von Johannes Joachim Kardinal Degenhardt enthüllten Erzbischof Hans-Josef Becker und Bürgermeister Heinz Paus eine Bronzeplatte zum Gedenken an Kardinal Degenhardt.Zur Einweihung des Platzes begrüßte Bürgermeister Heinz Paus zahlreiche Wegbegleiter Kardinal Degenhardts, allen voran Angehörige der Familie des Verstorbenen. „Es gibt die ungeschriebene Regel, einen Ehrenbürger der Stadt nach dessen Tod mit einer Straße oder einem Platz zu ehren“, erklärte Heinz Paus. „Daher war es uns allen schon lange ein ernsthaftes Anliegen, diese Ehrenpflicht gegenüber Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt einzulösen.“ Der jetzt ausgewählte Platz sei ein würdiger Ort, da er oft und gern von Bürgern und Besuchern der Stadt aufgesucht werde. Das Stadtoberhaupt lobte den verstorbenen Kardinal als „überzeugten und überzeugenden Priester und weltweiten Botschafter der Stadt Paderborn“, deren Einwohner ihn schon lange vor seiner Wahl zum Erzbischof durch seine Stationen als Präfekt des Leokonvikts, als Studentenpfarrer und als Weihbischof kennen- und schätzen lernen durften.

Erzbischof Hans-Josef Becker sprach seinen Dank aus an alle, die sich für die Ehrung des früheren Paderborner Erzbischofs eingesetzt haben: „Mein geschätzter Vorgänger im Bischofsamt hätte sicher in seiner jungenhaften Art anerkennend darüber gelächelt, dass einer der schönsten Plätze unserer Stadt jetzt seinen Namen trägt“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker. „Auch ich freue mich darüber, dass eine verdiente Gestalt der jüngsten Kirchengeschichte einen besonderen Ort im Gedächtnis der Stadt erhält.“

Die Wahl des Platzes entspreche dem Menschen Johannes Joachim Kardinal Degenhardt in zweierlei Hinsicht, so Erzbischof Becker weiter: Der Platz liege am Fuß des Hohen Doms, der den verstorbenen Kardinal fast während seines ganzen Lebens begleitet habe – von seiner Priester- und Bischofsweihe sowie seiner Einführung als Erzbischof von Paderborn über den Besuch von Papst Johannes Paul II. bis hin zum mit großem Beifall begleiteten Empfang von Erzbischof Degenhardt als neu ernanntem Kardinal. Auch der letzte Weg des Verstorbenen habe schließlich zurück in den Dom geführt, als er vor zehn Jahren in der Krypta bestattet wurde.

Dompropst Dr. Wilhelm Hentze feierte gemeinsam mit vielen Gläubigen das zehnte Jahresgedächtnis für den verstorbenen Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt.Darüber hinaus befinde sich der Platz an den Quellen der Pader. Dies besitze im Hinblick auf die Worte von Joseph Kardinal Ratzinger, dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation und heutigen Papstes Benedikt XVI., beim Requiem für Johannes Joachim Kardinal Degenhardt eine besondere Symbolik: „Paderborn bringt mit seinen 200 Quellen die Vision vom neuen, reinen Tempel zum Ausdruck. Dieser Tempel ist Jesus Christus selbst, und von ihm geht die Quelle des Lebens aus“, zitierte Erzbischof Hans-Josef Becker die damalige Predigt. Kardinal Degenhardt, so in der Predigt von Kardinal Ratzinger weiter, habe wahrhaftig von diesen Quellen gelebt.

Die Kameras der zahlreich anwesenden Pressevertreter klickten im Akkord, als Erzbischof Hans-Josef Becker schließlich gemeinsam mit Bürgermeister Heinz Paus das neue Straßenschild des „Kardinal-Degenhardt-Platzes“ sowie eine Gedenkplatte enthüllte. Auf einer Stele aus Tudorfer Stein wird die Bronzeplatte, die der Paderborner Künstler Bernd Cassau geschaffen hat, künftig auf dem „Kardinal-Degenhardt-Platz“ aufgestellt werden. Sie würdigt den Verstorbenen unter anderem für seine Verdienste um die Humanisierung der Arbeitswelt und die Ökumene.


Vita von Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt

Kardinal Degenhardt wurde am 31. Januar 1926 in Schwelm geboren. Er wuchs in Hagen auf.Dort besuchte er das Albrecht-Dürer-Gymnasium in Hagen. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft (Juli 1946) ging er wieder zur Schule und legte im Oktober 1946 seine Abiturprüfungen ab. Im Anschluss studierte er Philosophie und Theologie in Paderborn und München. Die Priesterweihe erteilte ihm am 6. August 1952 Erzbischof Lorenz Jaeger im Hohen Dom zu Paderborn. Zum Dr. theol. wurde er am 28. Januar 1964 in Würzburg bei Prof. Rudolf Schnackenburg promoviert.

Kardinal Degenhardt war zunächst fünf Jahre lang Vikar in Brackwede. Ab 1957 betreute er die Gemeinde als Pfarradministrator, ab 1958 als Pfarrverweser, bis ihn der Erzbischof am 1. Oktober 1959 zum Präfekten des Erzbischöflichen Collegium Leoninum in Paderborn ernannte. In dieser Zeit bereitete er sich auf seine Promotion vor. Ab Februar 1964 mit der Verwaltung der Stelle eines Wissenschaftlichen Assistenten an der Ruhr-Universität in Bochum beauftragt, wurde er wenige Monate später dort Wissenschaftlicher Assistent.

Am 1. Oktober 1965 berief Erzbischof Lorenz Jaeger (1941-1973) Degenhardt als Studentenpfarrer an die Pädagogische Hochschule Westfalen-Lippe/Abteilung Paderborn. Seit Februar des gleichen Jahres war er bereits Diözesanbeauftragter für das Katholische Bibelwerk. Mit der Unterteilung des großen westlichen Bereichs der Erzdiözese Paderborn in sieben Seelsorgebezirke wurde er zum Bezirksdekan des Seelsorgebezirks "Hochstift Paderborn" gewählt.

Am 18. März 1968 ernannte Papst Paul VI. Degenhardt zum Weihbischof in Paderborn. Bald nach seiner Bischofsweihe (Wahlspruch: "Surrexit Dominus vere") berief ihn Erzbischof Jaeger in den Geistlichen Rat. Im April 1968 wurde er Mitglied des Metropolitankapitels der Paderborner Domkirche. Seit 1. Oktober 1968 leitete er das Seelsorgeamt, nachdem er zuvor zum Bischöflichen Vikar für die Seelsorge ernannt worden war.

Nach dem Rücktritt von Kardinal Jaeger wählte das Kapitel am 3. Juli 1973 Weihbischof Degenhardt zum Kapitularvikar des Erzbistums. Im April 1974 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Erzbischof von Paderborn. Als das Erzbistum 1999 an seine Anfänge vor 1200 Jahren erinnert, kann Erzbischof Degenhardt auf ein 25jähriges Dienstjubiläum als Erzbischof zurückblicken. Am 28. Januar 2001 berief ihn Papst Johannes Paul II. zum Kardinal der Römischen Kirche. Kardinal Degenhardt verstarb am 25. Juli 2002 im Alter von 76 Jahren.

Porträt Kardinal Degenhardts anlässlich seines einjährigen Totengedächtnisses