Ökumenische Fortschritte

Dreitägiges Symposion „Ecclesia in Verbo"

Ökumenischer Dialog beim Symposion „Ecclesia in Verbo“ (v.l.): Prof. Dr. Wolfgang Thönissen, Bischof Munib Younan, Erzbischof Kurt Kardinal Koch, Prälat Dr. Peter Klasvogt. pdpSchwerte, 4. Juni 2011. „Ökumene beginnt immer im Dialog“, erklärte Bischof Munib Younan, Präsident des Lutherischen Weltbundes, während der Tagung „Ecclesia in Verbo – Zwischen Reform und Reformation“, die vom 1. bis 3. Juni in der Katholischen Akademie Schwerte stattfand. Diesen Dialog führten hochrangige Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche in der vom Erzbistum Paderborn getragenen Akademie aus Anlass der Lutherdekade und des Reformationsjubiläums 2017.

Beim Blick auf die bisher erreichten Fortschritte in der Ökumene wurde unter anderem auf die gegenseitige Anerkennung der Taufe, die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre von 1999 und das gemeinsame Sozialwort der Kirchen von 1997 verwiesen. Gegenstand der Tagung war auch die Spannung zwischen „Reform“ und „Reformation“ in der Kirche. So wurde vom Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen in Rom, Erzbischof Kurt Kardinal Koch, mit Blick auf das Jahr 2017 hervorgehoben, dass es einen Anlass zum gemeinsamen Gedenken gebe: Der Streit des 16. Jahrhunderts sei heute beendet. Am Beginn eines Gedenkens zum Reformationsjubiläum sollte allerdings ein gemeinsames Schuldbekenntnis stehen, denn die Reformation und die erfolgte Spaltung der Kirche seien mit Schuld auf beiden Seiten verbunden. Ein gemeinsames Dokument beider Kirchen zum Jahr 2017 werde zurzeit erarbeitet, berichtete Kardinal Koch.

Auf den in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils beschriebenen „Weg der Buße und Erneuerung“ hatte der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker zu Beginn der Akademietagung zur Ökumene hingewiesen. „Um solche Reform und nicht um eine neue Kirche ging es bekanntlich auch dem Reformator Martin Luther“, so Erzbischof Becker. Er sei dankbar, dass das Gedenken an den Beginn der Reformation ökumenisch begangen werde. Dies werde die Kirchen „wieder neu an unseren gemeinsamen Ursprung, an das Wort Gottes verweisen und daran, dass wir uns immer neu an ihm zu messen haben.“

Gespräch über gesellschaftliches und politisches Engagement aus christlichem Geist (v.l.): Dr. Wolfgang Thierse, Dr. Burkhard Neumann, Albert Henz und Erzbischof Hans-Josef Becker. pdp

Um gesellschaftliches und politisches Engagement aus christlichem Geist ging es am Sonntag in einem weiteren Teil der Tagung mit Bundestagsvizepräsident Dr. Wolfgang Thierse, Albert Henz, Vizepräsident der Evangelischen Landeskirche von Westfalen und Erzbischof Hans-Josef Becker. „Demokratie braucht Engagement aus christlichem Geist“, forderte Wolfgang Thierse die Kirchen dazu auf, sich immer wieder in der demokratischen Gesellschaft einzubringen. Das Evangelium sei „ein befreiender Einspruch gegen die Absolutsetzung des Ökonomischen“. In diesem Zusammenhang sprach sich Thierse für ein erneutes gemeinsames Sozialwort der Kirchen aus, da sich die Bedingungen seit 1997 deutlich verändert hätten. Sowohl Albert Henz als auch Erzbischof Becker schlossen sich diesem Gedanken an und befürworteten ihrerseits ein neues gemeinsames Wort zu den sozialen Herausforderungen. Im politischen und gesellschaftlichen Bereich sei es für die Kirchen entscheidend, mit einer Stimme zu sprechen, betonte Erzbischof Becker.