Ehrung für einen Brückenbauer

Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal (vorne, 6.v.r.) wurde von den Professoren der Theologischen Fakultät und Angehörigen der Paderborner Komturei des Ritterordens vom Hl. Grab zu Jerusalem empfangen. Die Laudatio im Festakt zur Verleihung der Ehrendoktorwürde hielt Avi Primor (vorne, 5.v.r.). Erzbischof Hans-Josef Becker (vorne, 6.v.l.) feierte zum Auftakt der Feierlichkeiten ein Pontifikalamt in der Marktkirche.Paderborn, 9. Mai 2011. Die Theologische Fakultät Paderborn hat am Montag in Paderborn dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, die theologische Ehrendoktorwürde verliehen. Die Fakultät würdigte damit die herausragenden Verdienste des Geistlichen um Frieden und Verständigung zwischen den Völkern und Religionen des Nahen Ostens. Die Feierlichkeiten begannen in der Marktkirche mit einem Pontifikalamt, das Erzbischof Hans-Josef Becker, Magnus Cancellarius der Theologischen Fakultät, mit vielen Gästen feierte. In seiner Begrüßung bezeichnete er die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Erzbischof Twal als „denkwürdiges Ereignis“.

Der heutige Festanlass lenke den Blick unwillkürlich auf die Stadt Jerusalem, die den drei großen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam gleichermaßen heilig sei, sagte Erzbischof Becker in seiner Predigt. In der Person des Patriarchen von Jerusalem sei man heute mit allen Katholiken, den Christen verschiedener Konfessionen sowie mit allen Menschen guten Willens anderer Glaubensüberzeugungen verbunden. „Gemeinsam ziehen wir im Geiste als Pilger zum Heiligen Berg Zion hinauf, um Jerusalem den Frieden zu erbitten: der Stadt, von der so viel für Israel, Palästina und die gesamte Region des Vorderen Orients abhängt“, sagte er.

Avi Primor, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland, hielt die Laudatio auf Erzbischof Twal.Es sei falsch, die Stadt Jerusalem auf einen Schauplatz jahrhundertealter Konflikte und Gewaltausübung zu reduzieren, fuhr der Erzbischof fort. Ebenso könne sie „auf eine lange eindrucksvolle Geschichte einer tiefen, lebendigen Verbundenheit unzähliger Menschen mit Gott verweisen“. Mit einem Zitat von Kardinal Carlo Maria Martini bezeichnete Erzbischof Becker Jerusalem als „Stadt des Gebets“, „Stadt des Dialogs“ und „Stadt der Liebe“. Zugleich sei sie „Stadt der göttlichen Offenbarung“: „Jesu Aufenthalte in Jerusalem, sein Leiden und Sterben und nicht zuletzt das Geheimnis der Auferstehung machen Jerusalem gewissermaßen zur Hauptstadt des christlichen Glaubens“.

Wer daran glaube, dass Gottes Wort in Jerusalem in einzigartiger Weise über Jahrhunderte hinweg gegenwärtig war, der gebe der Stadt in seiner Glaubensgeschichte einen besonderen Platz, so der Erzbischof zum Abschluss seiner Predigt. „Denn dort wird jener Schalom erfahrbar, den die Welt nicht geben kann, sondern den wir aus Gottes Hand empfangen“.

Die Laudatio auf den neuen Ehrendoktor der Paderborner Theologischen Fakultät hielt im anschließenden Festakt Avi Primor, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland. Im Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät beschrieb er den lateinischen Patriarchen von Jerusalem als einen Mann, dem es vor allem um die Würde der ihm anvertrauten Menschen gehe. Er fördere diese Würde, indem er sich um Schulen, Universitäten und Krankenhäuser kümmere und so die Zuversicht unter den Menschen stärke. Primor wies auch auf die Bemühungen Erzbischof Twals hin, Vorurteile zwischen Menschen und verschiedenen Glaubensrichtungen abzubauen. „Vorurteile schüren Argwohn, Argwohn schürt Angst, Angst schürt Hass“, sagte er. Diesem Mechanismus könne man entgegenwirken, indem man Beziehungen zwischen den Menschen und Gruppen stifte und so die mangelnde Kenntnis voneinander beseitige. Genau dies sei der Ansatz des Patriarchen von Jerusalem. „Man könnte kaum einen würdigeren Mann finden, um einen Ehrentitel zu verleihen“, so Primor.

Der Rektor der Theologischen Fakultät, Professor Dr. Berthold Wald (links) überreichte Erzbischof Twal die Auszeichnung.Erzbischof Fouad Twal widmete die ihm verliehene Auszeichnung „allen Menschen guten Willens, die im Nahen Osten und der internationalen Gemeinschaft alles dafür tun, um Brücken der Verständigung zu errichten“. In seinen Dankesworten beschrieb er die Voraussetzungen, die nötig seien, um solche Brücken zu bauen: „Wer Brücken zwischen zwei Ufern bauen möchte, muss zuerst die Beschaffenheit auf beiden Seiten kennen lernen, damit die Brücke nachher auch stabil ist“, sagte er. Die Mission des lateinischen Patriarchates von Jerusalem bestehe zunächst darin, im Nahen Osten Brücken zwischen dem jüdischen Volk, den Muslimen und den verschiedenen christlichen Konfessionen zu bauen, fuhr er fort. Gleichzeitig gehe es um eine weltumspannende Mission, denn Jerusalem sei die Mutterkirche des Christentums: „Hier sind alle Christen zu Hause“, stellte er fest. Der Dialog und Brückenbau dürfe sich daher nicht nur auf den lokalen Kontext beschränken.

Mit Blick auf die derzeitige politische Lage in Israel und den Palästinensergebieten sprach sich der lateinische Patriarch von Jerusalem für eine Zwei-Staaten-Lösung aus: „Wir brauchen Politiker, die für ihre Völker mutige Schritte unternehmen, damit beide Völker in Zukunft in zwei anerkannten Staaten leben.“

An dem Pontifikalamt und anschließenden Festakt nahmen neben Lehrenden und Studierenden der Theologischen Fakultät Paderborn und weiteren Gästen zahlreiche Angehörige der Paderborner Komturei des Ritterordens vom Hl. Grab zu Jerusalem teil. Die Komturei hat zu dem Patriarchen von Jerusalem engen Kontakt und fördert in Israel, Palästina und Jordanien zahlreiche Bildungsprojekte.