Zwei Paderborner Theologen mit Friedrich-Spee-Preis ausgezeichnet

von links nach rechts: Prof. Thönissen, Prof. Backhaus, Dr. Witt, Markus Kneer, Dr. Böger von links nach rechts: Prof. Thönissen, Prof. Backhaus, Dr. Witt, Markus Kneer, Dr. BögerFoto: pdp/NieserPaderborn, 2. Oktober. Der „Friedrich-Spee-Preis“ der Theologischen Fakultät Paderborn wird in diesem Jahr gleich doppelt verliehen: Dr. Thomas Witt, Pfarrer in Delbrück, und Diplomtheologe Markus Kneer, Diakon, wurden für ihre Dissertationen an der Theologischen Fakultät Paderborn ausgezeichnet. Die Arbeit von Dr. Witt mit dem Titel „Repraesentatio Sacrificii“ befasst sich mit der Theologie des Opfers in der Eucharistiefeier; Markus Kneer arbeitete in seiner Dissertation „Die dunkle Spur im Denken - Antijudaismus und Rationalität“ heraus, dass die Philosophie der Neuzeit zur judenfeindlichen Theoriebildung beigetragen hat. Der mit jeweils 2.500 Euro dotierte Preis wird bei der Akademischen Jahresfeier der Fakultät am 14. Oktober verliehen. Das gaben Professor Dr. Knut Backhaus, Rektor der Theologischen Fakultät, und Bankdirektor Dr. Richard Böger, Vorstandsvorsitzender der Bank für Kirche und Caritas, bekannt. Das Paderborner Geldinstitut hat die finanzielle Ausstattung des Preises zum dritten Mal gestiftet.

Die Untersuchung von Pfarrer Dr. Thomas Witt geht in einem ersten Schritt auf der Grundlage der Heiligen Schrift und der kirchlichen Überlieferung der Lehre über die Messe als Opfer nach und versucht, einen heute denkbaren Zugang zum Opfer zu finden. In einem zweiten Schritt wurde die liturgische Überlieferung selbst befragt. Dabei zeigte sich entgegen der vielfach in die Liturgiewissenschaft vertretenen Auffassung, dass die aus der Tradition der Kirche hervorgegangenen Gebetstexte und Riten in aller Regel eine auch heute vertretbare Opfertheologie enthalten. Auch die ökumenische Dimension dieser Fragestellung wurde berücksichtigt.

Die Studie von Markus Kneer versucht, den philosophischen Antijudaismus in seiner Eigenart nachzuzeichnen. Eine entscheidende Rolle bei jenem neuzeitlich-philosophischen Antijudaismus spielt gerade die Vernunft, die ja eigentlich nicht für die Unterdrückung, sondern für die Befreiung des Menschen steht. Die Arbeit zeigt aber, dass philosophischen Systeme eines Spinozas, Voltaires oder Hegels rationalistische Strukturen enthalten. Die autonome Vernunft kann außer sich keinen anderen Wahrheitsanspruch gelten lasen. Dem steht der Anspruch Israels, das Volk des sich offenbarenden Gottes zu sein, entgegen.

Der Friedrich-Spee-Preis der Theologischen Fakultät Paderborn war erstmals im Jahr 2000 verliehen worden. Benannt ist er nach Friedrich Spee von Langenfeld (1591-1635), der sich als Theologie gegen den Hexenwahn seiner Zeit wandte.

Info: Die Dissertation von Pfarrer Dr. Thomas Witt ist bereits im Handel erschienen: Thomas Witt, Repraesentatio Sacrificii. Das eucharistische Opfer und seine Darstellung in den Gebeten und Riten des Missale Romanum 1970, Paderborn - München - Wien 2002 (= Paderborner Theologische Studien 31).