Im Himmel und auf Erden erschalle das Lob Gottes

Erzbischof Hans-Josef Becker weihte drei neue Glocken für die Wallfahrtsbasilika in Werl im Blick auf das Wallfahrtsjubiläum 2011. Hier salbt Erzbischof Becker ein Weihekreuz einer Glocke mit heiligem Chrisam-Öl.Werl / Paderborn, 4. Juli 2010. Erzbischof Hans-Josef Becker weihte am Samstag-Abend in der Wallfahrtsbasilika in Werl drei eigens für das Wallfahrtsjubiläum im Jahr 2011 gestiftete Glocken. Die drei Jubiläumsglocken werden in der Silvesternacht das 350-jährige Jubiläum im berühmten Marienwallfahrtsort des Erzbistum Paderborn einläuten. Nach der Glockenweihe zog Erzbischof Becker in einer Lichterprozession mit einer großen Pilgerschar durch die Stadt und eröffnete das Patronatsfest „Mariä Heimsuchung“ der Wallfahrtsbasilika.

Die Werler Wallfahrtsbasilika mit dem Gnadenbild „Trösterin der Betrübten“ war zur Feier der Glockenweihe durch Erzbischof Becker voll besetzt. Die drei neuen Glocken waren vor dem Altarraum der Basilika aufgestellt. Zunächst besprengte Erzbischof Hans-Josef Becker die drei Jubiläumsglocken mit geweihtem Wasser: Durch dieses Zeichen wird Gott gebeten, die Glocken zu reinigen und für ihren heiligen Dienst in seinem Hause anzunehmen. Im Anschluss salbte der Paderborner Erzbischof die drei Glocken außen siebenmal in Kreuzesform mit heiligem Krankenöl: Für ihren Dienst sollen die Glocken von Gott heiligende Kraft empfangen. Die siebenfache Salbung erinnere auch an die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die sieben Sakramente und an die sieben Tagzeiten, zu denen das kirchliche Stundengebet erfolgt, sagte Dechant Dr. Gerhard Best, Dechant des Dekanates Hellweg und Glockensachverständiger des Erzbistums Paderborn.

Erzbischof Becker schlug die Glocken nach der Weihe an und brachte sie so erstmals zum Klingen.Erzbischof Becker betete bei der Glockenweihe: „Herr des Himmels und der Erde, dich preist deine Schöpfung. Im Himmel und auf der Erde erschallt dein Lob. Voll Vertrauen bitten wir dich: Segne diese Jubiläumsglocken, die dein Lob künden. Sie sollen die Wallfahrer begrüßen, deine Gemeinde zum Gottesdienst rufen, die Säumigen mahnen, die Mutlosen aufrichten, die Trauernden trösten, die Glücklichen erfreuen und die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg begleiten. Segne alle, zu denen der Ruf dieser Glocken dringen wird, und führe so deine Kirche von überallher zusammen in dein Reich“.

Nach dem Segensgebet wurden die Inschriften der drei neuen Glocken verlesen. Im Anschluss salbte Erzbischof Becker die vier Weihekreuze der Glocken mit dem heiligen Chrisam-Öl. Das Chrisam-Öl ist Zeichen der Zugehörigkeit und Erwählung durch Jesus Christus, den Gesalbten, und wird lediglich bei der Taufe, der Firmung und der Priesterweihe, sowie bei der Altarweihe, der Kirchweihe und der Glockenweihe gebraucht. Die vierfache Salbung erinnere an die vier Evangelisten und an die vier Himmelsrichtungen, aus denen die Gläubigen durch den Schall der Glocken herbeigerufen werden.

Nach der Chrisamsalbung schlug Erzbischof Hans-Josef Becker die drei Glocken einzeln mit einem Gummihammer an, so dass sie zum ersten Mal erklangen. Zum Abschluss der Glockenweihe inzensierte Erzbischof Becker die neuen Glocken mit Weihrauch. Danach wurde unter jede Glocke ein Weihrauchfass gestellt, so dass die Glocken ganz in Rauchwolken eingehüllt waren: Wie Weihrauch sollen auf den Ruf der Glocken hin Gebete zu Gott emporsteigen, die Glocken selbst sollen wie Gottes Stimme aus der Höhe niederschallen.

Die Wallfahrtsbasilika in Werl war zur Glockenweihe voll besetzt. Neben der Glocke Dechant Dr. Gerhard Best und Erzbischof Hans-Josef Becker.„Die Glocken verweisen mit lautem Schlag auf eine Dimension, die weit über unser Leben mit seiner oft banalen Geschäftigkeit hinausreicht. Das Geläut der Glocken ist ein unüberhörbarer Hinweis auf den größeren Horizont, der hinter unserem Leben steht und es trägt, ein tönender Hinweis, der kraftvoll klingend ruft: Mensch, erinnere dich daran, dass Gottes Gnade dein Leben trägt und umfängt“, sagte Pater Ralf Preker OFM, Guardian des Franziskanerklosters Werl und Wallfahrtsleiter in Werl, zu Beginn der Glockenweihe. Die Glocken würden in Zukunft die Pilgerinnen und Pilger, die zu zigtausenden zum Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ pilgern, begrüßen und sie zum Gotteslob ermutigen.

Zahlreiche Pilger nahmen nach der Glockenweihe an der traditionellen Lichterprozession teil. (v.l.n.r.) Dechant Dr. Gerhard Best, Erzbischof Hans-Josef Becker, Pater Ralf Preker OFM, Guardian des Franziskanerklosters Werl und Wallfahrtsleiter in Werl.An der Glockenweihe und der anschließenden Lichterprozession nahmen zahlreiche Pilger teil. Traditionell machen sich viele Fußpilgergruppen am Festtag „Mariä Heimsuchung“, der seit je her Höhepunkt des Wallfahrtsjahres in Werl ist, auf den Weg zur „Trösterin der Betrübten“. So nahmen Pilgergruppen aus Warstein, Hildesheim, Delbück, Olpe, Arpe, Lenhausen und Much an den Feierlichkeiten mit Erzbischof Becker teil. Während der Lichterprozession wurde das Werler Gnadenbild durch die Straßen der Innenstadt getragen.

Nach der Lichterprozession feierte Erzbischof Becker um Mitternacht in der Wallfahrtsbasilika die Eucharistie mit der Pilgergruppe aus Warstein. Pilger aus Warstein machen sich seit über 200 Jahren auf den Weg in den Wallfahrtsort Werl, um das Gnadenbild „Trösterin der Betrübten“ zu besuchen und dort zu beten.

Anfang September werden die neu geweihten Glocken im Nordturm der Wallfahrtsbasilika aufgehängt. In der Neujahrsnacht 2011 sollen sie das Jubiläumsjahr der Wallfahrt zur „Trösterin der Betrübten“ nach Werl einläuten.

Werl ist einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte der Bundesrepublik, nach Kevelaer und Altötting der drittgrößte. Die Werler Madonna zählt zu den schönsten Mariendarstellungen Europas. Unter Papst Pius X. wurde das Gnadenbild 1911 gekrönt. Die Krone ist ein kostbares Schmuckstück, das die Madonna lediglich zu hohen Feiertagen trägt.

Stichwort: Mariä Heimsuchung
Am Fest „Mariä Heimsuchung“ gedenkt die Kirche der Szene, die im Lukas-Evangelium berichtet wird (Lk 1,39-56): Maria macht sich nach der Verkündigung der Geburt Jesu auf den Weg, um ihre Verwandte Elisabeth zu besuchen - deshalb „Heimsuchung“. Elisabeth ist selbst schwanger (Johannes der Täufer) und begrüßt Maria mit den Worten „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“. Im Anschluss spricht Maria das berühmte Loblied, das Magnifikat. Der deutsche Regionalkalender legt fest, dass das Fest „Mariä Heimsuchung“ am 2. Juli gefeiert wird.

Stichwort: Glockenweihe
Die Glocken spielen im Leben einer Gemeinde eine wichtige Rolle. In erster Linie dienen Glocken dazu, den Beginn des Gottesdienstes anzuzeigen und die Gemeinde zusammenzurufen. Sie fordern auch zu privatem Beten auf (Angelus-Läuten). Sie erklingen an den wichtigsten Lebensstationen eines Christen: unter anderem bei Taufe, Hochzeit, Tod. Sie künden Freude und steigern die Festlichkeit, machen Not und Katastrophen bekannt. Durch die Weihe werden die Glocken feierlich für den Gottesdienst bestimmt.

Die Inschriften der neuen Jubiläumsglocken:

Glocke III (= kleinste Glocke) - (Ton d’’+7,5 / Durchmesser 731 mm / Gewicht 278 kg)
+ SEHT DOCH WIE GUT UND WIE SCHÖN IST ES + WENN SCHWESTERN UND BRÜDER / IN EINTRACHT WOHNEN + DORT SPENDET DER HERR SEGEN UND LEBEN IN EWIGKEIT + Psalm 133
+ 1661 + ZUR ERINNERUNG AN DEN BEGINN DER MARIENWALLFAHRT WERL IN ÖKUMENISCH-GESCHWISTERLICHER FEIER + 2011 + GESTIFTET VON DER RUDOLF-AUGUST OETKER STIFTUNG  

Glocke II (= mittlere Glocke) - (Ton c’’+8 / Durchmesser 801 mm / Gewicht 353 kg)
+ WOHL DEN MENSCHEN DIE KRAFT FINDEN IN DIR + WENN SIE SICH ZUR WALLFAHRT RÜSTEN / + ZIEHEN SIE DURCH DAS TROSTLOSE TAL WIRD ES FÜR SIE ZUM QUELLGRUND / + UND SIE SCHREITEN DAHIN MIT WACHSENDER KRAFT
Psalm 84
1661 + ÜBER 200 JAHRE WARSTEINER NACH WERL + ZUR ERINNERUNG AN DIE WALLFAHRER AUS WESTFALEN UND VON ÜBERALL HER + 2011 GESTIFTET VON A. CRAMER - WARSTEINER BRAUEREI +

Glocke I (= große Glocke) - (Ton b’+8, Durchmesser 888 mm, Gewicht 460 kg)
+ ICH FREUTE MICH ALS MAN MIR SAGTE: ZUM HAUS DES HERRN WOLLEN WIR PILGERN ! + / SCHON STEHEN WIR IN DEINEN TOREN JERUSALEM, DU STARKE STADT; DICHT GEBAUT UND FEST GEFÜGT ! +
Psalm 122
1661 + DEM PILGERNDEN GOTTESVOLK ZUR BLEIBENDEN ERINNERUNG AN DIE EWIGE HEIMAT + DIE WIR HIER NUR IM BILDE ERAHNEN + 2011 + GESTIFTET VON DER DR. NÜSKEN CHEMIE GMBH