Auf den Spuren von Mutter Pauline

Dortmunder Mallinckrodt-Schule pilgerte nach Paderborn

Mallinckrodt Pilgerzug der Schülerinnen und Schüler des Mallinckrodt-Gymnasiums Dortmund auf dem Weg zum Paderborner Dom.pdp Paderborn, 3. Mai 2010. Vor 25 Jahren wurde eine der bedeutendsten Personen aus der Geschichte des Erzbistums Paderborn selig gesprochen: Pauline von Mallinckrodt – Grund genug für die Schüler und Lehrer des Mallinckrodt-Gymnasiums Dortmund, auf einer Wallfahrt die Wahl-Heimat ihrer Gründerin und Namensgeberin zu besuchen.

1851 hatten Pauline und ihre Gemeinschaft der Schwestern der Christlichen Liebe in Dortmund eine Mädchenschule gegründet. Nachdem diese 1978 in die Trägerschaft des Erzbistums Paderborn übergegangen war, errichtete das Erzbistum ein neues Schulgebäude und gewährte auch Jungen den Besuch der heute staatlich anerkannten, katholischen Privatschule. Jedes Jahr am 30. April feiert die Mallinckrodt-Schule das Patronatsfest ihrer Gründerin – in diesem Jahr mit einer ganz besonderen Aktion: Mit allen Klassen, Jahrgangsstufen und dem Lehrerkollegium machte sich die gesamte Schulgemeinde auf den Weg zu einer Wallfahrt nach Paderborn, wo Mutter Pauline den Großteil ihres Lebens verbracht und auch ihre letzte Ruhestätte gefunden hat.

Eine Wallfahrt in einer solchen Größenordnung bedeutete eine echte logistische Herausforderung. 15 Busse brachten die rund 800 Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrer bis vor die Tore der Domstadt nach Schloss Neuhaus. In mehreren Pilgergruppen ging es von dort entlang der Pader durch den Paderauenpark und am Padersee vorbei bis zur Paderinsel kurz vor dem Hohen Dom. Als verbindendes Erkennungszeichen trugen alle Pilger bunte Tücher, die einen im Pfadfinder-Stil um den Hals, die anderen ganz modebewusst als Stirnband. An drei Wegstationen wurde Halt gemacht, zum gemeinsamen Beten, Singen und Innehalten. Schulleiter Christoph Weishaupt zeigte sich in diesem Zusammenhang stolz auf den nach außen gelebten Glauben seiner Schülerschaft: „Gesamtgesellschaftlich betrachtet ist es sicher nicht mehr selbstverständlich, sich öffentlich so klar zu seinem Glauben zu bekennen. Aber bei unseren Schülern merkt man auch im Alltag, dass die Treue zur katholischen Kirche in vielen Familien noch vorhanden ist.“

Mallinckrodt Schulseelsorger Pastor Tobias Ebert begüßt die Schülerinnen und Schüler im Hohen Dom zu Paderborn.pdpAuf der Paderinsel wartete bereits ein „alter Bekannter“ auf die Dortmunder Schüler: Joachim Göbel, heute Domkapitular und Leiter der Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat, war bis 2006 selber zehn Jahre lang als Schulseelsorger und Lehrer am Mallinckrodt-Gymnasium aktiv. „Ich freue mich, dass ihr euch am Tag Paulines die Mühe gemacht habt, erst zum Paderborner Dom und dann zum Grab eurer Namenspatronin zu pilgern“, begrüßte er die Gäste. Gemeinsam mit seinem Nachfolger in Dortmund, Schulseelsorger Pastor Tobias Ebert, führte er die Schüler in einer Prozession in den Hohen Dom, in den die jungen Wallfahrer zu den Klängen der Orgel einzogen. Als die Letzten schließlich den Dom betreten hatten, war das Gotteshaus bis auf den letzten Platz gefüllt. 

Bei der kurzen Feier stand die selbst gestaltete, mit den Symbolen der Schwestern der Christlichen Liebe, des Erzbistums und der Schule geschmückte Kerze für das Grab von Mutter Pauline im Zentrum. Bevor Joachim Göbel die Kerze segnete, zitierte Tobias Ebert den Vers „Ihr seid das Licht der Welt“ aus dem Matthäus-Evangelium. „Pauline war ein leuchtendes Zeichen der Güte Gottes. Und auch ihr sollt Licht in euren Alltag bringen“, rief Ebert seine Schützlinge zu tätiger Nächstenliebe auf.

Im Anschluss brachte eine Delegation von Schülern und Lehrern die gesegnete Kerze zum Mutterhaus der Schwestern der Christlichen Liebe, wo Pauline in der Gruft der Conraduskapelle ihre letzte Ruhestatt gefunden hat. Zusammen mit einem Blumengruß stellte die Abordnung die Kerze am Grab ihrer Schulgründerin auf und ehrte Mutter Pauline zum 25. Jahr ihrer Seligsprechung mit Gesang und Gebet. Mallinckrodt Die Schüler beten am Grab der seligen Mutter Pauline.pdp

Der Pilgertag endete im Hohen Dom, wo zum Dank die Heilige Messe mit Generalvikar Alfons Hardt und Domkapitular Joachim Göbel gefeiert wurde.

Der Paulinentag 2010 in Paderborn – eine gelungene Sache? Schülersprecher Julius Gilles aus der 12. Jahrgangsstufe zog ein durchweg positives Fazit: „Die Wallfahrt hat mir sehr gut gefallen. Es war ein wirklich schönes Gefühl, gemeinsam zu beten. Toll fand ich auch, dass man neue Kontakte zu Leuten knüpfen konnte, mit denen man sonst eher weniger zu tun hat.“ Sein Stellvertreter und Jahrgangsstufenkollege Florian Bienenfeld pflichtete ihm bei: „Der Tag war ein echtes Gemeinschaftserlebnis. Man hatte die Chance, auch die Lehrer einmal in einem ganz anderen Umfeld kennen zu lernen.“

Lehrerin Ulrike Zahn, die die Fahrt organisiert hat, wirkte zwar erschöpft, aber glücklich: „Die Wallfahrt war ein echter Kraftakt in der Vorbereitung, aber es haben sich unheimlich viele aus dem Kollegium eingebracht. Außerdem war die ganz besondere Atmosphäre teilweise schon morgens in der Straßenbahn auf dem Weg zu unseren Bussen spürbar. Insofern hat die Aktion unsere Gemeinschaft als Schule in jeder Hinsicht bereichert.“

Hintergrund: Pauline von Mallinckrodt

Pauline von Mallinckrodt 1817 in Minden geboren, kam Pauline von Mallinckrodt kam im Alter von 22 Jahren mit ihrer Familie nach Paderborn, wo sie auf die soziale Not aufmerksam wurde, die durch die Industrialisierung zunahm. Sie schloss sich einem Frauenverein zur „Pflege armer Kranker in ihren Häusern” an und organisierte freiwillige Nachtwachen und Armenspeisungen. 1840 eröffnete sie eine „Kleinkinder-Bewahrschule”, in die sie bald auch blinde Kinder aufnahm. Damit legte sie den Grundstein für ihr privates Blindeninstitut, das von 1847 an den Namen „Provinzial-Blindenanstalt” trug. Ihren Wunsch, in einer Ordensgemeinschaft zu leben, stellte sie zunächst zurück, da sie die blinden Kinder nicht im Stich lassen wollte. Schließlich gründete sie 1849 eine eigene Gemeinschaft, die Kongregation der Schwestern der Christlichen Liebe.
Neben der Erziehung und dem Unterricht der Blinden engagierten sich die Schwestern zunächst vor allem in der Mädchenbildung. Die Kongregation, der nach etwa 20 Jahren bereits 245 Schwestern in 32 Wirkungsbereichen angehörten, erlebte anfangs eine Blütezeit. In der Zeit des "Kulturkampfes" jedoch mussten die Schwestern jede Unterrichts- und Erziehungstätigkeit aufgeben. Die dadurch bedingte Arbeitslosigkeit der Schwestern führte zur Ausbreitung der Kongregation in Nord- und Südamerika. Einige Monate vor ihrem Tod konnte Mutter Pauline in das noch immer enteignete Mutterhaus zurückkehren, wo sie am 30. April 1881 nach kurzer Krankheit starb. Am 14. April 1985 wurde sie in Rom selig gesprochen.