Zwei neue Glocken für den Paderborner Dom

Geläute im Hohen Dom zu Paderborn soll restauriert und durch neue Glocken erweitert werden

P Domkapitular Dr. Gerhard Best informierte als Glockensachverständiger des Erzbistums Paderborn im Glockenstuhl des Paderborner Domes über die geplanten Renovierungsarbeiten und die Erweiterung des Geläutes der Bischofskirche.pdp aderborn, 18. Juli 2016. Das Geläute im Hohen Dom zu Paderborn soll ab dem Jahr 2017 denkmalgerecht restauriert werden. Derzeit besteht es aus sechs Gussstahlglocken im Hauptturm und zwei Zinnbronzeglocken im Dachreiter. Zugleich ist die Erweiterung des Domgeläutes geplant: Aus Anlass des 950-jährigen Weihejubiläums des Hohen Domes am 22. Juli 2018 sollen zwei neue Glocken gegossen und im Domturm aufgehängt werden. Ziel dieser Erweiterung sei die musikalische Optimierung des vorhandenen Geläutes durch eine neue kleine Glocke als “Klangkrone“ und eine neue große Glocke als „Klangteppich“, sagten Dompropst Monsignore Joachim Göbel und Domkapitular Dr. Gerhard Best als Glockensachverständiger im Erzbistum Paderborn am Montag bei einem Pressegespräch. Durch die Erweiterung werde eine neue Basis des Gesamtgeläutes des Domes und der Stadt Paderborn geschaffen. Die kleine Glocke wird den Ton gis‘ haben und ein Gewicht von circa 1.000 kg, die große Glocke den Ton e und ein Gewicht von circa 13.000 kg.      

Zwei neue Glocken sollen ab 2018 im Turm des Paderborner Domes hängen, so Dompropst Monsignore Joachim Göbel und Domkapitular Dr. Gerhard Best.pdp Das Geläute im Hohen Dom zu Paderborn besteht derzeit aus sechs Gussstahlglocken im Hauptturm und zwei Zinnbronzeglocken im Dachreiter. Die sechs Glocken im Hauptturm wurden im Jahr 1951 vom Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation gegossen und haben die Tonfolge fis-a-h-cis‘-e‘-fis‘ mit dem jeweiligen Gewicht von 4835 kg / circa 2800 kg / circa 2230 kg / circa 1570 kg / circa 940 kg / circa 620 kg. Die beiden Glocken im Dachreiter wurden im Jahr 1984 gegossen von der Glockengießerei Petit & Gebrüder Edelbrock (Gescher, Westfalen) und weisen die Tonfolge e‘‘-a‘‘ auf bei einem Gewicht von circa 120 kg und circa 80 kg.  

Das in der Nachkriegszeit entstandene Geläute im Paderborner Dom sei ein ganz besonderes, denn es sei das erste Europäische Domgeläute aus Gussstahlglocken, so Domkapitular Dr. Best. Es sei auch das erste Großgeläute im Erzbistum Paderborn, das vom Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation in der zum Ende der 40er Jahre entwickelten neuen Rippenkonstruktion V7e gegossen wurde. Es sei somit ein besonderes Zeugnis der Konstruktions-, Formungs-, Guss- und Klangkorrekturtechnik dieser Gießerei, so der Glockenexperte des Erzbistums Paderborn. „Die sechs Glocken bilden ein einheitliches musikalisches Denkmal ihrer Zeit. Das Domgeläute hat einen Denkmalwert.“  

Das Gestaltungsprogramm der Hauptinschriften der bereits vorhandenen Glocken sei ganz der Friedensthematik der Nachkriegszeit verpflichtet und insofern einmalig in Deutschland, führte Domkapitular Dr. Best weiter aus. „Alle Glocken tragen Inschriften, die sich auf das Thema Frieden beziehen.“ Auch die Gestaltung der aufgegossenen Heiligenbildnisse setze hohe künstlerische Maßstäbe für eine moderne Glockenzier der Nachkriegsjahrzehnte, die bis heute nachwirke. Hilde Broer aus Wattenscheid habe für die sechs Glocken des Domes erstmals durchgehend Bilder entworfen. Die gesamte, 1951 vom Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation gelieferte läutetechnische Anlage mit Glockenstuhl, Joche, Klöppel, sei weitgehend unverändert erhalten. „Somit ist es keine Frage, dass diese Glocken restauriert werden. Wir werden uns nicht von ihnen trennen und sie durch neue Glocken ersetzen. Rost muss entfernt werden, sie benötigen einen neuen Anstrich, ein Klöppel muss anders aufgehängt werden“, so der Beauftragte für das Glockenwesen im Erzbistum Paderborn.  

Das Geläute im Hohen Dom muss restauriert werden, so der Beauftragte für das Glockenwesen im Erzbistum Paderborn, Domkapitular Dr. Gerhard Best.pdp Bei der Erweiterung des Geläutes werde eine „musikalische Optimierung des Geläutes“ vorgenommen. Mit der Erweiterung durch zwei Glocken werde eine bereits 1927 im Zusammenhang des Neugusses des Domgeläutes nach den Verlusten des Ersten Weltkrieges begonnene Planung abgeschlossen, so Domkapitular Dr. Best weiter. Es sei bereits zu jener Zeit eine entsprechend große Glocke vorgesehen gewesen, doch nicht realisiert worden. Der 1951 errichtete Glockenstuhl im Domturm sei statisch für dieses Gewicht des Gesamtgeläutes (inclusive der beiden neuen Glocken) ausgelegt. Die Kosten für die beiden neuen Glocken betragen circa 200.000 Euro für die große Glocke und 22.000 Euro für die kleine Glocke. Diese Kosten ergeben sich vor allem aus dem derzeitigen Kilogramm-Preis der Glockenbronze, der mit rund 10 Euro pro Kilogramm kalkuliert werden muss. Die Finanzierung der neuen Glocken erfolgt ausschließlich aus zweckgebundenen Spenden, die für die große Glocke teilweise vorhanden sind, allerdings noch weiter aufgestockt werden müssen. Die kleine Glocke ist bereits gestiftet. „Wir sind optimistisch, dass die benötigten Mittel für die große Glocke durch zweckgebundene Spenden zusammen kommen“, so Dompropst Monsignore Joachim Göbel.  

Weitere Planungsschritte seien die Suche nach weiteren Sponsoren für die neue Glocke, im Laufe des Jahres 2017 könne danach der Neuguss ausgeschrieben und durchgeführt werden. Im gleichen Jahr werde die vorhandene Anlage denkmalgerecht restauriert. Die beiden neuen Glocken würden dann im Frühjahr 2018 im Domturm montiert, um zum ersten Mal zum Festgottesdienst am 950sten Weihetag des Hohen Domes, am 22. Juli 2018, geläutet zu werden.  

Die große Liborius-Glocke, die derzeit größte Glocke im Hohen Dom zu Paderborn, habe ein Gewicht von 4835 kg und einen Durchmesser von 2,345 m. Damit sei sie an fünfzigster Stelle unter den Glocken in Deutschland, so Domkapitular Dr. Best. Im Erzbistum Paderborn gebe es zehn Glocken, die größer seien. Die neue große Glocke werde ein Gewicht von 13.000 kg haben, einen Durchmesser von 2,70 m, die neue kleine Glocke ein Gewicht von 1.000 kg und einen Durchmesser von 1,10 m.