Heilige Patrone Europas in den neuen Fenstern im Hohen Dom zu Paderborn

Begutachteten die neuen Fenster im Hohen Dom zu Paderborn mit Darstellungen der Patrone Europas (v.l.) Erzbischof Hans-Josef Becker, Wilhelm Buschulte (nach seinen Entwürfen wurden die Fenster gefertigt) und Dompropst Dr. Wilhelm Hentze.Paderborn, 11. Oktober 2007. Mehrere Tage hat der Einbau der neuen Fenster im Westbau des Paderborner Domes in Anspruch genommen. Jetzt sind die nach Entwürfen des Künstlers Wilhelm Buschulte aus Unna-Massen in der Glasmalerei Peters gefertigten Fenster an ihrem Bestimmungsort in der Bischofskirche angekommen. Das Metropolitankapitel, Spender und Sponsoren der neuen Domfenster, die die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges eingebrachte Notverglasung ersetzen, begutachteten am Mittwoch-Abend das Bildprogramm der Fenster und ihre Wirkung im Gotteshaus.

Es sei ein guter und wertvoller Akzent, dass die Heiligen Patrone Europas jetzt in der Paderborner Kathedrale mit dem Heiligen Liborius vereint seien, sagte Dompropst Dr. Wilhelm Hentze. Nach langem Nachdenken und nach der Sichtung mehrerer Entwürfe des Künstlers Wilhelm Buschulte seien jetzt in relativ kurzer Zeit die neuen Fenster realisiert und eingesetzt worden. Die kleineren, in sich flächigeren Fensteröffnungen des Westwerkes des Hohen Doms hätten sich für eine glasmalerische Gestaltung angeboten, führte Domkustos Prof. Dr. Christoph Stiegemann aus. Hier sei eine großflächige Glasmalerei möglich gewesen, die lediglich durch zwei Windeisen gegliedert sei und die sich deutlich von den Fenstern des Langhauses absetze. Diese souveräne Gestaltung erfordere ein „gereiftes Alter“ eines Künstlers, wie es bei Wilhelm Buschulte mit seinen 84 Lebensjahren gegeben sei, so Stiegemann weiter. „Die Fenster im Westwerk werden zum Abschluss und Höhepunkt dessen, was im Hohen Dom seit dem Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges gewachsen ist.“

In sechs Fenstern des Westbaus des Paderborner Domes wurden zwei Marienfenster mit den Themen „Mariä Verkündigung“ und „Mariä Heimsuchung“ (Begegnung von Elisabeth und Maria), zwei dreiteilige Fenster mit Darstellungen der Patrone Europas, sowie zwei schlichte abschließende Fenster in unmittelbarer Nähe der Orgel eingesetzt. Im Fenster auf der Nordseite mit den Patronen Europas sind unten die hl. Edith Stein, und in einem zweiten Feld darüber die hl. Birgitta von Schweden und die hl. Katharina von Siena dargestellt. Diese sind in einem darüber liegenden Bild-Feld überhöht durch Abbreviaturen der drei Frauen am Grabe mit der Lichtgestalt des Engels über dem leeren Grab. Zur Darstellung von Edith Stein im neuen Domfenster sagte Dompropst Dr. Hentze: „Insbesondere für uns Deutsche ist diese Patronin Europas von großer Bedeutung, denn sie erinnert uns im Blick auf die Geschichte des Nazi-Terrors, dass Gewalt und Verfolgung nicht das letzte Wort haben dürfen.“ Im Fenster auf der Südseite wird unten der hl. Benedikt und in einer zweiten Reihe die heiligen Cyrill und Methodius abgebildet. Über diesen wölbt sich in einem dritten Feld ein Regenbogen mit einer Taube, eine Darstellung, die an den unauflöslichen Bund Gottes mit den Menschen nach der Sintflut erinnert.

Bei der Gestaltung der Fenster sei es ihm ein Anliegen gewesen, keine historisierenden Darstellungen von Figuren zu schaffen, vielmehr sich auf die Sachbotschaft zu konzentrieren, sagte Wilhelm Buschulte. Das Thema der Auferstehung und das durch den Regenbogen symbolisierte Thema des Bundes zwischen Gott und Mensch seien zentralen Botschaften der Fenster, die sich auch in den Patronen Europas zeigten.

Die Gestaltung der Fenster im Hohen Dom gründe in den unterschiedlichen Handschriften der Künstler und betone die verschiedenen Architekturteile der Kathedrale, sagte Wilhelm Peters von der Glasmalerei Peters, in der die neuen Fenster geschaffen wurden. Durch das einfallende Licht würden vielfältige Lichteffekte erzeugt, die „das Gotteshaus lebendig erscheinen lassen und immer wieder in einem neuen Licht zeigen“, so Peters.

Detail aus einem der neuen FensterDie neue Verglasung wird über Spenden finanziert. „Wir wollten die Spender nicht namentlich benennen. Doch getreu dem Motto des Heiligen Don Bosco: fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen, haben wir einen Spatzen in ein Fenster integriert, um uns so bei den Unterstützern zu bedanken“, so Dompropst Dr. Hentze.

Die Heiligen Patrone
Europas Die Erklärung von Heiligen zu Patronen Europas nahm ihren Anfang im Jahr 1964, als Papst Paul VI. das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kloster Monte Cassino besuchte, die wieder hergestellt Kirche weihte und Sankt Benedikt zum Patron des sich neu formenden Europa ernannte. Schon fünfzig Jahre zuvor hatte ein Papst bewusst den Namen Benedikt angenommen, als er zu Beginn des Ersten Weltkriegs Europa in seinen Grundfesten erschüttert sah, ähnlich dem 6. Jahrhundert Benedikts, als die Völkerwanderung das Römische Reich untergehen ließ. Als 1979 Johannes Paul II. zum ersten Mal als Papst Polen besuchte und einen Anfang zur Überwindung des Eisernen Vorhangs setzte, erweiterte er in Gnesen den Gesichtskreis nach Osten von Danzig über Polen bis Ungarn in Verbindung mit Rom, als er die Gestalt des heiligen Adalbert an der ersten christlichen Jahrtausendwende beschwor. Aber das Christentum auf dem Balkan und bis zum Schwarzen Meer kam erst mit den Slawenaposteln Cyrill und Methodius in den Blick, als der Papst diese zum Ende des Jahres 1980 dem heiligen Benedikt als Mit-Patrone zur Seite stellte. Die Zahl der Patrone Europas wurde schließlich 1999 verdoppelt und vervollständigt, als wiederum Papst Johannes Paul II. zum Ende des zweiten christlichen Jahrtausends drei heilige Frauen im europäischen Kontext zu sehen, zu würdigen, ja ebenso als Patrone zu verehren lehrte: Katharina von Siena, Birgitta von Schweden und Edith Stein.

Thema des Fensters: Mariä Heimsuchung (Begegnung von Elisabeth und Maria)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Mariä Verkündigung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fenster mit Darstellung der Patrone Europas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fenster mit Darstellung der Patrone Europas