Neue Fenster für den Paderborner Dom

Metropolitankapitel Glasmaler Wilhelm Peters gibt dem Generalkapitel Erklärungen zu den neuen Domfensternpdp Paderborn, 14. Juni 2007. Das Metropolitankapitel hat am Donnerstag Fensterentwürfe für den Hohen Dom vorgestellt. Die nach den Zerstörungen des Krieges eingebrachte Notverglasung ist abgängig. Mehrere Jahre hat das Domkapitel über eine künstlerisch angemessene Gestaltung beraten. Nun liegt ein erstes Musterfenster vor, nach Entwürfen von Wilhelm Buschulte aus Unna-Massen. Für die Umsetzung und Ausführung ist die Glasmalerei Peters beauftragt.

In sechs Fenster des Westbaus sollen nun zwei Marienfenster mit den Darstellungen „Mariä Verkündigung“ und Mariä Heimsuchung (Begegnung von Elisabeth und Maria), zwei schlichte abschließende Fenster in unmittelbarer Nähe der Orgel, sowie zwei dreiteilige Fenster mit den Patronen Europas gestaltet werden. Dies erläuterte Dompropst Dr. Wilhelm Hentze. Dargestellt werden die hl. Edith Stein, die hl. Birgitta von Schweden und die hl. Katharina von Siena. In einem zweiten Fenster werden der hl. Benedikt und die heiligen Cyrill und Methodius abgebildet. „Angesichts der Erweiterung der europäischen Union nach Osten und der Debatte über den Gottesbezug und den Hinweis auf die christlich-jüdischen Wurzeln Europas in einer künftigen europäischen Verfassung, erscheint dem Domkapitel die lange bedachte und gereifte Entscheidung, erstmals in einer europäischen Kathedrale die Patrone Europas in Fenstern darzustellen, ein richtiges Zeichen zu sein, die geistigen Wurzeln Europas nicht zu vergessen“, so der Dompropst.

Dompropst Wilhelm Peters, Dompropst Dr. Hentze und Domkustos Prof. Stiegemann begutachten Ausschnitte von Musterscheiben der neuen Domfensterpdp

Die künstlerische Konzeption sieht vor, die Heiligen in zwei Registern übereinander darzustellen. Das Fenster auf der Südseite zeigt unten den heiligen Benedikt, darüber Cyrill und Methodius, überwölbt vom Regenbogen mit der Taube. Auf der Nordseite werden die drei heiligen Frauen dargestellt, überhöht durch Abbreviaturen der drei Frauen am Grabe mit der Lichtgestalt des Engels über dem leeren Grab.

Die Kompositionen bezeugten in hervorragender Weise den abgeklärten späten Stil des Künstlers Wilhelm Buschulte, stellte Domkustos Prof. Dr. Christoph Stiegemann fest. Die „duftigen Figurenkompositionen mit ihrer hellen Farbigkeit“ würden sich mit den Fenstern des Langhauses zu einem stimmigen Ganzen verbinden, so Stiegemann weiter. Die Entwürfe ließen ein künstlerisch gültiges Gesamtergebnis erwarten. Auch das Metropolitanlkapitel war nach der Bemusterung davon überzeugt. Die Paderborner Glasmalerei Peters wird die Entwürfe umsetzen. Da auf Bleiruten wegen moderner Glasbrenntechniken heute weitgehend verzichtet werden kann, sind die Figuren deutlich erkennbar und erschließen sich auch dem weiter entfernt stehenden Betrachter. Die neue Verglasung wird ausschließlich über Spenden finanziert. „Ich bin zuversichtlich, dass wir für die Heiligen Europas die notwendigen Mittel erhalten“, so der Dompropst. Das theologische Programm zeige die vielfältige Verbundenheit der Kirche von Paderborn mit den Bistümern in Europa und der weiten Welt.

Buschulte Der 83jährige Wilhelm Buschulte bespricht mit Glasmaler Klaus Happe die figürlichen Darstellungen im Atelier Peterspdp Die Heiligen Patrone Europas

Die Erklärung von Heiligen zu Patronen Europas nahm ihren Anfang im Jahr 1964, als Papst Paul VI. das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kloster Monte Cassino besuchte, die wieder hergestellt Kirche weihte und Sankt Benedikt zum Patron des sich neu formenden Europa ernannte. Schon fünfzig Jahre zuvor hatte ein Papst bewusst den Namen Benedikt angenommen, als er zu Beginn des Ersten Weltkriegs Europa in seinen Grundfesten erschüttert sah, ähnlich dem 6. Jahrhundert Benedikts, als die Völkerwanderung das Römische Reich untergehen ließ. Als 1979 Johannes Paul II. zum ersten Mal als Papst Polen besuchte und einen Anfang zur Überwindung des Eisernen Vorhangs setzte, erweiterte er in Gnesen den Gesichtskreis nach Osten von Danzig über Polen bis Ungarn in Verbindung mit Rom, als er die Gestalt des heiligen Adalbert an der ersten christlichen Jahrtausendwende beschwor. Aber das Christentum auf dem Balkan und bis zum Schwarzen Meer kam erst mit den Slawenaposteln Cyrill und Methodius in den Blick, als der Papst diese zum Ende des Jahres 1980 dem heiligen Benedikt als Mit-Patrone zur Seite stellte. Die Zahl der Patrone Europas wurde schließlich 1999 verdoppelt und vervollständigt, als wiederum Papst Johannes Paul II. zum Ende des zweiten christlichen Jahrtausends drei heilige Frauen im europäischen Kontext zu sehen, zu würdigen, ja ebenso als Patrone zu verehren lehrte: Katharina von Siena, Birgitta von Schweden und Edith Stein.

Domfenster Hll. Cyrill und Methodius, Hl. Benediktpdp

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Domfenster Begegnung Elisabeth und Maria (Heimsuchung)pdp

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Domfenster Mariä Verkündigungpdp

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Domfenster Hll. Birgitta von Schweden und Katharina von Siena, Hl. Edith Steinpdp

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Peters Glasmaler Wilhelm Peters prüft die unterschiedlichen Goldauflagen am Musterfenster des Hl. Benediktpdp