Rechtsgrundlagen


 
1. Päpstliche Bulle De salute animarum vom 16. Juli 1821
(Auszug; abgedruckt in: Preußische Gesetzessammlung 1821, 114-152)
 
Pius Bischof, Knecht der Knechte Gottes zu ewigem Gedächtnis
[114] Indem wir das Heil der Seelen und die Wohlfahrt der katholischen Religion, wie Unser apostolischer Beruf es fordert, eifrig zu Herzen nehmen, trachten wir beständig, Alles zu bereiten, was irgend zur geistlichen Führung der Christen tauglich und nützlich ist. In solcher Gesinnung hatten Wir längst Unsere Gedanken auf jene Gegenden gerichtet, die der Durchlauchtigste Fürst Friedrich Wilhelm König von Preußen dermalen beherrschet; Wir wünschten, mit Hülfe seiner Macht und Freigebigkeit die Angelegenheiten der Religion daselbst auf die bestmöglichste Weise zu ordnen.
Denn jener Gegenden jetziger Zustand schwebte Uns vor Augen; und Wir hatten nicht aufgehört die Unfälle zu beweinen, die aus der allgemeinen Zerrüttung hervorgegangen, jene einst so blühenden, so reichen Kirchen von Deutschland, ihres alten Glanzes und Besitzthumes beraubt, und sie in das tiefste Elend herabgestürzt hatten; woraus für den katholischen Glauben und seine Bekenner großes Unheil entstanden ist.

[115] Da nun die Umstände nicht vergönneten, diese Kirchen der ruhmvollen deutschen Nation in vorigem Glanz wiederhergestellt zu sehen, so haben Wir alle Mühe und Fleiß angewandt, Uns wenigstens jene Mittel zu verschaffen, die Wir als nöthig und diensam erachteten, um in jene Gegenden den katholischen Glauben zu erhalten und das Seelen=Heil der Christen zu befördern.
Diesem Unseren Verlangen hat der vorbelobte König von Preußen sich überaus günstig erwiesen, dessen geneigten Willen gegen die zahlreichen, seinem Zepter unterworfenen Katholiken, besonders in den Ihm zugetheilten Provinzen am Rhein, Wir mit dankbarem Herzen erkennen. So vermögen Wir denn nun endlich Alles zu einem guten und heilsamen Ausgang zu leiten, nach Lage der Orte und Bequemlichkeit der Imwohnenden einen neuen Zustand der Kirchen des preußischen Reichs, mit neuer Begrenzung der Sprengel, einzurichten, und den einzelnen Stühlen, da, wo es daran mangelt, würdige und tüchtige Hirten zu verleihen.

Derobhalben, indem Wir als ausdrücklich erwähnt und von Wort zu Wort hier eingeschaltet sehen alles dasjenige, was die Aufhebung, Umwandelung oder Einrichtung der unten namhaft zu machenden Kirchen und Kapitel, wie auch deren besonderer früheren Rechte und Vorrechte, imgleichen die Theilung und Zusammensetzung der Sprengel und die Vernichtung jedes früheren Metropolitanrechtes betrifft – indem Wir ferner durchaus ergänzen die Zustimmung aller derer, die irgend zur [116] Sache betheiligt sind – aus sicherer Unserer Erkenntniß, nach reifer Ueberlegung, aus Fülle apostolischer Gewalt, und in Vorgang gänzlicher Aufhebung, Erlöschung und Vernichtung, schon jetzt der bischöflichen Kirche von Aachen (deren Domkapitel in ein Kollegiatstift verwandelt werden soll), wie auch der bischöflichen Kirche zu Corvei, und der Abtei Neuzell, dereinst aber (nämlich nach dem Abgange des jetzigen Abtes, Unseres ehrwürdigen Bruders, Joseph von Hohenzollern, Bischof von Ermland), auch der Abtei Oliva – willfahrend dem allgemeinen Wunsche von Deutschland, welcher Uns durch die Empfehlung des Königs doppelt werth geworden ist – dem allmächtigen Gott zur Verherrlichung, und zur Ehre des Haupts der Apostel, des heiligen Petrus, setzen Wir hierdurch wieder ein in den Rang einer Metropole, die, jenem Haupt der Apostel geweihte, Kirche zu Cöln, die an Glanz und alterthümlicher Würde keinem anderen Stuhle von Deutschland nachgiebt, und verfügen, daß sie zu ewigen Zeiten solcher Ehre genießen, und ihr die bischöflichen Kirchen von Trier, Münster und Paderborn als Suffragane untergeben seyn sollen. ...
[118] Die Kapitel der beiden bischöflichen Kirchen zu Trier und Paderborn werden ein jedes bestehen aus zwo Würden, nämlich Probstei und Dechantei, aus acht wirklichen und vier Ehren=Kanonikaten, und sechs Vikarien oder Pfründen. ...

[119] Ferner soll in allen den vorgenannten erzbischöflichen und bischöflichen Kirchen die Seelsorge über die Pfarrgemeinen zwar ein Recht des Kapitels seyn; sie soll jedoch einem, eigens dazu bestellten, von dem Erzbischofe oder Bischofe in Vorgang gehöriger Prüfung, nach Vorschrift der kanonischen Satzung bestätigtem Mitgliede anvertraut und von demselben mit Hülfe der Vikarien ausgeübt werden. Auch sollen in jedem der gedachten Kapitel von dem Erzbischofe oder Bischofe zwei Chorherren für immer angewiesen werden, deren der Eine des Beichtvater=Amtes, der Andere hingegen des Amtes eines Gottesgelehrten, welcher an bestimmten Tagen dem Volke die heilige Schrift erkläret, treulich zu warten hat.

Die Ehren=Kanonici vorgedachter Kapitel sollen zur persönlichen Residenz und Abwartung der Chorstunden durchaus nicht verpflichtet, aber dennoch berechtigt seyn, an diesen Stunden und allen gottesdienstlichen Verrichtungen, gleich den wirklichen Kanonicis, Theil zu nehmen. Und zu Zier und größerem Glanze jener Kirchen bestätigen und nach Unterschied verleihen Wir allen Würden und Kanonicis sich solcher Auszeichnungen zu gebrauchen, als bisher üblich gewesen sind.
Zugleich ermächtigen Wir die vorgenannten Domkapitel, so itzt als künftig, [120] daß sie zu neuer und angemessener Ordnung des Dienstes ihrer Kirchen und des täglichen Stundengebetes darin, auch zu heilsamer Leitung, Führung und Verwaltung geistlicher und zeitlicher Angelegenheiten und Gerechtsame, zu Erfüllung ihrer Obliegenheiten, zu Einziehung und Vertheilung der täglichen und übrigen Hebungen und Nutzungen, zu Anordnung von Strafen wider solche, so im Gottesdienste säumig sind, zu Aufzeichnung der Anwesenden und Abwesenden, zu Haltung der Zeremonien und Gebräuche, und was sonst zu allem diesem irgend nützlich und nöthig ist – Satzungen, Ordnungen, Kapitel und Beschlüsse, ehrbaren und erlaubten Inhalts, so den heiligen Kanones, den apostolischen Verordnungen und den Beschlüssen der Versammlung von Trient nicht widersprechen, unter Vorsitz und mit Gutheißung ihrer Ordinarien, aufrichten, erklären, auslegen, in bessere Fassung bringen, abändern, auch deren ganz neue, so von allen die es jetzo angeht und dereinst angehen wird, zu beobachten sind, abfassen und ausgehen lassen mögen.

Und nachdem Wir eines jeden Metropolitan= und Domstifts=Würden, Kanonikate, Vikarien oder Pfründen der Zahl nach, wie vorsteht, festgestellt, als setzen Wir zu deren jetziger und zukünftiger Einrichtung hierdurch fest, daß, wer [121] immer zu vorgedachten Würden und Kanonikaten gelangen will, mit nachstehenden Erfordernissen begabt seyn soll; nämlich: daß er die höheren heiligen Weihen empfangen, zum mindesten fünf Jahre lang in dem Haupt= oder Hülfsseelsorgeramte, oder in dem Lehramte der Gottesgelahrtheit oder des kanonischen Rechtes, oder in eines preußischen Bischofs Verwaltung gestanden und der Kirche mit Nutzen gedient, oder die höchste gelehrte Würde in der Gottesgelahrtheit oder in dem kanonischen Rechte gehörig erworben haben müsse. Dieses letzteren Erfordernisses bindende Kraft wird jedoch aus erheblichen Gründen für den Verlauf der nächsten zehn Jahre von diesem Tage ab noch ausgesetzt. Uebrigens sollen Stand und Geburt der Geistlichen in Erlangung der Würden und Kanonikate von nun an keinen Unterschied des Rechts weiter begründen. ... [122] Ein Jeglicher aber der Ehren=Kanonici vorgedachter Kirchen insgemein soll aus der Zahl der Erzpriester genommen seyn – derer, die sich in der Seelsorge mit Ehren versucht haben.

[123] Zukünftig aber, bei sich ereignenden Erledigungen in den gedachten erzbischöflichen und bischöflichen Kirchen, auch in der Kirche von Aachen (die, wie schon erwähnt, in ein Kollegiatstift verwandelt werden soll) werden Wir und Unsere Nachfolger, die Päbste zu Rom, nicht nur die Probstei, welches die erste Würde nächst der bischöflichen ist, sondern auch [124] die in den Monaten Januar, März, Mai, Julius, September und November zur Erledigung gelangenden Kanonikate verleihen, und zwar in derselbigen Art und Weise, wie bisher zu Breslau geschehen. Was aber die Dechanteien an gedachten Metropolitan= und Kathedral=Kirchen anbelangt, desgleichen die Kanonikate, so daselbst und in dem künftigen Kollegiatstift zu Aachen, in den übrigen Monaten des Jahres erledigt werden: so fallen solche der Vergebung der betreffenden Erzbischöfe und Bischöfe anheim. Die Vikareyen aber oder Pfründen, in was für einen Monat sie ledig werden mögen, überlassen Wir gänzlich zur Verleihung der betreffenden Erzbischöfe und Bischöfe.

Endlich glauben Wir der deutschen Nation etwas Angenehmes und dem vorbelobten Könige von Preußen etwas Wohlgefälliges zu erweisen, wenn Wir das Recht der Wahlen, welches in den überrheinischen Kirchen erhalten und bestätigt, in den diesseits Rheins Belegenen aber, durch apostolische Verfügung vom Jahre 1801 ausser Gang gebracht worden ist, in jenen diesseit Rheins belegenen Sprengeln, die dem Zepter des genannten Königs im Zeitlichen unterworfen sind, wieder herstellen. Daher verordnen und verfügen Wir, in Ansehung der zu Deutschland gehörigen Kirchen von Kölln, Trier, Breslau, Paderborn und Münster: daß mit Aufhebung jeder anderen bisher bestandenen Weise und Gewohnheit, auch jedes Unterschiedes von Wahl und Postulation, und des Erfordernisses adliger Geburt, besagte Kapitel (sobald sie auf vorerwähnte Weise [125] eingerichtet und zusammen gesetzt seyn werden) sich solchen Rechts sollen zu erfreuen haben. Es sollen nämlich bei jeder Erledigung jener Stühle, es sei durch Todesfall extra curiam, oder durch Abdankung und Entsagung (mit Ausnahme jedoch der jetzigen Erledigung von Kölln und Trier) innerhalb der gewöhnlicher Frist von drei Monaten, die Würden und Kanonici kapitularisch versammelt und mit Beobachtung der kanonischen Vorschriften, aus der gesammten Geistlichkeit des Preußischen Reichs sich einen würdigen, und mit den kanonischen Erfordernissen begabten Mann zu ihren Vorgesetzten kanonisch zu erwählen, ermächtigt seyn. Bei dergleichen Wahlen aber sollen nicht bloss die wirklichen, sondern auch die Ehren=Kanonici eine Stimme führen, selbst jene, die über die, in dieser Verordnung festgesetzte Anzahl, auf ihre Lebzeit in den Kapiteln beibehalten werden, sollen nicht davon ausgeschlossen seyn. ...

[126] Es soll jedoch über jede solche Wahl eine in beglaubigter Form abgefaßte Urkunde an Unseren heiligen Stuhl eingesendet werden. Wenn dieser denn die Wahl für kanonisch vollzogen anerkennt, und Kraft der Untersuchung, die der römische Pabst jederzeit einem preußischen Erzbischofe oder Bischofe auftragen, und dieser nach Vorschrift der Dienstanweisung Unseres Vorfahrs Urban’s VIII. seeliger Gedächtniß mit allem Fleiße führen wird, sich von des Erwählten Tüchtigkeit überzeugt: so werden Wir und Unsere Nachfolger, die Päbste zu Rom, jede solche Wahl, bestehendem Gebrauche gemäß, durch apostolische Briefe bestätigen. ...

[139] Zum Vollzieher dieses Unseres Briefes ernennen, wählen, setzen und verordnen Wir Unsern ehrwürdigen Bruder [140] Joseph Bischof von Ermland, auf dessen Einsicht, Gelehrsamkeit und Rechtlichkeit Wir in dem Herrn ein großes Zutrauen setzen. Ihm überlassen Wir, alles und jedes Vorbesagt und von uns Verfügte zum vorgesetzten Ziel zu leiten, und (damit die erledigten Stühle, wie es die Noth erfordert, des baldigsten mit tüchtigen Hirten versehen und die kirchlichen Angelegenheiten in besseren Stand und Ordnung gebracht werden mögen) die Kirchen mit angemessener und fester Ausstattung zu versorgen. Die dazu erforderlichen Mittel wird der vorgepriesene Durchlauchtigste König von Preußen, seiner Huld nach, freigebig bewilligen, als welcher Fürst Uns Gesinnungen der höchsten Großmuth und Güte gegen die seinem Zepter unterworfenen Katholiken, zu erkennen gegeben und zu unverzüglicher Herstellung aller Diözesen seines Reichs folgende Art und Weise der Ausstattung dargeboten hat: ...

[142] Es haben aber die Einkünfte dieser Art, der Königlichen Verheißung gemäß, frei von allen Lasten, folgenden Betrag jährlicher Ausstattung zu erreichen ... Für die [143] Bischöfe von Trier, Münster, Paderborn und Kulm Acht Tausend Thaler selbiger Währung [Preußische Thaler]. ...  [144] In den Domkapiteln Trier und Paderborn dem Probste Eintausend vierhundert Thaler; dem Dechant ebenfalls Eintausend vierhundert Thaler; den beiden ältesten Kanonicis jedem Eintausend Thaler; den beiden folgenden jedem Neunhundert Thaler; den übrigen jedem Achthundert Thaler; jedem der vier Ehren=Kanonici Einhundert Thaler; jedem der sechs Vikarien oder Pfründen zweihundert Thaler. 

Vertrag des Freistaates Preußen mit dem Heiligen Stuhle
(Preußenkonkordat) vom 14. Juni 1929
(Auszug; abgedruckt in: Acta Apostolicae Sedis 21 [1929] 521-535)


Artikel 2
(4) Dem Bischöflichen Stuhle zu Paderborn wird der Metropolitancharakter verliehen; das dortige Kathedralkapitel wird Metropolitankapitel. Zur Paderborner Kirchenprovinz werden außer dem Erzbistum Paderborn die Bistümer Hildesheim und Fulda gehören. An die Diözese Fulda tritt die Paderborner die Bezirke ihres Kommissariats Heiligenstadt und ihres Dekanats Erfurt ab.
 
Artikel 6
(1) Nach Erledigung eines Erzbischöflichen oder Bischöflichen Stuhles reichen sowohl das betreffende Metropolitan- oder Kathedralkapitel als auch die Diözesanerzbischöfe und -bischöfe Preußens dem Heiligen Stuhle Listen von kanonisch geeigneten Kandidaten ein. Unter Würdigung dieser Listen benennt der Heilige Stuhl dem Kapitel drei Personen, aus denen es in freier, geheimer Abstimmung den Erzbischof oder Bischof zu wählen hat.
Der Heilige Stuhl wird zum Erzbischof oder Bischof niemand bestellen, von dem nicht das Kapitel nach der Wahl durch Anfrage bei der Preußischen Staatsregierung festgestellt hat, daß Bedenken politischer Art gegen ihn nicht bestehen.
(2) Bei der Aufstellung der Kandidatenliste und bei der Wahl wirken die nichtresidierenden Domkapitulare mit.
 
Artikel 8
(1) Die Dignitäten der Metropolitan- und der Kathedralkapitel verleiht der Heilige Stuhl, und zwar beim Vorhandensein zweier Dignitäten die erste (Dompropstei) auf Ansuchen des Kapitels, die zweite (Domdekanat) auf Ansuchen des Diözesanbischofs, beim Vorhandensein nur einer Dignität (Dompropstei oder Domdekanat) diese abwechselnd auf Ansuchen des Kapitels und des Diözesanbischofs.[1]
(2) Die Kanonikate der Kapitel besetzt der Diözesanbischof abwechselnd nach Anhörung und mit Zustimmung des Kapitels. Die Abwechslung findet bei residentialen und nichtresidentialen Kanonikaten gesondert statt.
(3) Die Domvikarien besetzt der Diözesanbischof nach Anhörung des Kapitels.
 
Artikel 9
(1) Angesichts der in diesem Vertrag zugesicherten Dotation der Diözesen und Diözesananstalten wird ein Geistlicher zum Ordinarius eines Erzbistums oder Bistums oder der Praelatura nullius, zum Weihbischof, zum Mitglied eines Domkapitels, zum Domvikar, zum Mitglied einer Diözesanbehörde oder zum Leiter oder Lehrer an einer Diözesanbildungsanstalt nur bestellt werden, wenn er
a) die deutsche Reichsangehörigkeit hat,
b) ein zum Studium an einer deutschen Universität berechtigendes Reifezeugnis besitzt,
c)  ein mindestens dreijähriges philosophisch-theologisches Studium an einer deutschen staatlichen Hochschule oder an einem der gemäß Artikel 12 hierfür bestimmten bischöflichen Seminare oder an einer päpstlichen Hochschule in Rom zurückgelegt hat. [Schlußprotokoll: Das an einer österreichischen staatlichen Universität zurückgelegte philosophisch-theologische Studium wird entsprechend den Grundsätzen gleichberechtigt, die für andere geisteswissenschaftliche Fächer gelten werden.]
(2) Bei kirchlichem und staatlichem Einverständnis kann von den in Abs. 1 zu a, b und c genannten Erfordernissen abgesehen werden; insbesondere kann das Studium an anderen deutschsprachigen Hochschulen als den zu c genannten anerkannt werden.
(3) Mindestens zwei Wochen vor der beabsichtigten Bestellung eines Geistlichen zum Mitglied eines Domkapitels oder zum Leiter oder Lehrer an einem Diözesanseminar wird die zuständige kirchliche Stelle der Staatsbehörde von dieser Absicht und, mit besonderer Rücksicht auf Abs. 1 dieses Artikels und gegebenenfalls auf Abs. 2 des Artikels 12, von den Personalien des betreffenden Geistlichen Kenntnis geben [Schlußprotokoll: Ein staatliches Einspruchsrecht wird hierdurch nicht begründet.]. Eine entsprechende Anzeige wird alsbald nach der Bestellung eines Bistums- (Prälatur-)Verwesers, eines Weihbischofs und eines Generalvikars gemacht werden. 


Statuten des Metropolitankapitels zu Paderborn
vom 11. Februar 1999

(Auszug)

Kapitel I – Allgemeine Bestimmungen
Art. 1 – Verfassung
1.  Das Metropolitankapitel ist ein Kollegium von vierzehn Diözesanpriestern des Erzbistums Paderborn im Sinne von can. 115 § 2 CIC. Es besteht aus zwei Dignitären, dem Dompropst und dem Domdechant, und acht residierenden Domkapitularen. Weiter gehören dem Metropolitankapitel vier nichtresidierende Domkapitulare an, denen jedoch nur die Rechte und Pflichten, die ausdrücklich in diesem Statut genannt werden, zukommen.
2.  Das Metropolitankapitel ist eine öffentliche juristische Person kanonischen Rechts gemäß can. 116 § 1 CIC und Körperschaft des öffentlichen Rechts gemäß Art. 13 des Reichskonkordats vom 20. Juli 1933. 

Art. 2 – Allgemeine Aufgaben
1.  Das Metropolitankapitel hat gemäß can. 503 CIC die Aufgabe, die feierlicheren Gottesdienste im Hohen Dom zu Paderborn durchzuführen (vgl. auch can. 562 CIC). Es nimmt auch an den Gottesdiensten teil, die der Erzbischof nach geltender Gewohnheit im Hohen Dom feiert (vgl. Art. 12 sowie die Liturgische Ordnung in der jeweils geltenden Fassung).
2.  Dem Metropolitankapitel obliegt die Erhaltung und Verwaltung der eigenen Güter sowie die der Hohen Domkirche (vgl. Art. 13).
3.  Das Metropolitankapitel hat den Erzbischof in der Leitung der Erzdiözese zu unterstützen, indem es die ihm vom allgemeinen Recht oder vom Erzbischof übertragenen Aufgaben erfüllt (vgl. Art. 14).
4.  Das Metropolitankapitel nimmt die Aufgaben des Konsultorenkollegiums gemäß dem Beschluß der Deutschen Bischofskonferenz wahr (can. 502 § 3 CIC).
5.  Das Metropolitankapitel bestellt für die Zeit der Sedisvakanz den Diözesanadministrator (vgl. Art. 15) und nimmt seinerseits die Aufgaben wahr, die vom Recht vorgesehen sind.
6.  Das Metropolitankapitel wählt im Falle der Sedisvakanz den Erzbischof gemäß Art. 6 des Preußenkonkordates (vgl. Art. 16 und 17)
 

Kapitel II - Mitgliedschaft
Art. 3 – Eignungsvoraussetzungen
Eine Dignität oder ein Kanonikat darf gemäß can. 509 § 2 CIC unter Beachtung von Art. 9 des Preußenkonkordats nur Priestern des Erzbistums Paderborn übertragen werden, die sich durch Rechtgläubigkeit und unbescholtenen Lebenswandel auszeichnen und ihren Dienst in lobenswerter Weise ausgeübt haben.
 
Art. 4 – Amtsübertragung
1.  Der Dompropst wird vom Metropolitankapitel gewählt und vom Erzbischof bestätigt. Gewählt werden kann ein Priester, der dieselben Voraussetzungen erfüllt, die zur Ernennung eines Domkapitulars notwendig sind.
2.  Der Domdechant wird vom Erzbischof nach Anhörung des Metropolitankapitels ernannt.
3.  Die Kanonikate sowohl der residierenden als auch der nichtresidierenden Domkapitulare besetzt der Erzbischof abwechselnd nach Anhörung oder mit Zustimmung des Metrpolitankapitels. Die Abwechslung findet sowohl bei der Ernennung der residierenden als auch der nichtresidierenden Domkapitulare gesondert statt (vgl. Art. 8 Abs. 2 Preußenkonkordat).
 
Art. 5 – Amtseinführung
Jeder neuernannte Domkapitular, ob residierend oder nichtresidierend, ist verpflichtet, bei der Installierung das Glaubensbekenntnis abzulegen und das Amtsversprechen zu leisten. Die Amtseinführung findet in Verbindung mit einer Eucharistiefeier statt, der der Ernannte vorsteht (siehe Liturgische Ordnung der Amtseinführung).
 
Art. 6 – Dauer der Mitgliedschaft
Die Dignitäre und Domkapitulare werden unbefristet bestellt. Der Verlust des Kanonikates ist möglich durch den vom Erzbischof angenommenen Verzicht des Domkapitulars (Art. 7.)
Wenn ein Mitglied des Metropolitankapitels aus Krankheits- oder Altersgründen das Amt des Dignitärs bzw. des Domkapitulars nicht mehr versehen kann, kann der Erzbischof nach Anhörung des Metropolitankapitels diesen von seinem Amt entpflichten und emeritieren.
 
Art. 7 – Verzicht
1.  Jedes Mitglied des Metropolitankapitels kann aus gerechtem Grund durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Erzbischof unter Beachtung der Bestimmungen der cann. 187 und 189 CIC auf sein Kanonikat verzichten. Der Verzicht bedarf zur Rechtswirksamkeit der Annahme durch den Erzbischof.
2.  Jedes Mitglied des Metropolitankapitels wird gebeten, bei Vollendung des 75. Lebensjahres dem Erzbischof den Verzicht auf sein Kanonikat anzubieten, der nach Abwägung aller Umstände über die Annahme des Verzichts entscheidet.
3.  Die nichtresidierenden Domkapitulare werden gebeten, mit Ausscheiden aus dem aktiven Dienst den Verzicht auf ihr Kanonikat anzubieten.
4.  Mit der Annahme des Verzichts durch den Erzbischof scheidet das Mitglied aus dem Metropolitankapitel aus und wird emeritiert. Für die emeritierten Domkapitulare gelten die Bestimmungen von Art. 25.
 
 
Kapitel IV - Aufgaben des Metropolitankapitels im Einzelnen
Art. 12 – Liturgische Aufgaben
1.  Das Metropolitankapitel erfüllt seine liturgischen Aufgaben im Hohen Dom zu Paderborn
– durch die Gestaltung und Teilnahme an den Gottesdiensten des Erzbischofs an den festgelegten Tagen gemäß der geltenden Liturgischen Ordnung,
– durch die Feier des Kapitelsamtes an Sonn- und Feiertagen sowie an Werktagen,
– durch das Chorgebet nach Maßgabe der liturgischen Ordnung.
2.  Alle residierenden Mitglieder des Metropolitankapitels sind verpflichtet, an den liturgischen Feiern teilzunehmen; die nichtresidierenden Domkapitulare, die emeritierten Domkapitulare und die Ehrendomherren sind berechtigt und eingeladen, im Chorgestühl daran teilzunehmen.
 
Art. 13 – Verwaltung der Hohen Domkirche
 sowie des Vermögens des Metropolitankapitels
Bei der Verwaltung der Hohen Domkirche, der Kaiserpfalz, der Kurien und des übrigen Vermögens des Metropolitankapitels werden im Sinne sparsamer Haushaltsführung besondere Verwaltungstätigkeiten, vor allem die Planung und Durchführung von Baumaßnahmen sowie besondere Beschaffungsmaßnahmen gemäß Absprache zwischen dem Metropolitankapitel und dem Generalvikar durch die Dienststellen des Erzbischöflichen Generalvikariates im Wege der Amtshilfe ausgeführt. Im übrigen gilt die Haushalts- und Kassenordnung des Metropolitankapitels.
 
Art. 14 – Mitwirkung in der Leitung und Verwaltung der Erzdiözese
1.  Die residierenden Mitglieder des Metropolitankapitels nehmen nach Maßgabe des allgemeinen Rechts oder den Weisungen des Erzbischofs an Leitungs- und Verwaltungsaufgaben der Erzdiözese teil (Art. 2 Abs. 3).
2.  Das Metropolitankapitel wirkt an der Leitung und Verwaltung der Erzdiözese mit, insbesondere

  • durch Beteiligung an der Verwaltung des Vermögens diözesaner Rechtspersonen gemäß can. 1277 CIC, 
  • durch Zustimmung bei Veräußerungen oder veräußerungsähnlichen Rechtsgeschäften gemäß can. 1292 § 1 CIC,
  • durch Anhörung bei der Bestellung oder Absetzung des Diözesanökonoms gemäß can. 494 §§ 1 und 2 CIC,
  • durch die Teilnahme an der Diözesansynode gemäß can. 463 § 1 n. 3 CIC,
  • durch Übernahme der Aufgaben des Priesterrats während der Erledigung des Erzbischöflichen Stuhls gemäß can. 501 § 2 CIC,
  • ggf. durch Leitung der Diözese nach Maßgabe des Rechts bis zur Wahl eines Diözesanadministrators (vgl. can. 419 CIC),
  • durch Wahl des Administrators der Erzdiözese nach Erledigung des Erzbischöflichen Stuhls (vgl. can. 421 § 1 CIC),
  • durch Zustimmung zur Ausstellung von Weiheentlaßschreiben durch den Diözesanadministrator gemäß can. 1018 § 1 n. 2 CIC, 
  • durch Zustimmung zu einer Exkardination oder Inkardination bei über einjähriger Vakanz des Erzbischöflichen Stuhles (vgl. can. 272 CIC), 
  • durch Zustimmung bei der Entlassung des Kanzlers oder Notars der Kurie (vgl. can. 485 CIC),
  • ggf. durch Wahl des Leiters der Diözese sede impedita nach Maßgabe des Rechts (vgl. can. 413 § 2 CIC),
  • durch Teilnahme an der kanonischen Besitzergreifung des bestätigten Erzbischofs (vgl. can. 382 § 3 CIC).

3.  Das Metropolitankapitel nimmt nach Maßgabe des allgemeinen Rechtes die Aufgaben und Bei-spruchsrechte des Konsultorenkollegiums wahr (Art. 2 Abs. 3). Wenn das Metropolitankapitel als Konsultorenkollegium tagen soll, lädt der Erzbischof zu der Sitzung ein. Er führt in der Sitzung den Vorsitz.
 

Kapitel V – Aufgaben des Metropolitankapitels sede vacante
Art. 15 – Der Diözesanadministrator
1.  Bei der Vakanz geht die Leitung der Diözese bis zur Bestellung des Diözesanadministrators gemäß can. 419 CIC auf den dienstältesten Weihbischof über.
Beim Tod des amtierenden Erzbischofs sorgen der dienstälteste Weihbischof zusammen mit dem Dompropst und dem Domdechanten für die unverzügliche Bekanntgabe der Nachricht vom Ableben des Erzbischofs und für die Exequien. Die Genannten tragen ferner dafür Sorge, daß kirchliche Dokumente, Akten und Wertgegenstände, die der Erzdiözese gehören, sichergestellt werden.
2.  Der dienstälteste Weihbischof beruft unverzüglich schriftlich das Metropolitankapitel als Konsultorenkollegium zur Wahl des Diözesanadministrators ein. Diese Wahl, zu der nur die Dignitäre und die residierenden Domkapitulare berechtigt sind, muß innerhalb von acht Tagen nach Kenntnis der Vakanz des Erzbischöflichen Stuhls erfolgen (vgl. cann. 419, 421 CIC).
3.  Hinsichtlich der Eignung und der Aufgaben des Diözesanadministrators gelten die Bestimmungen des allgemeinen Rechtes.
 
Art. 16 – Die Erstellung der Kandidatenliste des Metropolitankapitels
1.  Gemäß Art. 6 Abs. 1 des Preußenkonkordats ist es das Recht und die Pflicht des Metropolitankapitels, bei Erledigung des Erzbischöflichen Stuhles eine Kandidatenliste zu erstellen.
2.  Zur Sitzung über die Erstellung der Kandidatenliste lädt der Dompropst oder sein Vertreter schriftlich alle residierenden und nichtresidierenden Mitglieder des Metropolitankapitels spätestens 14 Tage nach Kenntnisnahme von der Erledigung des Erzbischöflichen Stuhles ein. Diese Sitzung hat innerhalb von sechs Wochen stattzufinden. Das Metropolitankapitel ist beschlußfähig, wenn wenigstens die Mehrzahl der Einzuladenden anwesend ist.
3.  In die Vorschlagsliste des Metropolitankapitels für den Heiligen Stuhl werden diejenigen Kandidaten aufgenommen, die die absolute Mehrheit der Stimmen der anwesenden Stimmberechtigten erlangen. Die Reihenfolge der Namen in der Vorschlagsliste bestimmt sich dabei nach dem Wahlgang, in dem der Kandidat die erforderliche absolute Mehrheit erhalten hat. Haben mehrere Kandidaten in demselben Wahlgang diese erreicht, entscheidet die Stimmenzahl, hilfsweise das Lebensalter.
4.  Im ersten Wahlgang kann jeder Wahlberechtigte die Namen von bis zu drei Kandidaten auf den Stimmzettel schreiben.
5.  Erlangen weniger als drei Kandidaten die absolute Mehrheit, haben die Wahlberechtigten im zweiten Wahlgang so viele Stimmen, wie Kandidaten zu wählen sind. Zur Kandidatur stehen die im ersten Wahlgang Benannten. Deren Anzahl darf das Dreifache der noch zu Wählenden nicht übersteigen; ausschlaggebend dafür ist die Anzahl der im ersten Wahlgang erhaltenen Stimmen, hilfsweise das Lebensalter.
6.  Liegt nach zwei Wahlgängen kein Ergebnis vor, wird eine neue Kandidatenliste erstellt. In diese werden die bisherigen Kandidaten mit den meisten Stimmen aufgenommen, jedoch höchstens die zweifache Anzahl der noch zu Wählenden; bei Stimmengleichheit entscheidet das Lebensalter. Ferner kann jeder Wahlberechtigte einen weiteren Kandidaten geheim benennen.
7.  Im dritten Wahlgang gelten die Bestimmungen des Abs. 5 analog, ebenso im vierten. Im letzteren jedoch genügt die relative Stimmenmehrheit; hilfsweise entscheidet das Lebensalter.
8.  Nach Erstellung der Kandidatenliste hat der Dompropst das Ergebnis unverzüglich dem Apostolischen Stuhl mitzuteilen.
 
Art. 17 – Die Wahl des Erzbischofs
1.  Spätestens acht Tage nach Eingang der vom Apostolischen Stuhl erstellten Kandidatenliste hat der Dompropst oder sein Vertreter die Dignitäre sowie die residierenden und nichtresidierenden Domkapitulare schriftlich zur Wahl des Erzbischofs einzuberufen. Die Sitzung hat frühestens zwei Wochen, spätestens vier Wochen später zu erfolgen.
2.  Die Sitzung des Metropolitankapitels zur Wahl des Erzbischofs ist beschlußfähig, wenn wenigstens die Mehrzahl der Einzuladenden anwesend ist.
3.  Nach Maßgabe von Art. 6 Abs. 1 des Preußenkonkordats hat der Dompropst nach erfolgter Wahl bei den Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen sich durch Anfrage zu vergewissern, daß Bedenken politischer Art gegen den Gewählten nicht bestehen.
4.  Das Ergebnis der Wahl ist nach Rückäußerung der Landesregierungen vom Dompropst unverzüglich dem Apostolischen Stuhl zur Bestätigung gemäß can. 377 § 1 CIC mitzuteilen.


Kapitel VI – Rechte und Pflichten der Mitglieder des Metropolitankapitels
Art. 18 – Rechte der einzelnen Mitglieder
1.  Die Stellen der Dignitäre und die Domkapitulare werden nach Maßgabe des Preußenkonkordates (vgl. Art. 4 Abs. 1) dotiert. Die Besoldung der Dignitäre und residierenden Domkapitulare erfolgt nach der Besoldungsordnung für Wirkliche Geistliche Räte im Erzbischöflichen Generalvikariat, unbeschadet weitergehender Ansprüche auf Grund besonderer Aufgaben.
2.  Den Dignitären, den residierenden Domkapitularen, sowie den emeritierten Domkapitularen steht das Recht auf mietfreies Wohnen in den Häusern zu, die dem Metropolitankapitel gehören. Ist eine Wohnung in diesen Häusern frei, kann ein Domkapitular nach Maßgabe der in Art. 20 gegebenen Rangfolge optieren. Soweit möglich und nötig wird auch Domvikaren mietfreies Wohnen in den Häusern, die dem Metropolitankapitel gehören, zugestanden.
3.  Es ist den Wohnungsnehmern untersagt, in ihren Wohnungen Veränderungen vorzunehmen, die die Substanz des Hauses betreffen. Für jede Wohnung ist ein Inventarverzeichnis über Gegenstände zu führen, die dem Metropolitankapitel gehören oder seitens des Erzbistums zur Verfügung gestellt wurden. Dieses Inventarverzeichnis wird vom Rendanten geführt, beim Einzug des Wohnungsnehmers vorgelegt und von diesem durch Unterschrift anerkannt.
4.  Die Dignitäre, die residierenden und nichtresidierenden Domkapitulare tragen die Domherrenkleidung nach überkommener Tradition.
5.  Die Dignitäre und residierenden Domkapitulare haben Anspruch auf Beisetzung auf dem Kapitelsfriedhof.
6.  Die nichtresidierenden Domkapitulare werden gemäß der Besoldungsordnung des Erzbistums für Priester in der Seelsorge besoldet.
 
Art. 19 – Pflichten der einzelnen Mitglieder
1.  Die Dignitäre und residierenden Domkapitulare sind zur Residenz in Paderborn verpflichtet.
2.  Ist ein residierender Domkapitular urlaubsbedingt oder aus einem wichtigen Grund verhindert, hat er dafür Sorge zu tragen, daß gegebenenfalls ein anderer Domkapitular seinen liturgischen Dienst übernimmt.
3.  Alle Mitglieder des Metropolitankapitels sind zu dienstlicher Verschwiegenheit in bezug auf alle in den Kapitelssitzungen erworbenen Kenntnisse verpflichtet, insbesondere bezüglich der Wahl des Erzbischofs. Das Dienstgeheimnis bindet auch nach dem Ausscheiden aus dem Metropolitankapitel.
4.  Jeder Domkapitular ist verpflichtet, für einen verstorbenen Domkapitular baldmöglichst eine heilige Messe zu feiern.
 
 
Kapitel VII – Ämter im Metropolitankapitel
Art. 21 – Der Dompropst
1.  Der Dompropst ist der erste Dignitär und Vorsitzende des Metropolitankapitels. Er hat dafür zu sorgen, daß die Statuten des Metropolitankapitels eingehalten werden, und übt in den vom Metropolitankapitel zu verwaltenden Gebäuden das Hausrecht aus.
2.  Der Dompropst vertritt das Metropolitankapitel gerichtlich und außergerichtlich.
3.  Vorbehaltlich der Bestimmung von Art. 8 Abs. 4 beruft der Dompropst oder sein Vertreter die Mitglieder des Metropolitankapitels zu den Kapitelssitzungen ein. Er stellt die Tagesordnung auf, leitet die Sitzungen und sorgt für die Ausführung der Kapitelsbeschlüsse sowie gegebenenfalls für deren Vorlage beim Erzbischof zur Einholung seiner Zustimmung.
4.  Der Dompropst ist der Dienstvorgesetzte der Angestellten des Metropolitankapitels.
5.  Im Falle von Abwesenheit oder Verhinderung wird der Dompropst vom Domdechanten vertreten. Sind beide verhindert, so tritt an ihre Stelle der nach seiner Bestellung dienstälteste Domkapitular.
 
Art. 22 – Der Domdechant
1.  Der Domdechant ist der zweite Dignitär des Metropolitankapitels. Er ist verantwortlich für die ordnungsgemäße Durchführung der Liturgie im Hohen Dom sowie für alle die Kirchenmusik bei Gottesdiensten des Metropolitankapitels betreffenden Fragen.
2.  Im Falle der Abwesenheit oder Verhinderung wird der Domdechant vom Dompropst vertreten. Sind beide verhindert, so tritt an ihre Stelle der dienstälteste Domkapitular.
 
Art. 26 – Die Ehrendomherren
Der Erzbischof kann nach Anhörung des Metropolitankapitels Ehrendomherren ernennen. Die nicht zur Erzdiözese Paderborn zählenden Ehrendomherren sollen nicht mehr als sechs sein.
 
Art. 27 – Die Domvikare
1.  Dem Metropolitankapitel sind sechs Domvikare zugeordnet, die nicht Mitglieder des Metropolitankapitels sind. Sie unterstützen das Metropolitankapitel in den liturgischen Aufgaben unter der Aufsicht des Domdechanten.
2.  Die Domvikare werden nach Maßgabe von Art. 8 Abs. 3 des Preußenkonkordats vom Erzbischof nach Anhörung des Metropolitankapitels ernannt.
3.  Ein Domvikar wird in sein Amt nach Ablegung des Glaubensbekenntnisses und des Amtsversprechens eingeführt und erhält vom Dompropst oder dessen Vertreter einen Platz im Chor angewiesen.
4.  Die Domvikare sind zur Residenz in Paderborn verpflichtet. Bezüglich der Abwesenheit gelten die Bestimmungen von Art. 19 Abs. 2 und 3.
5.  Die Domvikare tragen im Chor die ihnen am 10. Mai 1948 vom Heiligen Stuhl zugestandene Chorkleidung.
6.  Ein Domvikar kann aus gerechtem Grund von seinem Amt entpflichtet werden. 


Beschluß der Deutschen Bischofskonferenz zu can. 502 § 3 CIC
bezüglich der Übertragung der Aufgaben des Konsultorenkollegiums
an die Domkapitel

(abgedruckt in: Kirchliches Amtsblatt für die Erzdiözese Paderborn 138 [1995] 127, Nr. 158)
Mit Rücksicht auf die bereits konkordatsrechtlich dem Domkapitel zugewiesenen Aufgaben überträgt die Deutsche Bischofskonferenz gemäß c. 502 § 3 CIC die Aufgaben des Collegium Consultorum dem Domkapitel.